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„Jetzt schnell in die CDU einzutreten, wäre unehrlich"

Ralf Hänsel bringt für das Amt eines Landrates eine hohe Qualifikation mit. Doch es gibt vor der Entscheidung der CDU in Weinböhla ein kleines Problem.

Seit acht Jahren Bürgermeister – und ab Herbst neuer Landrat? Ralf Hänsel muss sich zuvor am Freitag auf einem Nominierungsparteitag der CDU in Weinböhla dem internen Kontrahenten Sebastian Fischer stellen.
Seit acht Jahren Bürgermeister – und ab Herbst neuer Landrat? Ralf Hänsel muss sich zuvor am Freitag auf einem Nominierungsparteitag der CDU in Weinböhla dem internen Kontrahenten Sebastian Fischer stellen. © Claudia Hübschmann

Herr Hänsel, warum wollen Sie Landrat werden? Gefällt Ihnen Zeithain nach acht Jahren als Bürgermeister nicht mehr?

Doch, sehr. Ich liebe meinen Beruf, ich liebe es, Bürgermeister zu sein. Aber ich liebe auch den Landkreis Meißen. Ich möchte meine Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen in der Verwaltung gern mehr Menschen zukommen lassen, den Einwohnern des gesamten Landkreises. Deshalb möchte ich kandidieren. Ich bewerbe mich nicht von Zeithain weg, sondern zum Landkreis hin.

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Sie waren ja schon mal im Landratsamt angestellt. Halten Sie sich für den Landrats- Job ausreichend qualifiziert?

Ich denke, ich bin sehr gut qualifiziert. Studiert habe ich in Meißen Diplom-Verwaltungswirt und habe den Beruf von der Pike auf gelernt. Ich war zunächst Sachbearbeiter im Landratsamt, dann Sachgebietsleiter und schließlich Amtsleiter. Ich kenne also das Landratsamt gut. Damit habe ich dem amtierenden Landrat etwas voraus: Ich bin wirklich von unten gestartet. Später hat mich die CDU gefragt, ob ich mich der Bürgermeisterwahl in Zeithain stellen möchte. Das habe ich auch sehr gern gemacht.

Wie leben Sie privat?

Ich bin 49 Jahre alt, bin zum zweiten Mal verheiratet und habe vier Töchter, zwei aus erster Ehe, zwei aus der zweiten. Wir wohnen in einem Einfamilienhaus in der Gemeinde Niederau.

Sie sind kein Mitglied der CDU, wollen aber dennoch auf CDU-Ticket den Wahlkampf führen. Verstehen Sie, dass es daran Kritik aus den eigenen Reihen gibt? Was sagen Sie dazu?

Ich verstehe, dass es ein hochemotionales Thema ist. Die CDU öffnet seit vielen Jahren ganz bewusst ihre kommunalen Fraktionen für Parteilose. Sie stellt sich damit fachlich breiter auf. Die Frage der Parteimitgliedschaft stellte sich für mich aktuell nicht, denn ich sehe mich als parteiübergreifenden Sachpolitiker und Problemlöser. So werde ich auch wahrgenommen. Ich kann verstehen, dass es einzelnen CDU-Mitgliedern nicht so gefällt. Doch jetzt schnell in die CDU einzutreten, um den Kritikern entgegenzukommen, wäre unehrlich. 

Außerdem ist die Kritik vom ehemaligen Riesaer Finanzbürgermeister Markus Mütsch an einer so genannten Bürgermeister-Riege in der Kreistagsfraktion falsch. Wir haben uns nicht an die Macht geputscht, sondern sind gewählte Mitglieder des Kreistages. Im Grunde sind wir sogar doppelt gewählt, zusätzlich nämlich noch als Bürgermeister in unseren Kommunen.

Sie haben einen Gegenkandidaten, den Meißner CDU-Vorsitzenden Sebastian Fischer. Was halten Sie von ihm?

Um dazu eine fundierte Aussage zu treffen, kenne ich Sebastian Fischer leider zu wenig.

Die Kreistagsfraktion steht geschlossen hinter Ihnen, aber wie werden Sie am 26. Juni zum Nominierungsparteitag auch die Parteimitglieder von sich überzeugen?

Ich denke, ich bringe 99,9 Prozent aller Eigenschaften mit, die ein Landrat benötigt. Die Mitglieder müssen jetzt entscheiden, ob die fehlende CDU-Mitgliedschaft für die Partei schwerer wiegt als die Qualifikation. Außerdem kommt es darauf an, eine Wahl zu gewinnen. Da habe ich mehrfach gezeigt, dass ich das kann.

Was sind die fehlenden 0,1 Prozent?

Nur die fehlende CDU-Mitgliedschaft.

Es hat den Anschein, als ob die CDU im Landkreis Meißen in zwei Lager zerfällt. Die alte Garde um den Landtagspräsidenten, den Landrat, den Kreistagsfraktionschef sowie die jungen Wilden um Daniela Kuge und Sebastian Fischer. Wo stehen Sie?

Als Nichtmitglied möchte ich mögliche Lagerdiskussionen in der CDU nicht kommentieren. Aber ich freue mich, wenn mich der Landtagspräsident unterstützt. Falls es tatsächlich solche Lager geben sollte, wäre es hilfreich, wenn sie sich hinter dem Landratskandidaten vereinen. So können wir die Wahl gewinnen und müssen die politischen Gegner von links und rechts nicht fürchten.

Wie wollen Sie den Wahlkampf, der etwa 60.000 Euro kosten könnte, finanzieren?

Ich werde dort meinen privaten Beitrag leisten. Zudem hoffe ich, dass es mir gelingt, Spendengelder zu gewinnen. Natürlich wird mich sicher auch die CDU unterstützen.

Wenn Sie Landrat werden, was wollen Sie dann anders machen?

Da möchte ich nicht alles verraten. Ich muss mir ja noch etwas für meine Rede am 26. Juni aufheben. Ich spüre aber innerhalb des Landratsamtes, dass der Landrat vermisst wird. Die Person des Landrates muss im Landratsamt selbst wieder sichtbarer werden. Ich möchte zuhören und wissen, was auf dem Gang gesprochen wird. Wir haben ein gut aufgestelltes Landratsamt, das noch viel mehr Potenzial hat.

Haben Sie eine Idee, um den Landkreis wieder zu einen?

Die Leute sind zu Fusionen gezwungen worden, so etwas wirkt lange nach. Formal hat der Fusionsprozess im Landkreis aber gut funktioniert. Dennoch bleiben die Menschen verschieden. Ein Radebeuler ist ganz anders als ein Riesaer. Doch solche Unterschiede machen den Landkreis erst richtig wertvoll. Wir müssen die Unterschiede besser nutzen und nicht versuchen, sie zu beseitigen.

Das Gespräch führte Ulf Mallek.

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