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Halbherzige Geständnisse

Weil sie Vietnamesen beleidigt und bedroht und das Geschäft der Familie niedergebrannt haben sollen, stehen nun drei Jugendliche vor Gericht.

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Von Alexander Schneider

Es ist immer wieder das Gleiche. Kaum stehen junge Rechtsextremisten vor Gericht, haben sie plötzlich keine Probleme mit Ausländern, ja sind sogar selbst mit welchen bekannt. Alexander F. war sogar mal mit „einem Neger befreundet“, wie er in seinem gestrigen Prozess sagte. Alexander F. (21), Enrico L. (20) und David B. (20) stehen seit Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Dresden. Ihnen wird in unterschiedlichen Beteiligungen ein ganzes Bündel typischer Nazi-Delikte vorgeworfen: Brandstiftung, Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung, Verwenden verfassungsfeindlicher Kennzeichen, Störung des öffentlichen Friedens, Sachbeschädigung.

Laut Anklage hatten zwei der Angeklagten, F. und L., zunächst die Tochter eines vietnamesischen Händlers vor dessen Geschäft in Striesen massiv beleidigt und ihrem Freund das Nasenbein gebrochen, als der zu Hilfe kam. Bei dem Streit mit dem Vater des Mädchens kündigten die Täter an, nachts wiederzukommen und den Laden abzubrennen. Sie drohten, die Vietnamesen totzuschlagen und schimpften später weiter, sie seien „Ausländer, keine Menschen“. Nachts kam laut Anklage F., nun mit B., tatsächlich wieder und zündete den Laden an. Die hölzernen Buden brannten ab. Die Familie stand am Rand ihrer Existenz.

Die Angeklagten räumten die Taten ein, wenngleich bisweilen halbherzig. Auch Haupttäter F., der als einziger seit August in U-Haft sitzt, und die Vorwürfe stets abgestritten hatte. Alles sei eine Dummheit gewesen, sagte er. Er habe nur einen Blumenständer anzünden wollen und nicht ahnen können, dass alles abbrennt. Und schließlich machten die Angeklagten auch noch den Alkohol für alles verantwortlich. Auch das kennt man gut aus solchen Verhandlungen. Gar nicht gerne wollte aber etwa Enrico L. hören, dass ihn die Justiz wegen „Sieg Heil“-Gebrülle kennt oder er Nazi-Bilder auf seinem Handy hatte. Der Prozess wird fortgesetzt.