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Hagel im Obstland abgeschossen

Wegen der Gewitterwarnungen waren die Hagelkanonen in Betrieb. Schäden gibt es keine, die Erdbeeren gedeihen prächtig.

Von Tina Soltysiak

Als am Mittwoch über Dürrweitzschen dunkle Gewitterwolken hingen und der Donner grollte, hat die Obstland Dürrweitzschen AG ihre Hagelkanonen in Betrieb genommen. „Ob die drei Leisniger auch aktiv waren, kann ich nicht mit Sicherheit sagen“, erzählte gestern Michael Erlecke auf Nachfrage des Döbelner Anzeigers. Hagelkanonen schießen Stoßwellen in die Luft. Im Ergebnis soll der Hagel als Regen beziehungsweise Nassschnee auf die Erde treffen und weniger Schäden am Obst anrichten. Mit Hagel hat Sachsenobst bereits sehr schlechte Erfahrungen gemacht: „2007 ist das gesamte Apfelanbaugebiet verhagelt worden“, sagte Thomas Seidel, Chef der Leisniger Obstgarten GmbH, während einer geführten Tour durch das Obstland anlässlich des Leisniger Blütenfestes. Dabei erklärte er auch das Prinzip der Hagelkanone: „Die abgefeuerten Kanonenschüsse helfen, die Luftverwirbelungen, die zur Entstehung des Hagels führen, zu unterbrechen.“ Die Stoßwellen müssen jedoch mindestens 20 bis 25 Minuten vor dem prognostizierten Hagelschlag abgegeben werden. „Ich kann die Kanonen via Handy steuern“, so Seidel.

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Insgesamt haben die Leisniger Obstgärtner drei Hagelschutzkanonen. Eine steht seit dem Frühjahr 2009 in einer Apfelplantage in Minkwitz, eine weitere zwischen Leisnig und Gorschmitz sowie seit 2011 an der Apfelplantage am Weg zur ehemaligen Sandgrube Gorschmitz.

Sie sind nicht der einzige Schutz, den es für die Pflanzen im Obstland gibt. In Ablaß steht eine staatliche Versuchanlage, wo zu Testzwecken die Hälfte der Fläche mit Hagelnetzen überspannt ist. Das habe Vor- und Nachteile: „Der Arbeitsaufwand ist größer und die Pflanze bekommt weniger Licht, was ihren Wuchs verändert – das ist negativ“, so Michael Erlecke. Die Netze bieten aber auch einen Schutz vor hungrigen Vögeln. „Beide Flächen werden hinsichtlich Wachstum, Frucht und Ertrag verglichen, um zu schauen, wie sinnvoll das Anbringen der Netze in der Praxis wirklich ist“, ergänzte er.

Erdbeerernte in vollem Gange

Wären die prognostizierten Hagelkörner auf die Erde gefallen, hätten sie erhebliche Schäden an der Frucht verursacht. „Im geringsten Fall bekommt das Obst Druckstellen, im schlimmsten schlägt das Hagelkorn durch die Schale hindurch und richtet erheblichen Schaden an“, so Michael Erlecke. Ob die Frucht dann überhaupt noch zu gebrauchen sei, hänge von der Intensität und der Dauer des Hagels ab. Zudem können sich auch in kleinsten Löchern Schädlinge einnisten, die die Frucht ebenfalls zerstören. Die Hagelkanonen haben Wirkung gezeigt, das Obst in der Region ist verschont geblieben.

Somit haben auch die Erdbeeren keinen Schaden genommen. „Das Wetter ist jetzt okay. Anfangs lief die Reife aufgrund des kalten Wetters nur langsam an, und auch der viele Regen am Männertag hat die Ernte verzögert, seitdem läuft sie aber. Die Bestände sehen sehr gut aus“, sagte Michael Erlecke. Es sei abzusehen, dass es eine durchschnittliche Ernte werden wird. „Der Ertrag ist ja immer das Eine, ob die Menge dann aber überhaupt verkauft werden kann, das Andere“, ergänzte er. Denn momentan gedeihen die süßen, roten Früchte allerorts. „Es ist definitiv ein Preisdruck da“, so Erlecke. Der Vertrieb im Obstland laufe aber gut. Erstmals steht ein Verkaufsstand in Hartha an der Total-Tankstelle. Das ist der Vollsperrung der Staatsstraße 36 zwischen Leisnig und Hartha/Kreuz geschuldet. Bisher war der Stand in unmittelbarer Nähe der Plantage in Minkwitz aufgebaut. „Natürlich mussten sich die Kunden erst an die neue Situation gewöhnen und uns an diesem Standort kennenlernen, aber der Verkauf läuft wirklich zufriedenstellend“, sagte Michael Erlecke. Auch in Bockelwitz auf dem Mitfahrerparkplatz weisen eine große Fahne und ein kleineres Schild auf den Verkaufswagen von Sachsenobst hin. Dort laufe das Geschäft ebenfalls gut, so Erlecke.