SZ +
Merken

Halb Schmiedefeld steht auf Tele-Bingo

Mager’s Eck“ in Schmiedefeld platzte am Sonnabend gegen Abend aus allen Nähten. Und im ganzen Dorf wurde überpünktlich die Fernseher eingeschaltet. Logisch, wenn das Ortsschild des 450-Seelen-Dörfchens schon mal auf der Mattscheibe zu sehen ist.

Teilen
Folgen

Von Helga Koch

Mager’s Eck“ in Schmiedefeld platzte am Sonnabend gegen Abend aus allen Nähten. Und im ganzen Dorf wurde überpünktlich die Fernseher eingeschaltet. Logisch, wenn das Ortsschild des 450-Seelen-Dörfchens schon mal auf der Mattscheibe zu sehen ist.

Und die Schmiedefelder hatten ja fünf Jahre lang Zeit, sich an Pünktlichkeit zu gewöhnen. Punkt 17.30 Uhr lockt Tele-Bingo vom Mitteldeutschen Rundfunk zum gemeinsamen Flimmer-Erlebnis!

Jan Schöne, 28 Jahre alt, Dachdecker und Vater des acht Wochen alten Erwin, ist sozusagen der Chef des Schmiedefelder Tele-Bingo-Fanclubs. „Nein, nein, als Verein haben wir uns nicht eintragen lassen“, wehrt er lachend ab. „Wir treffen uns einfach nur jeden Sonnabend, das ist alles. Ganz locker.“

Anfangs waren

die Spieler zu viert

Anfangs, als die Sendung die ersten Male über den Bildschirm lief, waren sie nur zu viert: Jan Schöne, Monty Kindt, der in der Großharthauer Fleischerei arbeitet und den einstigen Konsum und späteren Mini-Markt zu „Mager's Eck“ umgebaut hat, Reiner Fichte, Baumaschinist von Beruf, und Bernd Wagner, der bei der Telekom arbeitet. „Inzwischen sind wir 15“, staunt Jan Schöne, wie die Schar der Fans immer größer geworden ist.

Auch Andreas Winkler kam beizeiten dazu. Der Schmiedefelder arbeitet beim „Show-Express Könnern“, jener Künstler-Agentur aus Sachsen-Anhalt, die mit Pittiplatsch, Herrn Fuchs und der Schnatterente landauf, landab n unterwegs ist. „Tele-Bingo ist eine gute Unterhaltungssendung“, urteilt Andreas Winkler. „Es werden Prominente vorgestellt, und es sind Studiogäste dabei.“

Im vergangenen Jahr traten in der Sendung mal die Zwillinge Claudia und Carmen auf. Bei den Absprachen für den Auftritt erzählte Andreas Winkler, dass es in Schmiedefeld einen Fanclub für die Sendung gibt. Die Leute vom Fernsehen ließen sich das nicht zweimal sagen, kreuzten sich das Dörfchen bei Bischofswerda rot auf der Landkarte an und kamen am 25. September mit Mikrofon und Kamera angereist, um einen eineinhalb Minuten langen Beitrag zu drehen. Er wurde am Sonnabend gezeigt. Der Termin passte wie kein zweiter, denn die Sendung feierte ihr Fünfjähriges.

„Uns und den Leuten vom Fernsehen hat das Drehen einen Riesenspaß gemacht“, sagt Jan Schöne schmunzelnd. Ein paar lustige Ideen hätten sie sich schon vorher ausgedacht. Zum Beispiel die, wie Ronald „Möhre“ Lauermann mit seinem Rasenmäher schwer beschäftigt ist, plötzlich das Scheunenfenster aufgeht und Mutter Helmtrud „Es ist gleich halb sechse!“ ruft. Höchste Zeit also, in „Mager's Eck“ zu flitzen, während der Rasenmäher allein über die Wiese tuckert...

Oder Jan Schöne, der gerade auf dem Dach arbeitet und sofort sein Werkzeug fallen lässt, als Mutter Christel „Es ist soweit!“ ruft. „Ich arbeite tatsächlich oft sonnabends bis kurz vor 17.30 Uhr“, bestätigt der Dachdeckermeister, dass die Idee gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen ist. Und er gehe sowieso meist in seinen Arbeitssachen in „Mager's Eck“.

35 Euro waren bisher

der Höchstgewinn

Auch während der Jubiläumssendung lief vieles wie jeden Sonnabend ab. „Gisela Fichte holt immer donnerstags für uns die Tipp-Scheine in der Lotto-Stelle in Großharthau ab, ihr Mann bringt sie dann sonnabends mit her, er spielt auch mit. „Wir kreuzen während der Sendung die Zahlen an und trinken nebenbei ein Radeberger“, sagt Jan Schöne. Wenn jemand die vier Ecken gewinnt, zahlt er eine Runde Radeberger für alle.

„Bis jetzt habe ich zweimal gewonnen, so um die elf Euro jeweils“, gesteht Jan Schöne. Einer habe mal 35 Euro gehabt, mehr war's noch nie. Aber das ist eigentlich auch nicht das Entscheidende. „Es geht immer lustig und gesellig zu“, sagt der 28-Jährige über den Fanclub, dessen Mitglieder von Mitte 20 und bis über 60 Jahre sind.

„Wenn wir den Kulturraum nicht hätten, dann gäb's doch gar nichts mehr in Schmiedefeld“, erklärt Andreas Winkler. „Wir haben schon längst keine Gaststätte mehr im Dorf, keine Schule, keinen Kindergarten, nicht mal 'nen Bäcker. Unser großer Saal steht leer. Aber wenn Tele-Bingo läuft, dann treffen wir uns, reden und lachen…“