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Halber Preis, halber Service?

Mit einem Gutschein erhalten Gäste in Lokalen zwei Essen zum Preis von einem. Willkommen sind sie damit nicht überall.

Von Stefan Schramm

Ein schönes Mittagessen haben die Eheleute Neumann aus der Gegend von Bautzen an einem Sonntag im Februar geplant. Ihr Ziel: die Gaststätte Kretscham in Oberfriedersdorf. Im Gepäck hatten sie ein Gutscheinbuch. Das enthält Angebote vieler Restaurants aus der Oberlausitz: zwei Speisen bestellen, aber nur eine bezahlen. Auch besagtes Gasthaus in Friedersdorf empfahl sich darin. Nachdem das Paar am Tisch Platz genommen hatte, kam die Bedienung. Als die das Büchlein entdeckte, habe sie gleich gesagt: „Also, es wird bei Ihnen etwas länger dauern. Wir brauchen schließlich die Plätze für Vollzahler!“

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
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Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Die Neumanns schauten sich verdutzt an. Im nächsten Moment kamen weitere Leute mit einem Gutscheinbuch an, die das Gleiche zu hören bekommen hätten. Für Familie Neumann war das genug. Sie verließ das halbvolle Lokal, ohne etwas bestellt zu haben. „Wir fühlten uns diskriminiert, wurden behandelt wie Menschen zweiter Klasse“, ärgert sich Karen Neumann. In einem Restaurant im benachbarten Oppach sei man dann schließlich aber doch noch satt geworden.

„Von dem Vorfall weiß ich nichts“, sagt Frank Klinger, der mit seiner Frau den Kretscham Oberfriedersdorf führt. Er sieht das Gutscheinbuch aus einer ganz anderen Perspektive. „Manche nutzen die Angebote schamlos aus“, beschwert er sich. „Sie kommen an und kippen sich im Auto noch schnell eine Flasche Wasser hinter, damit sie im Restaurant bloß nichts zu trinken bestellen müssen“, so Klinger. „Dann essen sie und gehen nach einer halben Stunde wieder. Das ist ein richtiger Sport geworden“, ärgert sich der Gastwirt. Ihm sei damit nicht geholfen. Das alte Gutscheinbuch galt bis 31. März, in der aktuellen Ausgabe ist sein Haus nicht mehr vertreten. „Wir wollen es mal ein Jahr ohne das Buch versuchen“, sagt Frank Klinger. „Schlimm ist, dass wir Gastronomen überhaupt auf diese Bücher angewiesen sind!“

Für die Eheleute Neumann ist das Buch hingegen eine Bereicherung. „Das ist doch eine gute Sache, eine Schlemmerreise durch die Oberlausitz zu unternehmen“, sagen sie. Doch die Erinnerung bleibt: „Seitdem haben wir ein dummes Gefühl, damit in Gaststätten zu gehen.“