SZ +
Merken

Halle kostet Millionen

Bau. Die alte Jahnhalle soll abgerissen werden. Meißner Turner suchen jetzt nach Rettung.

Teilen
Folgen

Von Ulrike Körber

Rainer Hampel ist enttäuscht und traurig: Das Haus, in dem er geboren wurde, 25 Jahre lebte und in dem er die letzten 15 Jahre als Sportlehrer unterrichtete, soll fallen. Die alte Jahnhalle wird Ende nächster Woche wegen Schwammbefalls zugemauert und mit Brettern vernagelt. Sobald Geld da ist, rückt die Abrissbirne an. Für den Turner Hampel ist das ein Trauerspiel. „Abgesehen von meiner persönlichen Geschichte, die mit dem Gebäude verknüpft ist, geht mit dem Abriss auch ein Stück Sportgeschichte der Stadt verloren.“

Um das zu verhindern, sucht Hampel mit dem Sportverein TSV jetzt nach Geldgebern, die für den Erhalt des Gebäudes spenden. Wenigstens die Eigenmittel für einen Förderbeitrag hofft er so zusammen zu bekommen. „Schafft er das, wäre Hampel der Größte, und man müsste die Halle nach ihm nennen“, sagt Falk Werner Orgus, der Fraktionsvorsitzende der CDU.

Mit ein paar Tausendern ist es in der Jahnhalle allerdings nicht getan: Bauexperten rechnen mit mehreren Millionen Euro für die Sanierung. „Helfen können wir Hampel aber nur, indem wir Zeit für ihn schinden und den Abriss hinauszögern“, sagt Orgus. Auf Zeit spielt auch Denkmalpfleger Andreas Christl. Er hat bei der Denkmalbehörde in Dresden nachgefragt, ob das Gebäude nicht doch unter Schutz gestellt werden kann. „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits wäre es schade um das Haus, das architektonisch und historisch für Meißen bedeutend ist. Andererseits weiß ich auch, dass die Jahnhalle als Sportstätte mit heutigen Ansprüchen nicht zu halten ist. Erst recht nicht mit diesem Schwammbefall.“

Dass die Stadt ausgerechnet jetzt die Alarmglocken wegen des Bauschadens schlägt, kann Wolfgang Tücks, der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Liste Meißen (ULM), nicht begreifen. Bislang wusste er nur von etwa zehn Quadratmetern, die befallen sein sollen. „Das Problem wurde eindeutig bagatellisiert. Den Räten wurde die Beruhigungspille verabreicht. Die Stadt hat verpasst, das Gebäude gründlich zu untersuchen“, sagt Orgus. Fakt ist, der Schwamm ist schon lange im Haus. „Ich habe davon schon als Kind gewusst, als ich in der Jahnhalle wohnte“, sagt Hampel. Er soll mit seinem Verein ab sofort in der Afra-Turnhalle trainieren. Doch dort hat er weder einen Vereinsraum, noch passen die Sportgeräte mit hinein. Hampel ist frustriert. „Dabei hätte man noch gut zehn Jahre in der Jahnhalle Sport machen können“, sagt er. Sport getrieben wird dort aber nur noch in der nächsten Woche. Die Steine zum Zumauern sind schon bestellt. Nie wieder werden auf den Justusstufen die Recke gerückt und Medizinbälle geworfen – es sei denn, ein privater Investor kauft das gute Stück oder Hampel findet ausreichend Gönner.