SZ +
Merken

Hängepartie ums Medinger Vereinshaus

Die Sanierung der Baracke zieht sich möglicherweise bis ins nächste Jahr hinein. Die Medinger sind frustriert.

Teilen
Folgen

Von Sebastian Kositz

Morsch, verdreckt und vollgeschmiert gammeln die Wände der alten Baracke am Medinger Sportplatz in der brütenden Sommerhitze vor sich hin. Um den Flachbau herum wuchert das Unkraut, sprießt inzwischen aber auch reichlich Unmut. Allen voran bei Medingens Ortsvorsteher René Edelmann (Die Linke) und Gemeinderat Karsten Stephan (FDP). Denn ginge es nach ihnen, wäre der Schandfleck in der Ortschaft längst verschwunden, hätten Bauleute die alte Baracke als Erweiterung des schon bestehenden Vereinshauses bereits auf Vordermann gebracht.

Überlegungen dazu gibt es bereits seit Jahren. Doch erst nach ewigem Hickhack konnte sich der Gemeinderat im vergangenen Herbst endlich dazu durchringen, das Vorhaben anzupacken. Dieses Jahr sollte der marode Teil des Vereinshauses saniert werden. Das entsprechende Geld dafür – die Gemeinde plant mit Kosten in Höhe von rund 80 000 Euro – sind mit dem Haushalt unlängst beschlossen worden. Nur getan hat sich auf dem Gelände bislang nichts. Inzwischen ist sogar fraglich, ob das Vorhaben bis zum Winter überhaupt noch fertiggestellt werden kann.

„Die Baupläne liegen vor, wir benötigen aber noch die Genehmigung aus dem Landratsamt“, erklärt Ottendorfs Bauamtschef Andreas Jäpel. In diesen Tagen erst werden die Unterlagen nach Bautzen geschickt. „Die Kreisverwaltung hat bis zu drei Monate Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Erfahrungen nach dauert es aber nicht so lange“, sagt Andreas Jäpel. Doch auch wenn die Erlaubnis vorliegt, können die Bauleute nicht sofort loslegen. Denn die Bauleistungen müssen zunächst erst ausgeschrieben werden. Bis der Gemeinderat dann den Zuschlag an eine Firma erteilt, könnten also noch einmal einige Wochen vergehen.

Entsprechend vorsichtig sind die Prognosen in der Gemeindeverwaltung. Der Teilabriss der Baracke wird nach Ansicht von Andreas Jäpel sehr wahrscheinlich noch diesen Herbst erfolgen. Die Abrissgenehmigung liegt bereits vor. Weniger optimistisch ist der Chefplaner im Rathaus allerdings mit Blick auf den Wiederaufbau: „Es ist gut möglich, dass wir das dieses Jahr nicht mehr schaffen. Wir würden die Baustelle dann winterfest machen und die Arbeiten im Frühjahr fortsetzen.“

Bei René Edelmann und Karsten Stephan schrillen deshalb alle Alarmglocken. Warten bis ins kommende Jahr, das kommt für die beiden Medinger nicht in die Tüte. „Wir feiern im nächsten Jahr unser 725-jähriges Ortsjubiläum. Ich erwarte, dass das Gebäude dazu pünktlich picobello da steht“, sagt Ortsvorsteher René Edelmann. Genau das sei aber nicht zu halten, wenn der eigentliche Aufbau erst im kommenden Jahr beginnt. „Die Hülle wird vielleicht schnell und rechtzeitig fertig, aber die Außenanlagen brauchen ihre Zeit“, erklärt Medingens Ortsvorsteher. Warum sich die Arbeiten nun über die Winterpause ziehen könnten, das leuchtet René Edelmann nicht ein: „Der Abriss und der Aufbau gehen doch ratzfatz. Dann bleibt ausreichend Zeit für die Gestaltung des Innen- und des Außenbereichs.“

Die lange Hängepartie zieht aber auch noch ein weiteres Problem nach sich. Die Räume in dem neuen Teil des Vereinshauses werden künftig vom Heimatverein genutzt. Zudem gibt es Überlegungen, dort die Pfadfinder oder das Modellbahnprojekt aus der Medinger Grundschule dort unterzubringen. „Ohne eine klare Aussage, wann das Gebäude fertig ist, kann ich nicht planen. Die Nutzer hängen somit in der Luft“, erklärt René Edelmann.

Der Ortsvorsteher hofft nun darauf, dass Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) beim Landratsamt auf eine eilige Entscheidung drängt. Je schneller der Baustart erfolgen kann, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Fertigstellung vielleicht doch noch dieses Jahr unter Dach und Fach kommt.