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Haftstrafe nach zweitem Missbrauchsfall

Einschlägig vorbestraft, soll sich ein Rentner in der Sächsischen Schweiz erneut an einem Mädchen vergangen haben. Vor Gericht wiegelt er ab.

Symbolbild
Symbolbild © SZ

Er wäre doch verrückt, so etwas noch einmal zu tun, sagt Günther R. Außerdem hätte es doch jemand merken müssen, wenn er das Opfer, ein damals elfjähriges Mädchen, unsittlich berührt hätte. Das alles sagt der 77-jährige Deutsche in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Pirna, wo er sich wegen Missbrauchsvorwürfen verantworten muss. 

Er verweist darüber hinaus noch auf einen weiteren Punkt, der ihn entlasten soll. Als er im August 2017 übergriffig geworden sein soll, sei er nicht allein mit dem Mädchen gewesen, erklärt der Senior weiter. Die Eltern des Mädchens und ihr jüngerer Bruder seien damals mit im Raum gewesen. Und auch seine Frau. Zusammen hatten sie rund um den Wohnzimmertisch im Haus des Angeklagten gesessen und geknobelt.

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Oft habe es solche Spieleabende gegeben, wenn die Familie des Mädchens ihren Urlaub bei ihm und seiner Frau in einem der Sebnitzer Ortsteile gemacht haben, berichtet er weiter. „Wir waren sehr vertraut miteinander, fast schon wie eine Großfamilie“, sagt Günther R. Schon deshalb hätte er nie so etwas tun können.

Melissa sei es gewesen, die an diesem Augustabend gewisse Ambitionen gezeigt habe. R. behauptet, dass das Mädchen eine Decke geholt und über sich und ihn gebreitet haben soll. „Sie fasste mich unter der Decke an, wie Kinder einen halt so necken“, erzählt er. Zu sexuell motivierten Berührungen sei es nicht gekommen.

Ganz ähnlich hatte der Rentner auch im November 2016 am Landgericht in Dresden versucht, die Anschuldigungen gegen ihn zu relativieren. Damals war er des schweren sexuellen Missbrauchs an einem Kind aus der unmittelbaren Nachbarschaft angeklagt. Von Herbst 2013 bis Frühjahr 2014 hatte er mit dem ebenfalls erst elfjährigen Nachbarskind Ausfahrten mit dem Quad in den nahe gelegenen Wald unternommen, wo er es mehrfach missbraucht hatte.

 Auch hier hatte R. zuerst behauptet, dass das Kind ihn „angemacht“ und sich freiwillig vor ihm entkleidet habe. Später leugnete er die Vorfälle ganz. Das alles sei erfunden, hatte er damals vor der Jugendschutzkammer in Dresden geschimpft.

Genutzt hatte ihm das nichts. Das Gericht glaubte ihm nicht und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Die allerdings hatte die Kammer zur Bewährung ausgesetzt. Rückblickend ein Fehler. Denn ein Dreivierteljahr später soll es zu dem Vorfall gekommen sein, der nun am Amtsgericht in Pirna verhandelt wird.

Konkret heißt es in der neuerlichen Anklage, dass Günther R. dem Mädchen unter der Decke in die Hose gefasst und sie intim berührt haben soll. Als sie das abwehrte, soll er ihre Hand genommen und an seine Hose geführt haben.

Auch das wollte das Mädchen nicht. All das war von den Eltern, die von der Vorverurteilung des Mannes gewusst hatten, unbemerkt geblieben. „Uns ist nichts aufgefallen“, erklären sie vor Gericht. Auch hatte ihr Kind sich nicht unmittelbar nach dem Vorfall offenbart.

Erst als das Thema Missbrauch in der Schule behandelt wurde und zudem auch ein erneuter Besuch in der Ferienwohnung des Angeklagten anstand, hatte sich das Mädchen ein Herz gefasst und sich ihrer Familie anvertraut, die sich dann sofort an die Kriminalpolizei gewandt hatte. 

Nach den Aussagen des Mädchens und der Zeugen hält das Jugendschutzgericht in Pirna die Angaben des Angeklagten für Schutzbehauptungen und verurteilt den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Zudem muss R. 1 500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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