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Händler zu verkaufen

Versand. Karstadt-Quellebraucht Neckermann nicht mehr – Otto hat anTeilen Interesse.

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Essen/Leipzig. Neckermann im Einkaufswagen: Der Handelsriese Karstadt-Quelle will sich von einer kriselnden Versandhaus-Tochter trennen – und von seinen riesigen Paketpackzentralen wie in Leipzig.

Der Konzern kündigte gestern an, er werde Deutschlands drittgrößtes Versandhaus entweder 2007 an die Börse bringen oder an Investoren verkaufen. Karstadt-Quelle will sich künftig ganz auf den Ausbau des zweiten konzerneigenen Versandhauses – Quelle – konzentrieren. Dessen Position im Internethandel und im Tele-Shopping soll ausgebaut werden.

Der Essener Handelskonzern zieht damit die Notbremse. Die Versandhäuser Quelle und Neckermann hatten sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Sorgenkind des Konzerns entwickelt. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres brachen die Umsätze der beiden Versender um fast zehn Prozent ein. Die wachsenden Verluste der Sparte machten die Sanierungserfolge der Warenhaussparte weitgehend zunichte.

In Leipzig 2500 Mitarbeiter

Europas größter Versandhändler Otto meldete Interesse an den Spezialversendern von Karstadt-Quelle an. „Wir haben an Neckermann in Gänze kein Interesse“, sagte allerdings ein Otto-Sprecher der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“.

Zum Verkauf steht nicht nur Neckermann, sondern auch die Service Group. Sie wickelt mit 10000 Beschäftigten in 14 Telefonzentralen, fünf Auslieferungslagern und bei diversen Computer-Dienstleistern die Bestellungen und Auslieferungen ab, sowohl für Quelle als auch für Neckermann. Allerdings wolle Karstadt-Quelle dort eine Minderheitsbeteiligung behalten, sagte ein Konzernsprecher.

Allein im Leipziger Quelle-Versandzentrum arbeiten nach früheren Angaben bis zu 2500 Menschen in Spitzenzeiten. Dorthin sind schrittweise Aufgaben verlagert worden, voriges Jahr auch das „Vorkonfektionieren“ von Paketen für den polnischen Markt.

Beim Auslandsgeschäft will sich Quelle künftig auf Mittel- und Osteuropa sowie den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Besonderes Gewicht soll dabei die Expansion in Russland haben. Die rote Zahlen schreibenden Quelle-Aktivitäten in Frankreich, Portugal und Spanien sollen verkauft werden. Die Geschäfte in Belgien und den Niederlanden würden Anfang 2007 eingestellt. Wachstum bringen sollen Spezialversender wie Baby Walz oder Hess Natur. (AP/dpa/SZ)