SZ +
Merken

Halt, Polizeikontrolle

Die Beamten kontrollierten gestern flächendeckend die Geschwindigkeit – auch in Langenwolmsdorf, wo oft gerast wird.

Teilen
Folgen

Von Sebastian Martin

Da geht der Arm von Frank Warmuth wieder nach oben. Mit seiner Polizeikelle winkt er den nächsten Fahrer aus dem Verkehr. Mit 64 km/h wurde der junge Mann auf der Stolpner Straße in Langenwolmsdorf geblitzt, erlaubt ist in Höhe der Gaststätte „Goldener Apfel“ aber lediglich Tempo 50. Deshalb muss er nun 200 Meter weiter in eine Nebenstraße abbiegen. „Guten Morgen“, sagt Frank Warmuth. Sein Gegenüber ist wenig begeistert. Er zündet sich eine Kippe an und greift schließlich zum Portemonnaie. Ein Verwarngeld von 25 Euro muss der Ulbersdorfer zahlen. „Ich habe es gerade noch im Radio gehört, dass heute ein Blitzermarathon stattfindet“, sagt er.

Von 6 bis 24 Uhr kontrollierte die Polizei gestern flächendeckend die Geschwindigkeit. Allein im Freistaat wurde an ungefähr 200 Stellen geblitzt. Damit wollten die Beamten die Autofahrer sensibilisieren. Denn überhöhte Geschwindigkeit ist laut Polizei nach wie vor eine der häufigsten Unfallursachen – oft mit verhängnisvollen Folgen. Allein aufgrund nicht angepassten Tempos oder überhöhter Geschwindigkeit kamen auf den sächsischen Straßen zuletzt 88 Menschen im Jahr ums Leben. Das war knapp die Hälfte aller 192 Verkehrstoten im Freistaat.

Dorfstraße wird zur Autobahn

Auch auf der Stolpner Straße in Langenwolmsdorf wird gern gerast. Für Fußgänger ist das besonders gefährlich, weil ein Gehweg fehlt. Anwohner berichten, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung regelmäßig überschritten wird. Nicht nur von Motorradfahrern oder jungen Menschen. „Hundert Stundenkilometer sind an der Tagesordnung“, sagt eine Person, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Und nachts verwechsle manch einer die Ortsdurchfahrt anscheinend sogar mit einer Autobahn, heißt es. Dementsprechend oft kracht es. Erst vor einem Monat kam es in Höhe des Gasthauses „Goldener Apfel“ zu einem Unfall mit vier Fahrzeugen. Eine Person wurde dabei schwer verletzt. Polizeiobermeister Frank Warmuth erinnert sich zudem an einen Unfall in Langenwolmsdorf, bei dem ein junger Mann vor ein paar Jahren tödlich verunglückt war. Schuld sei damals ein Überholmanöver gewesen, sagt er und geht wieder in Position.

Seit 7.30 Uhr winken Frank Warmuth und seine Kollegin an diesem Donnerstagmorgen die Raser heraus. Viele Autofahrer tappen allerdings nicht in die Radarfalle. In anderthalb Stunden werden es zwei sein. Beide mit 64 km/h. „Die hören anscheinend alle Radio“, vermutet der Mann in Uniform und Warnweste. Er hat dennoch genug zu tun. Denn über Funk geben die Kollegen ihm auch durch, wenn ein Autofahrer nicht angeschnallt ist oder telefoniert – so wie dieser Mann aus Neustadt. Er ist auf dem Weg nach Radeberg. Eigentlich telefoniere er nie am Steuer, erzählt der Mittvierziger. Aber weil der Vater im Krankenhaus liege und die Mutter angerufen habe, sei er rangegangen. Ein teures Gespräch. Denn der Bußgeldkatalog verlangt dafür 60 Euro. Außerdem gibt es einen Punkt. Es ist der erste für den Mann mit dem grauen Haar, dessen Frau ihm heute Morgen extra noch einen Zettel auf den Tisch gelegt hat. „Vorsicht, heute wird verstärkt geblitzt“, stand drauf. Da werde sich die Gattin besonders über die Post freuen, sagt der Neustädter und steigt wieder in den blauen Transporter ein.

Etwas mehr Glück hat der Fahrer eines Tankfahrzeugs. Er wurde von Frank Warmuth herausgewunken, weil er keinen Sicherheitsgurt angelegt hat. Konnte er auch nicht. Denn in dem Fahrzeug gibt es derzeit keinen. Der Chef hat ihn ausbauen lassen, weil er repariert werden muss. „Was haben Sie denn für einen Chef“, fragt der Polizeiobermeister. „So geht es aber nicht!“ Der Fahrer guckt nur und nimmt den Mängelschein entgegen. Innerhalb der nächsten sieben Tage muss er sich bei der Polizei melden und zeigen, dass wieder ein Sicherheitsgurt eingebaut worden ist. Ansonsten droht ein Bußgeld.

Knapp 200 Euro haben Frank Warmuth und seine Kollegin gestern bei der Polizeikontrolle in Langenwolmsdorf eingenommen. Nach anderthalb Stunden ziehen sie ein positives Fazit des Blitzermarathons. Denn die meisten Autofahrer haben sich, zumindest in Höhe der Gaststätte „Goldener Apfel“, an das Tempo-Limit gehalten.