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Häuser kommen ans Abwassernetz

Die Gemeinde Moritzburg setzt in diesem Jahr die letzten Vorhaben ihres Abwasserbeseitigungskonzepts um. Nicht alle sind mit den Entscheidungen zufrieden.

© SZ/Sven Görner

Von Sven Görner

Moritzburg. Auf der Großenhainer Straße in Friedewald wird gebaggert. Trotz Minusgraden. Ein kleines selbstgebautes Schild gleich hinter dem Abzweig des Kreyernwegs verrät, was hier gebaut wird. Die Eigentümer der Grundstücke 73, 75 und 77 errichten auf eigene Kosten und ohne Förderung einen Schmutzwasserkanal und die für die Einleitung ihrer Abwässer notwendigen Hausanschlüsse.

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Nur ein paar Meter vor dem Pappschild hat die Gemeinde Moritzburg auf der anderen Straßenseite eine der üblichen Metalltafeln aufstellen lassen. Darauf ist unter anderem zu lesen, dass mit Förderung durch die Bundesrepublik auf der Großenhainer Straße, dem Kreyernweg und dem Eichenweg in Umsetzung des Abwasserbeseitigungskonzepts (ABK) der Gemeinde ein Schmutzwasserkanal gebaut wurde.

Das klingt gut. Für Wolfgang Schubert, einen der bauenden Grundstückseigentümer, und seine Nachbarn sorgt diese Aussage aber für zusätzlichen Verdruss. „Es hätten nur etwa 130 Meter Rohr mehr verlegt werden müssen, um auch uns mit an die Kläranlage anzuschließen. Festgelegt wurde im ABK aber, dass wir das Abwasser auch künftig dezentral auf unseren Grundstücken entsorgen sollen“, sagt der Friedewalder. In modernen vollbiologischen Kleinkläranlagen. „Wer das Schild der Gemeinde liest, muss nun aber zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dass auch wir mit an den Kanal angeschlossen wurden.“ Doch genau das sei trotz vieler Gespräche stets angelehnt worden.

Versickerung könnte schwierig sein

„Neue Abwasseranlagen auf unseren Grundstücken zu bauen, ist bei den geologischen Bedingungen aus unserer Sicht nicht die beste Lösung, weil die Versickerung teilweise schwierig sein könnte“, sagt Wolfgang Schubert.

Schließlich einigten sich Gemeinde und Grundstückseigentümer auf den Kompromiss, dass die drei auf eigene Kosten den fehlenden Kanal bauen und die Gemeinde diesen dann nach Prüfung übernimmt und damit künftig auch für die Wartung zuständig ist. Im Zuge der Planung des Bauvorhabens der Gemeinde habe es 2013 sogar ein Angebot gegeben, die Arbeiten durch die Firma vor Ort gleich mit ausführen zu lassen. „Der uns vorgelegten Kostenschätzung in Höhe von fast 46 000 Euro sollten wir innerhalb kürzester Zeit zustimmen, ohne dass uns die Zusammensetzung der Kosten bekannt war“, erklärt der Friedewalder. Auf den Vorschlag der Grundstückseigentümer, das Rohr statt in der Straße, kostengünstiger im daneben verlaufenden Graben zu verlegen, hätten sie die Antwort erhalten, dass die Gemeinde das nicht dürfe.

Nun haben sich die drei Familien in Absprache mit der Gemeindeverwaltung selbst eine Fachfirma gesucht. Die baue die Leitung nun sogar wesentlich kostengünstiger. Und im Graben! Ist also am Ende nun alle gut?

Für die Betroffenen nicht. Wolfgang Schubert: „Obwohl unsere Kosten für den Bau des Schmutzwasserkanals mit den fälligen Anschlussbeiträgen verrechnet werden, haben wir unterm Strich höhere Kosten. Und müssen jetzt alles auf einmal bezahlen.“ Zudem bekommen die privaten Bauherren auch keine Fördermittel.

Letzten Radeburger Häuser noch 2016 ans Netz

Bürgermeister Jörg Hänisch sagt dazu: „Als Verwaltung müssen wir uns an das beschlossene ABK halten. Auf der Karlstraße in Friedewald gab es sogar sieben Häuser, für die am Ende eine ähnliche Lösung wie auf der Großenhainer Straße gefunden wurde.“ Der Bürgermeister erinnert auch daran, dass es in dem Ortsteil mal eine Bürgerinitiative gab, die sich für die dezentrale Entsorgung starkgemacht hatte.

Eigentlich sollte bis zum Ende des vergangenen Jahres die Abwasserentsorgung im Freistaat Sachsen dem Stand der Technik entsprechen. Dieses Ziel wurde laut dem sächsischen Umweltministerium nur zu rund 95 Prozent erreicht. „Der Freistaat hat die nötigen Investitionen in kommunale Kläranlagen seit der Wiedervereinigung mit rund vier Milliarden Euro unterstützt. Weitere 91 Millionen Euro Förderung flossen für den dezentralen Bereich, also für Kleinkläranlagen oder abflusslose Gruben“, so Umweltminister Thomas Schmidt. So wie in Moritzburg müssen auch in Radeburg 2016 die letzten Häuser ans Netz.