merken

Hahnemannzentrum hofft auf Asylbewerber

Auf dem Gelände des einstigen Klosters soll ein Haus aus Lehm entstehen. Ausländische Helfer wären dafür sehr willkommen.

© hübschmann

Von Christoph Scharf

Anzeige
Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Anderthalb Meter dicke Bruchsteinmauern, ein alter Weinstock, ein weitläufiger Kräutergarten: Das Areal der Klosterruine an der Elbe bietet Romantik pur. Doch das allein reicht Helge Landmann und Christiane Bense nicht, die über den einstigen Kreuzgang laufen. Die Macher des Hahnemannzentrums haben neue Pläne für das geschichtsträchtige Grundstück. Deshalb liegen am Rand aufgetürmt Lkw-Ladungen von Lehm – die sich bald in einen Neubau verwandeln könnten.

„Die Stadt hat sich an uns gewandt, ob wir uns eine Beschäftigung von Asylbewerbern vorstellen können“, sagt Vereinsvorsitzender Helge Landmann. Und das könnte sich der Meißner tatsächlich. Denn das Hahnemannzentrum plant längst den Neubau eines Seminar- und Veranstaltungshauses, das aus natürlichen Materialien errichtet werden soll: Lehm, der als Aushub beim Einfamilienhaus-Bau an der alten Ziegelei anfällt – und Robinienholz, das an den Hängen rund um Meißen reichlich wächst. Oben drauf soll ein begrüntes Dach. Entwürfe für den Neubau gibt es bereits. „Wenn wir genug Geld hätten, könnten wir sofort loslegen“, sagt der 58-Jährige.

Der Bedarf wäre da: Das Haus ließe sich für große Seminare oder für Hochzeitsgesellschaften nutzen – und würde sich gut in den geplanten Bildungshof samt Wohngalerie einfügen. Doch Geld ist knapp: Große regelmäßige Zuschüsse bekommt das Hahnemannzentrum überhaupt nicht. Die Stadt erlässt die Pacht für das Objekt – wenn der Verein nachweist, Jahr für Jahr mehrere Tausend Euro in den Unterhalt der Klosterruine zu investieren. Immerhin: Diese Woche gab es eine frohe Botschaft. Das Hahnemannzentrum ist im Jubiläumsjahr des Namensgebers ausgewählt worden, den Erlös aus dem Neujahrsempfang von Stadt und Stadtwerken zu erhalten. 904 Euro überreichten OB Olaf Raschke (parteilos) und Stadtwerke-Chef Hans-Jürgen Woldrich an den Verein. Der OB lobte die Arbeit des Vereins. „Helge Landmann und seine Mitstreiter erhalten nicht nur das Vermächtnis des Begründers der Homöopathie. Sondern sie überführen sein Wissen ganz praktisch in unsere Zeit, geben es weiter und machen es so für die Menschen erlebbar.“

Der Verein will mit dem Geld vor allem das Mehrgenerationenprojekt unterstützen, das Menschen mit verschiedenen sozialen Hintergründen durch gemeinsame Arbeit verbinden will. „Die sinnvolle gemeinsame Betätigung, etwa die Arbeit im Klostergarten oder in der Schlosserei gibt ihnen neuen Mut“, sagt Helge Landmann. Zu tun ist genug. So will der Verein die frisch abgedichteten Gewölbe des einstigen Parlatoriums trockenlegen, damit sie künftig etwa für Ausstellungen nutzbar sind. Noch in diesem Jahr soll ein hölzernes Notdach an der Kirche fallen. Weitere Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Erst vergangenes Jahr stießen die Arbeiter bei der Verlegung einer Wasserleitung auf eine Leiche, die östlich des Kirchenschiffs begraben war. Die Mordkommission muss nicht mehr ermitteln –  das Grab stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Merkwürdig dabei: Beim Toten handelt es sich um einen Mann – im Frauenkloster! „Vielleicht war es jemand, der beim Bau beschäftigt war“, sagt Helge Landmann. Künftig könnten etwa Syrer helfen. Im Umgang mit Lehm und Holz haben diese womöglich mehr Erfahrung als viele Einheimische – und sie wären sinnvoll beschäftigt.

Das Hahnemannzentrum braucht dringend weitere Unterstützer: www.hahnemannzentrum-meissen.de

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.