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Halle in der Falle

Das Gebäude am Rosensportplatz hat die Legionellen überwunden. Schon gibt es die nächste Herausforderung.

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© André Schulze

Von Alexander Kempf

In den vergangenen Wochen sind ungebetene Gäste in die Nieskyer Rosensporthalle eingedrungen. Scharenweise haben sie sich dort breitgemacht. Doch wenngleich die Zahl der Eindringlinge kaum zu fassen ist, haben sie keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Denn sie selbst sind quasi unsichtbar. Zumindest für das menschliche Auge. Denn es braucht schon ein Mikroskop, um Legionellen sichtbar zu machen. Doch so klein die stäbchenförmigen Bakterien auch sind. Dem Menschen können sie viel Schaden zufügen. Einmal infiziert, kann er durch die Bakterien zum Beispiel eine Lungenentzündung bekommen.

© beiersdorf ag
Schmuck schon, aber auch sicher? Die Rosensporthalle wird die Stadt dieses Jahr wohl noch beschäftigen. Foto: André Schulze
Schmuck schon, aber auch sicher? Die Rosensporthalle wird die Stadt dieses Jahr wohl noch beschäftigen. Foto: André Schulze
© dpa-tmn

Die Nieskyer Sportler müssen sich davor jedoch nicht mehr fürchten. Das Problem ist gelöst, heißt es aus der Stadtverwaltung. „Es gibt keine Legionellen in der Rosensporthalle“, sagt Steffi Mütze. Schon vor einigen Wochen sei das Problem behoben worden und sollte in Zukunft auch nicht mehr auftreten. „Wir haben Änderungen im Leitungssystem vorgenommen“, so die Mitarbeiterin der Nieskyer Gebäude- und Liegenschaftsverwaltung. Unter anderem gibt es an der „letzten Dusche“ eine zusätzliche Probeentnahmestelle. Sicher ist sicher.

Während die Stadtverwaltung also bereits reagiert hat, ist im Nieskyer Verwaltungsausschuss zuletzt noch eifrig Ursachenforschung betrieben worden. Wie könnten die ungebetenen Gäste in die Halle gelangt sein? Die beiden Stadträte Harald Prause-Kosubek und Heiko Hentschel haben da eine eigene Theorie. Weil die Nieskyerinnen die ihnen zugedachten Duschen nach dem Sport nicht benutzen, mutmaßen die Herren, könnten sie den Legionellen unfreiwillig Auftrieb gegeben haben. Fakt ist, die bösen Stäbchen vermehren sich tatsächlich bevorzugt in stehendem Wasser zwischen 30 und 45 Grad.

Bei den Männer fließt nach dem Sport zunächst das Wasser und dann das Bier. Erst werde geduscht, dann ein Bierchen zusammen getrunken, so Harald Prause-Kosubek. Bei den Damen sehe das anders aus. Da werde nach dem gemeinsamen Aerobic zwar noch ein wenig „geschnattert“, dann aber zögen die Frauen ungeduscht von dannen. Warum das so sei, will dann auch Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann wissen. Vermutlich, spekulieren die beiden Herren, duscht die Damenwelt lieber daheim.

Hält Steffi Mütze die These der Herren für schlüssig? „Die Theorie mag sein wie sie will“, sagt sie. Wichtiger sei, dass das Problem mit der zusätzlichen Zapfstelle hoffentlich nicht mehr auftritt. Mittlerweile sei sichergestellt, dass das Wasser nun nicht mehr stehe. Im Idealfall sollte es auch erst dort erwärmt werden, wo es gebraucht wird, erklärt Stadtrat Heiko Hentschel im Nieskyer Verwaltungsausschuss und beruft sich auf die Aussagen eines Experten.

Nachdem die Stadt also das Problem mit den Legionellen in der Rosensporthalle gelöst hat, steht dort bereits die nächste Aufgabe an. Offensichtlich befinden sich Brandschutz und Sicherheitstechnik nicht mehr auf dem neuesten Stand der Zeit. Steffi Mütze jedenfalls deutet an, dass in diesen Punkten Handlungsbedarf besteht. „Dazu wird es im Juli eine Entscheidung geben“, sagt sie. Schon im Verwaltungsausschuss hat Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann davon gesprochen, dass in der Rosensporthalle noch Dinge in Angriff genommen werden müssen.

Die Sportler kriegen da schnell große Ohren. Denn, egal ob sie nun dort duschen oder nicht, für den gemeinsamen Sport benötigen sie das Gebäude in der Konrad-Wachsmann-Straße in jedem Fall. Doch mit Beginn der Sommerferien ist die Halle ohnehin geschlossen. Das sei die Zeit, die von der Stadt genutzt werden kann, um die Halle in Schuss zu halten, erläutert Steffi Mütze. Ob schon in diesem Jahr Veränderungen ins Haus stehen, ist derzeit aber wohl noch nicht klar.

In jedem Fall brauche es nicht wieder ein Dixi-Klo wie im vergangenen Jahr, meint Harald Prause-Kosubek jüngst im Verwaltungsausschuss. „Diese Lösung ist irrsinnig teuer und wird doch nicht genutzt“, erklärt er den Anwesenden. Zumindest nicht von den Herren. Die würden lieber hinter einem Baum verschwinden.