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Hains-Rutsche wird umgebaut

Weil es immer wieder Unfälle gab, wird eine Gefahrenstelle nun entschärft. Die Rechnung zahlt aber nicht das Freitaler Freizeitzentrum.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Es geht bergab, die Geschwindigkeit steigt. Die anschließende Rechtskurve lässt sich gerade noch so bewältigen. In der folgenden Linkskurve werden die Fliehkräfte aber so groß, dass man schräg an der Rutschenwand hängt und sich überschlägt. So oder so ähnlich muss es Frank Bezold in der Rutsche des Freitaler Freizeitzentrums Hains ergangenen sein. „Ich landete nach einer Flugphase hart auf der linken Seite und auf dem Kopf“, schreibt der SZ-Leser über sein unschönes Erlebnis am vorletzten Wochenende. Da es seit der Eröffnung der Rutschen Mitte November zwar zahlenmäßig relativ wenige, aber fortlaufend immer neue derartige Unfälle gegeben hat, wollen die Verantwortlichen im Freitaler Freizeitzentrum Hains nun handeln. Eine von beiden Rutschen wird umgebaut.

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„Jeder Unfall ist einer zu viel“, sagt der Leiter der Technischen Werke Freital (TWF), Jörg Schneider. Die TWF betreiben das Hains. „Wir müssen aber trotzdem begreifen, dass man beim Rutschen auch ein gewisses Risiko eingeht.“ Natürlich werde man aber etwas tun, um die Rutschen noch sicherer zu machen. „Wir wollen, dass sie für jeden erlebbar sind“, so Schneider. Zugleich betont er, dass es in den vergangenen Monaten keine ungewöhnliche Häufung an Unfälle gegeben hat. „Wenn jeder Zehnte einen Unfall gehabt hätte, wäre etwas falsch gelaufen, aber davon sind wir weit entfernt.“

Sieben bis acht Unfälle

Die kritische Stelle befindet sich im unteren Drittel der Doppelröhrenrutsche. Durch ein starkes Gefälle werden manche so schnell, dass sie die Rutschposition auf dem Rücken in den nachfolgenden Kurven nicht mehr halten können und auf dem Kopf landen. An eben jener Stelle hatte auch ein Rutschentester im Oktober vor der Eröffnung einen Unfall. Der Mann kam damals wegen der hohen Geschwindigkeit ebenso nach rechts ab und schlitterte über die Begrenzung, die die beiden Einzelröhren voneinander trennte. Um solche Unfälle zu vermeiden, erhöhte das Hains damals die Begrenzung mit Plexiglas. Daraufhin war der TÜV-Test wiederholt worden, die Kontrolleure gaben die Rutschen frei. Verletzte gab es aber trotzdem weiterhin.

TWF-Chef Schneider spricht von sieben bis acht Unfällen an dieser Stelle bei insgesamt rund 20 000 Rutschdurchläufen seit November. Auch im Krankenhaus Freital, wo die Verletzten landen, spricht man von „Einzelfällen“. Gerüchte, wonach es täglich zwei bis drei Unfälle in der Doppelröhrenrutsche gegeben habe, seien falsch, so Schneider. Bereits nach den ersten Unfällen sei man an den Rutschenbauer – das Schweizer Unternehmen Klarer – herangetreten, um nach einer Lösung zu suchen.

Am Sonntag nun sollen die Bauarbeiten beginnen. Bis dahin ist die Rutsche weiter normal geöffnet. Die größte Veränderung: Das starke Gefälle vor den beiden abschließenden Kurven wird begradigt. Dadurch reduziert sich die Geschwindigkeit und die Fliehkräfte werden geringer. Voraussichtlich am kommenden Freitag soll die umgebaute Rutsche wieder in Betrieb gehen. Die Kosten der Aktion übernimmt der Rutschenbauer Klarer.

Während der Bauarbeiten wird in die Doppelröhrenrutsche auch gleich eine sogenannte Sensorsteuerung eingebaut. Bei zwei Unfällen vom November waren zwei Rutscher so langsam unterwegs, dass nachfolgende Rutscher in sie gekracht waren. Die neue Steuerung soll nun verhindern, dass der Folgende zu früh losrutscht. Hauptzweck der Sensoren ist aber ein anderer: Sportliche Rutscher können nach dem Umbau in der Doppelröhrenrutsche gegeneinander antreten. Die Sensoren messen unten am Ziel die Zeit. Auf einem Monitor direkt gegenüber werden Gewinner und Verlierer angezeigt.