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Hätte ein Gehweg den tödlichen Unfall verhindert?

Die Forderung nach einem Fußweg in Reichstädt kommt wieder auf – nicht nur an der Unglücksstelle in Reichstädt.

Der Abzweig nach Ruppendorf ist eine der gefährlichsten Stellen in Reichstädt. Selbst hier fehlt ein Fußweg. Er beginnt erst nach der Kreuzung.
Der Abzweig nach Ruppendorf ist eine der gefährlichsten Stellen in Reichstädt. Selbst hier fehlt ein Fußweg. Er beginnt erst nach der Kreuzung. © Egbert Kamprath

Der Unfall am Wochenende in Reichstädt, bei dem eine Frau durch einen betrunkenen Fahrer ums Leben kam und ihr Ehemann schwer verletzt wurde, hat eine Debatte neu angefeuert, die im Ort schon lange anhält: Wann kommen Fußwege an die Talstraße und die Hauptstraße? Diese Frage stellt sich aber nicht nur in Reichstädt, sondern auch in vielen anderen Orten. Auf dem Weg zur Talsperre Malter von Dippoldiswalde nach Paulsdorf etwa müssen sich die Fußgänger am Straßenrand entlang drücken, von Dippoldiswalde zum Gewerbegebiet Reinholdshain besteht das gleiche Problem, ebenso in vielen anderen Dörfern in der Weißeritz-Region.

Seit im Zuge der Hochwasserinstandsetzung die Straße durch Reichstädt gebaut wird, verstehen viele nicht, warum nicht zugleich auch etwas für die Fußgänger getan wird. Ilse von Schönberg, die Schlossbesitzerin in Reichstädt, sprach das Problem im Oberbürgermeisterwahlkampf an. Auf einer Einwohnerversammlung in Reichstädt zum Straßenbau im letzten Jahr war es ebenfalls Thema.

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Doch der Straßenbau, wie ihn seit zwei Jahren Reichstädt erlebt, ist nur der Wiederaufbau nach dem Hochwasser. Ein Bau, der darüber hinausgeht, hätte eine komplette Neuplanung erfordert, erklärt Holger Wohsmann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Wer einen Gehweg baut, trägt auch die Verantwortung, dass die Fußgänger gut gesehen werden und dass sie am Ende des Fußwegs eine sichere Möglichkeit haben weiterzugehen. Eine solche Neuplanung dauert in der Regel mehrere Jahre.

Außerdem gibt es auch im Ort verschiedene Sichten. „Wer sein Grundstück nicht an der Straße hat, will in der Regel den Fußweg“, sagt Ortsvorsteher Falk Hennig. Anders sieht es bei den direkten Straßenanliegern aus. Sie müssten erst die nötige Fläche für den Fußweg abgeben, hätten dann aber die Belastung mit der Räum- und Streupflicht. Das ist in manchen Fällen ein großes Stück Arbeit. „Es gibt in Reichstädt Eigentümer, deren Grundstück sich über hundert Meter an der Straße hinzieht“, sagt Hennig. Wenn ein Eigentümer nicht von sich aus bereit ist, Fläche für den Gehweg zu verkaufen, müsste ein Verfahren zur Enteignung kommen. Das ist ein schwieriges Verfahren, das sich über Jahre hinziehen kann, sagt Wohsmann.

Das Landesamt ist ohnehin nur für die Straße zuständig. Gehwegbau ist Sache der Stadt. Dippoldiswalde hat aber bisher kein Konzept, wie in Reichstädt ein Gehweg oder ein kombinierter Geh- und Radweg entlang der Talstraße oder der Hauptstraße gebaut werden soll, informiert Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU). Es gibt bisher nur auf der Ruppendorfer Straße, an der die Grundschule liegt, einen größeren Abschnitt mit einem Fußweg. An einer besonders kniffligen und engen Stelle, der Abzweigung der Straße Richtung Ruppendorf, fehlt jeder Gehweg. Einen Ansatzpunkt gibt es aber. Derzeit plant das Landesamt für Straßenbau und Verkehr einen Radweg zwischen Dipps und Reichstädt. „Hier sollte eine Weiterführung innerorts betrachtet werden“, sagt Körner. Das könnte die Chance sein, einen Fuß- und Radweg zu errichten. Bisher gibt es aber nur eine Voruntersuchung zum Radweg.

Die Stelle, an der jetzt der tödliche Unfall passiert ist, war in den letzten Jahren kein Verkehrsschwerpunkt. Die Straße ist dort gerade und gut einsehbar. Der Ortsvorsteher kann sich an keinen Unfall erinnern. Die Stadt hat dort zum letzten Mal 2017 die Geschwindigkeit kontrolliert. „Die Überschreitungen lagen vorrangig im Verwarngeldbereich“, informiert Körner. Es hat also kaum jemand das Tempolimit um mehr als 20 Stundenkilometer überschritten. Daher konzentriert Dippoldiswalde sich beim Einsatz der Messkamera auf die Bereiche an Schulen und Kitas.

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An der Unfallstelle fehlt allerdings auch ein Fußweg. Auf der Seite, wo die Verunglückten gegangen sind, ist nur ein schmaler Seitenstreifen, dann kommt schon der Straßengraben. „Jeder zusätzliche Meter Fußweg in Reichstädt wäre ein guter Meter“, sagt der Ortsvorsteher. „Aber es weiß natürlich niemand, ob ein Fußweg etwas genützt hätte, wenn ein Autofahrer mit 1,92 Promille sein Fahrzeug nicht im Griff hat.“

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