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Hainichener vertreiben Viren mit Robotern

Mit UV-C-Licht werden Kliniken und Arztpraxen desinfiziert. Ob damit auch SARS-CoV-2 zu stoppen ist?

Der Desinfektionsrobotober im Einsatz in einem Krankenzimmer. Während des Einsatzes darf niemand im Raum sein.
Der Desinfektionsrobotober im Einsatz in einem Krankenzimmer. Während des Einsatzes darf niemand im Raum sein. © Hartmann GmbH

Hainichen. Noch nie war hygienische Sauberkeit so wichtig wie in den Zeiten der Corona-Pandemie. Kein Wunder, dass bei der Firma Hartmann GmbH in Hainichen derzeit die Telefone ständig klingeln. Denn das 1982 gegründete Familienunternehmen hat sich auf Reinigung und Desinfektion, insbesondere in Kliniken, Arztpraxen sowie Labors, spezialisiert. Und erlebt gerade Hochkonjunktur.

Besonder groß ist die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt, das in Dänemark hergestellt wird: dem UV-Desinfektionsroboter. „Er kommt bei der Desinfektion von Räumlichkeiten in Krankenhäusern, Kliniken, Arztpraxen und Labors zum Einsatz“, beschreibt Geschäftsführer Paul Hartmann das Produkt. 

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Der Roboter fahre die Räume vollautomatisch ab und bestrahle dabei jede zu desinfizierende Oberfläche mit UV-C-Licht. „Die kurzwellige UV-C-Strahlung ist sehr energiereich und zerstört die RNA von Viren und Bakterien“, erklärt Hartmann. Dadurch sinke die Belastung mit den Erregern. 

„Viren und Bakterien werden dabei zuverlässig abgetötet.“ Doch wirkt das spezielle Licht auch gegen die derzeit so gefährlichen Corona-Viren SARS-CoV-2 , die das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht haben?

„Corona ist nicht gleich Corona“

Einen wissenschaftlichen Nachweis dafür gibt es laut Paul Hartmann nicht. Aber: Nachgewiesen sei, dass die UV-C-Strahlen gegen andere Corona-Viren wirken. „Hier muss man differenzieren. Corona ist nicht gleich Corona“, sagt Hartmann. Er beruft sich auf ein Schreiben der Manchester Metropolitan University. Nach diesem gibt es Untersuchungen, dass, nach einer entsprechenden Einwirkzeit der Strahlung, andere Viren des Corona-Typs reduziert oder nicht mehr nachweisbar gewesen sind.

Seit knapp einem Jahr ist der Roboter in Deutschland auf dem Markt. Die Firma Hartmann habe damals geschaut, wie sie ihr Produktportfolio in Sachen Reinigung und Sterilisation noch erweitern könne. Dabei ist Hartmann auf die dänische Erfindung gestoßen. Die Nachfrage danach boomt in den Zeiten der Corona-Krise. Vor allem am vergangenen Wochenende hätte es einen massiven Anstieg gegeben. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Nachfragen kommen inzwischen nicht nur von Kliniken aus ganz Deutschland, in denen der Roboter auch teilweise schon im Einsatz ist, sondern auch von Großunternehmen, die den Roboter in der Produktion einsetzen wollen. Für kommende Woche hat Hartmann sich einen Roboter in die Firma nach Hainichen bestellt. Die Lieferzeit betrage derzeit zwischen einer und vier Wochen. 

Hartmann vermutet jedoch, dass er nicht lange da sein wird.Er muss inzwischen gewichten, welche Anfragen er aufgrund der Dringlichkeit vorzieht. Gesundheitseinrichtungen haben im Moment oberste Priorität. „Für Apotheken oder Privathaushalte eignet sich der Roboter allerdings nicht“, stellt der Hainichener klar. Dafür sei der Aufwand zu groß.Denn einfach so lässt sich das Gerät nicht bedienen. „Nur eingewiesenes und geschultes Personal dürfen damit hantieren“, betont Hartmann. 

Diese Aufgabe übernimmt die Hartmann GmbH, aber auch MoveoMed aus Radebeul, ein Kooperationspartner der Hainichener Firma. „Wir sind für den Vertrieb und den Service rund um das Gerät zuständig“, erklärt Paul Hartmann. Bedienen lasse sich der Roboter mit einem Tablet. Sind alle Einstellungen vorgenommen, kann er seine Arbeit aufnehmen. Allerdings nur in einem menschenleeren Raum. „Sobald ein Mensch das Zimmer betritt, schaltet sich der Roboter aus“, sagt Hartmann.

