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Häuser am Platz der Freiheit vergammeln

Der Eigentümer kommt seinen Pflichten als Anlieger nicht nach.

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Von Mareike Huisinga

Als gelungene Visitenkarte Heidenaus können die etwas zurückgelegenen Häuser am Platz der Freiheit 1 bis 6 wirklich nicht bezeichnet werden. Tristes Grau „schmückt“ die Hauswände, an einigen Stellen ist der Putz abgebröckelt. Die Türen wurden komplett zugemauert, in den oberen Etagen sind die Fensterscheiben entweder zerschlagen oder weit geöffnet. Auch der Blick in den Vorgarten ist eher unappetitlich. Leere Flaschen, Farbdosen und Mülltüten liegen herum. „Absolut furchtbar“, sagt Anwohnerin Nicole Mehnert, die gerade mit ihrem Kinderwagen um die Ecke kommt. „Das passt überhaupt nicht zum Stadtbild, gerade jetzt, wo der Platz der Freiheit umgestaltet wird.“ Schon seit mehreren Jahren stünden die Häuser leer, sehr zur Verärgerung der Nachbarn.

Auch die Heidenauer Stadtverwaltung kennt das Problem. „Die Häuser befinden sich im Privatbesitz“, informiert Norbert Feddeler, von der Stadtverwaltung, Sachgebiet Liegenschaften. Bereits 2007 habe es mehrere Kaufinteressenten für die Gebäude gegeben. „Die potenziellen Investoren wollten die Häuser sanieren und zu Wohnungen ausbauen“, sagt Feddeler. Daraufhin habe die Stadtverwaltung den Eigentümer angeschrieben. Allerdings musste sich das Rathaus eine empfindliche Absage einholen. „Der Grundstückseigentümer war damals nicht an einem Verkauf interessiert. Er wollte die Gebäude selber sukzessive und nach aktuellem Wohnbedarf sanieren“, berichtet Norbert Feddeler. Bisher sei jedoch nichts passiert. „Das ist schade, denn die Lage hat Potenzial. Wir als Stadtverwaltung würden eine Entwicklung sehr begrüßen, aber natürlich können wir als Behörde den Eigentümer zu nichts zwingen“, sagt der Rathaus-Angestellte.

Ebenfalls im Heidenauer Ordnungsamt winkt Amtsleiter Torsten Walther bei dem Thema nur müde ab. Was ihn am meisten wurmt: „Der Eigentümer kommt seinen Pflichten als Anlieger nicht nach.“ Weder werden die Hecken geschnitten, noch die Gehwege gereinigt. Mit Blick auf den Kalender sagt Walther: „Auch die Räum- und Streuarbeiten im Winter leistet der Inhaber nicht.“ Deshalb lässt die Stadtverwaltung diese Arbeiten erledigen und stellt dem Besitzer die Leistungen in Rechnung. „Allerdings gibt es ebenso mit der Bezahlung Probleme“, schimpft der Amtsleiter.

Einen aktuellen Sanierungsbedarf sieht der Eigentümer Eike Ebert aus Hessen allerdings derzeit nicht. Es sei eine wirtschaftliche Frage. „Es tut mir leid, dass sich die Häuser an einem zentralen Platz in Heidenau befinden, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass ich derzeit 60 Wohnungen in Heidenau nicht vermieten kann.“

Gerüchte um einen Abriss, wertet Ebert als „absoluten Unsinn“, da die Häuser unter Denkmalsschutz stehen. Dass es Ärger mit der Streupflicht im Winter sowie mit Vermüllung gebe, höre er jetzt zum ersten Mal. „Ich werde in den nächsten Wochen hinfahren und mir selber ein Bild vor Ort machen. Wenn es ein Problem gibt, werde ich eine Firma beauftragen“, verspricht Ebert. Verkaufspläne hat der Unternehmer indes nach wie vor nicht. Irgendwann in den nächsten Jahren werde er mit der Sanierung beginnen, lautet seine etwas vage Ankündigung. Bis dahin müssen die Heidenauer und ihre Gäste den unschönen Anblick wohl noch weiter ertragen.