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Halbzeit – Gedanken im Advent

Bei all dem Trubel um Geschenkekauf und Weihnachtsmarktbesuch sollte der Sinn des Advents nicht vergessen werden.

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Von Frank Dregennus

So kurz vor dem dritten Advent, stehen wir voll im Spiel um die tollsten Angebote. Wir googeln uns durch die letzten Bestellungen der noch benötigenden Geschenke. Drängeln uns im Kampf um die letzten Bestellmöglichkeiten für Fasanen, Puten und Enten. Finden uns wieder mitten im Kampfgetümmel der Parkplätze und der Weihnachtsmärkte.

Oh du Selige?

Zwischen Glühwein, Stollen und Bratwurst, gibt es dann schon mal eine gelbe Karte. Den Senf auf der Jacke der Frau, das verlorene Kind im Einkaufspark und den Rempler beim Ausparken. Der Adrenalinspiegel steigt. Immer näher kommen wir dem Ziel. Alles ist im Blick und Griff für die selige Weihnachtszeit. Nur noch zwölf Tage. Halbzeit.

Was bleibt? Wo ist die Stimmung, wo die Besinnung? Zwischen Glühwein und Stollen und mit Feiern ausgefüllten Vorweihnachtstagen.

Halbzeit! Halbzeit der Stimmung? Halbzeit der Besinnung? In welche Richtung wird es weiter gehen? „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe?“

Halbzeit im Advent – Advent heißt warten und erwarten? Warten sicher auf Weihnachten, warten auf die Ankunft Gottes in unsere Welt? Darauf besinnen wir uns, das ist doch die Tiefe Botschaft des Heiligabends.

Maria, Josef und das Jesuskind. Die alte Geschichte, die wir jedes Jahr neu hören – fast schon wie in einem Märchen. Ist für die Nachricht, der Geburtstag Gottes noch Platz in meinem Kalender, meinen Gedanken, meinem Herzen?

Advent heißt auch Halbzeit zwischen den Zeiten. Mitten in dieser Welt, die sich um sich selbst dreht, wie die Pyramide zur Weihnachtszeit. Halbzeit zwischen der Ankunft damals und der Wiederkunft morgen. Christen erwarten auch ein Ende der Welt, das uns manchmal näher kommt, als im ersten Augenblick gedacht. Zwischen Wirtschaftsboom und Rezession, wohin wird es gehen?

Zwischen den Katastrophen im Klimawandel gibt es noch eine Rettung? Zwischen Terrorismus, Sicherheit und Freiheit gibt es eine Balance?

Halbzeit – im Advent – Zwischenstation der Gedanken – Besinnung auf den Retter Jesus. Gottes Sohn, der geboren wurde „als die Zeit erfüllt war“ – zur Halbzeit der Weltgeschichte.

Jesus Christus, der kam und kommt, um mich heraus zu retten aus dem Getriebe der Vorweihnachtszeit, aber auch meines Alltags. Und der Halt geben kann und will in dieser Welt. Deshalb ist eine Halbzeit ganz wichtig. Im Fußball zum Kraft schöpfen, aber auch zur Spielanalyse, zur Orientierung für den Rest des Spieles.

Halbzeit ist also Auszeit zur Besinnung und Neuausrichtung. Gilt das nicht auch für den Rest meiner Zeit? Auch meines Herzens, meines Kalenders und meiner Gedanken auf das Ziel hin: Weihnachten, den Retter, der geboren wurde und noch immer geboren werden kann in meinem Herzen.

Dort, wo ich mir die Zeit dazu einräume. Jesus, der als Gottes Sohn tatsächlich und real Kraft, Orientierung geben kann. Einen ganz neuen Wert stiften. Der Versöhnung, der Liebe und Mitmenschlichkeit, ein Wert der bleibt, der hineinreicht in die Ewigkeit. Der Rettungsanker sein will und Halt für mein Leben, selbst, wo alles um mich auseinander triftet, sich verrennt oder im Chaos versinkt. Wie gut, das doch Halbzeit ist – Advent – die Zeit der Besinnung und nicht nur der Stimmung.

Frank Dregennus ist Pfarrer der Kirchgemeinden Ponickau, Linz und Schönfeld