Investition in mehr Sicherheit

Vermehrt erreichten den Geschäftsmann dieser Tage auch Anfragen, ob der Roboter auch gemietet werden kann. Das ist jedoch nicht der Fall. Und Hartmann hält es auch nicht für sinnvoll. Denn seiner Meinung nach leisten die Roboter einen generellen Beitrag zu mehr Sicherheit, nicht nur während der Corona-Krise.

 „Der Roboter ist auch in der Zukunft bei der Desinfektion von anderen Viren nützlich und somit eine Investition in eine langfristige Sicherheit.“Eine Reinigungskraft ersetze der Roboter aber nicht, da er nur der Desinfektion diene und keinen Schmutz beseitige, stellt Hartmann klar. In Sachen Desinfektion sei er jedoch gründlicher als ein Mensch, der mit Sicherheit hier und da mal etwas übersehe. 

Die UV-C-Strahlung, die der Roboter abgibt, verteilt sich im gesamten Raum, vom Boden bis zu Decke, 360 Grad. Stärker beanspruchte Stellen, wie zum Beispiel Griffe von Betten, die häufig angefasst werden, können aufgrund längerer Einwirkung stärker bestrahlt werden. Über Reflexionen gelangen die Strahlen, so Hartmann, auch in Ecken, die direkt nicht erreicht werden können. „UV-C-Strahler gab es vorher auch schon. Sie sind jedoch manuell und zeitintensiv bei der Einrichtung“, beschreibt der Hainichener.

Die Idee, die Strahler mit einem Roboter zu verbinden, bezeichnet Hartmann als „Quantensprung“. Denn sie bringt mehr Sicherheit, Zeitersparung und Flexibilität.Mehr Sicherheit würde der Familienvater mit dem Produkt auch gern in die Kliniken bringen. Doch das ist im Moment nicht so einfach. Denn zwar spielt die Hygiene in dieser Zeit eine große Rolle, doch in vielen Krankenhäusern sei das Personal derzeit zu überlastet und habe keine Nerven für den Roboter, so die Erfahrung von Geschäftsführer Hartmann.

Das Statement der Helios-Klinik Leisnig bestätigt das: „Wir können leider in der derzeitigen Situation keine validen Aussagen zu solch einem Roboter machen. Das muss man sich vielleicht später mal in Ruhe genauer anschauen und bewerten“, äußerte sich Klinik-Sprecherin Juliane Dylus.Am Krankenhaus in Mittweida ist bereits seit Mai ein spezielles Wasserstoffperoxidverneblungsgerät im Einsatz. 

Das komme unter anderem in Patienten- und Behandlungszimmern zum Einsatz, informierte Kliniksprecherin Ines Schreiber. „Die Verneblungsmethode erreicht Bereiche, die mit der bereits durchgeführten Schlussdesinfektion nicht vollständig erreicht werden, sprich es können auch schwer zugängliche Stellen sowohl bakterizid, fungizid und viruzid als auch sporozid erreicht werden.“

 Das Verfahren stelle eine wertvolle Ergänzung der bisher durchgeführten Maßnahmen dar und erhöhe damit auch die Patientensicherheit, fasst Schreiber zusammen.Im Lager hat der Hainichener zurzeit auch fünf Niedrigtemperatursterilisatoren. Auch diese könnten in die Corona-Krise nützlich werden. Und zwar zur Aufbereitung von speziellen Schutzmasken, die gegen das SARS-CoV-2-Virus schützen können, so genannte FFP2-Masken. Deren Aufbereitung ist jedoch umstritten.

Aufbereitung von Masken?

Laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung gibt es ein Vorgehen, nach dem die Aufbereitung der Masken möglich wäre. „Die Stellungnahme empfiehlt aber nicht direkt ein Gerät“, sagt Hartmann. Das niederländische Gesundheitsministerium habe dagegen deutlich gemacht, dass es bei der Aufbereitung in Dampfsterilisatoren zu Verformungen der Masken kommt und rät daher davon ab.

Der Hersteller der Masken wiederum stellt klar, dass die Aufbereitung der Masken in den USA nach dortigem Standard möglich ist. „In den USA fehlt nur noch die Freigabe“, sagt Hartmann. Der Hainichener sieht auch hier eine Möglichkeit, in der angespannten Lage dem Gesundheitswesen in Deutschland zu helfen. 

Gern würde er daher mit den Entscheidern, Politikern, Verbänden ins Gespräch kommen. Wenn die Sicherheit besteht, dass die Aufbereitung der Masken ohne Risiko möglich ist, dann könnte er sofort Geräte liefern. „Wenn die Chance besteht, will ich sie nicht ausschlagen“, meint Hartmann in Hinblick auf die Sicherheit.

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