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Hakenkreuz und Rangelei auf Pegida-Demo

Am Montagabend gingen Teilnehmer der Demo und Gegner aufeinander los. Auch die Gäste eines Lokals wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Pegida-Gegendemonstranten versuchten am Montagabend die Gleise in der Wilsdruffer Straße zu blockieren. Hier sollte der Pegida-Zug entlang führen. Die Polizei führte den Aufzug an der Blockade vorbei.
Pegida-Gegendemonstranten versuchten am Montagabend die Gleise in der Wilsdruffer Straße zu blockieren. Hier sollte der Pegida-Zug entlang führen. Die Polizei führte den Aufzug an der Blockade vorbei. © Archiv: SZ/Christoph Springer

Dresden. Eine Unterbrechung und ein Polizeieinsatz, wie ihn Dresden bei einer Pegida-Demonstration viele Monate nicht mehr erlebt hat, prägten den Montagabend in der Innenstadt. Stühle und Gläser kippten um, Gäste eines Restaurants verließen fluchtartig ihre Tische, ihr Essen und ihre Getränke mussten sie zurücklassen. Auf dem Neumarkt kamen sich an diesem Abend die Pegida-Teilnehmer und die Gegendemonstranten gefährlich nahe, die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um die Demoteilnehmer zu trennen. Es gab Auseinandersetzungen, sie gingen von beiden Demoseiten aus und die Polizei musste zum Teil hart zugreifen, um dafür zu sorgen, dass Pegida-Teilnehmer und Gegendemonstranten nicht mit Fäusten aufeinander losgehen.

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In der Sprache der Beamten liest sich das so: "Einsatzkräfte mussten zur Trennung der Beteiligten (erneut) unmittelbaren Zwang anwenden." Am Abend berichtete die Pressestelle der Polizeidirektion Dresden, bis dahin seien neun Strafanzeigen angefertigt worden. Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Die Stimmung war am Montagabend von Anfang an aufgeheizt. Es begann damit, dass der Lautsprecherwagen der Pegida-Gegner, die aus der Neustadt zum Neumarkt gezogen waren, nicht auf den Platz an der Frauenkirche fahren durfte. Er musste wegen eines Unfalls auf dem Rathenauplatz einen Umweg nehmen. Während die Demoteilnehmer über die Carolabrücke liefen, kurvte der Transporter über eine andere Elbquerung zur Wilsdruffer Straße, um von dort über die Kleine Kirchgasse auf den Platz an der Frauenkirche zu fahren. Das ist der übliche Weg der Gegendemo aus der Neustadt, doch dieses Mal versperrte etwa ein halbes Dutzend Polizisten den Weg. 

Erst nach Diskussionen und Rücksprache mit der Einsatzleitung durfte das Auto auf den Platz zur Gegendemo am Rand des Neumarktes. Dort beschwerten sich die Veranstalter mittels Lautsprecherdurchsagen über das Verhalten der Polizei, die die vorübergehende Zufahrtssperre mit "Kommunikationsproblemen" erklärte. Pegida-Teilnehmer lobten dagegen das Verhalten der Polizei, es kam zu einem ersten Handgemenge. Dabei schlug ein 59-jähriger Pegidist einen Gegendemonstranten mit seinem Regenschirm. Fast gleichzeitig bewarf ein 33-Jähriger einen der "Patriotischen Europäer" mit seiner geöffneten, aber noch nicht ausgetrunkenen Bierdose. Beide Täter stellte die Polizei, gegen sie wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Auch auf dem Neumarkt mussten die Polizisten eingreifen, weil es zu Auseinandersetzungen zwwischen den Demo-Teilnehmern kam. Die Gegendemonstranten hatten trotz Verbots ihre Lautsprecheranlage eingeschaltet und versuchten die Pegida-Demo zu stören.
Auch auf dem Neumarkt mussten die Polizisten eingreifen, weil es zu Auseinandersetzungen zwwischen den Demo-Teilnehmern kam. Die Gegendemonstranten hatten trotz Verbots ihre Lautsprecheranlage eingeschaltet und versuchten die Pegida-Demo zu stören. © SZ/Christoph Springer

Der erste Teil der Pegida-Kundgebung selbst bis zum sogenannten Abendspaziergang verlief auf beiden Demo-Seiten ohne Probleme. Beim Marsch der Pegidisten durch die Innenstadt, dem sich mehrere Hundert Personen anschlossen, versuchten Gegendemonstranten wie an jedem Demo-Montag, auf der Wilsdruffer Straße die Route zu blockieren. Das gelang ihnen nicht, die Polizei führte den "Abendspaziergang" an den Blockaden auf einem freien Fahrstreifen vorbei. Dann folgte eine Szene, die zu Schadenseratzforderungen an die Polizei führte. Gegendemonstranten sprangen auf und rannten in Richtung Kleine Kirchgasse, verfolgt von der Polizei. 

Sie liefen über den Fußweg der "Wilsdruffer", auch zwischen den voll besetzten Tischen des Italien-Restaurants L´Osteria hindurch. Gäste sprangen auf, brachten sich in dem Restaurant in Sicherheit, ihr Essen und ihre Getränke ließen sie stehen. Tische rutschten umher, Stühle fielen um, Speisen und Getränke landeten auf dem Boden. Dass auch die heranstürmenden Polizisten an diesem Chaos beteiligt waren, bestätigten die Beamten später nicht. Die Polizei ermittle wegen Sachbeschädigung, hieß es am Abend in der Mitteilung aus der Direktion an der Schießgasse. "Offenbar waren Teilnehmer des Gegenprotestes durch den Außenbereich einer Gaststätte an der Wilsdruffer Straße gerannt und stießen dabei Tische und Stühle um."

Gäste der "L'Osteria" an der Wilsdruffer Straße mussten sich im Restaurant in Sicherheit bringen, ließen ihr Essen draußen stehen. Gegendemonstranten waren durch den Außenbereich gerannt.
Gäste der "L'Osteria" an der Wilsdruffer Straße mussten sich im Restaurant in Sicherheit bringen, ließen ihr Essen draußen stehen. Gegendemonstranten waren durch den Außenbereich gerannt. © SZ/Christoph Springer

Auf dem Neumarkt eskalierte die Situation beim zweiten Teil der Pegida-Kundgebung, als die Gegendemonstranten - mit Ankündigung - trotz anderslautender Auflagen ihre Lautsprecheranlage einschalteten und Musik spielten. Pegida-Frontmann Lutz Bachmann unterbrach die Kundgebung, Teilnehmer liefen auf die Gegendemonstanten zu und wurden handgreiflich. Den Ordnern der "Patriotischen Europäer" gelang es nicht, sie zu beruhigen, die Polizei griff ein und musste "unmittelbaren Zwang" anwenden, um die Gruppen zu trennen. Das heißt die Beamten zerrten und schoben die Streitenden auseinander, später bildeten rund 80 Beamten eine Doppelreihe zwischen Pegida und den Pegida-Gegnern.

Die Strafanzeigen des Abends richten sich neben den Verdächtigen, die wegen schwerer Körperverletzung, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung im Fokus der Beamten sind, auch gegen einen 73-jährigen Pegida-Teilnehmer, der ein Plakat mit einem dünn durchgestrichenen Hakenkreuz bei sich hatte. Es wird geprüft, ob er für sein Plakat bestraft werden muss. Außerdem ermitteln die Beamten wegen einer Bedrohung, zu der es nach Ende der Pegida-Demonstratiion bei verbalen Auseinandersetzungen gekommen sein soll. Die Polizei war mit rund 300 Beamten im Einsatz.

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