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Halten, tanken , abhauen

Benzinklau. Ob die ansteigenden Benzinpreise den Tankbetrug fördern, wollte SZ von den Tankbetreibern in Radeberg und Umgebung wissen.

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Von Oliver Pfützner

Die Preise sind erschreckend! 1,25; 1,27 oder gar 1,30. Das sind die Zahlen über die Deutschland diskutiert. Denn in den letzten Wochen haben die Benzinpreise einen Jahreshöchststand erreicht. Tendenz steigend! Das scheint einige Autofahrer derart zu erbosen, dass sie auch vor Benzinklau nicht mehr zurückschrecken. Die steigenden Kraftstoffpreise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten setzen die Hemmschwelle zum Diebstahl an der Zapfsäule anscheinend immer weiter herab. So berichtete der Berliner Tagesspiegel, dass der Benzinklau um 20 Prozent in der Bundeshauptstadt zugenommen hat.

Keine Zunahme im Rödertal

Doch wie ist die Lage in Radeberg und Umgebung? In der ersten Juli- Woche konnte Polizeichef Ullrich Knöpfle von zwei Fällen berichten, bei denen die Autofahrer nach der Devise handelten: anhalten, voll tanken und abfahren. Diese Fälle ereigneten sich jeweils an der Tankstelle an der Radeberger Badstraße. „Trotzdem kann man nicht von einer statistischen Zunahme im Radeberger Revierbereich sprechen“, sagt Polizeisprecherin Petra Kirsch. Seit Mai wurde im Revier Radeberg in 19 Fällen wegen Tankbetruges ermittelt. Auch Hella Barczik, Pächterin der Arnsdorfer HEM-Tankstelle, kann keine Zunahme erkennen, trotz der „derzeitigen Einkommensverhältnisse“.

Ein Grund dafür sieht die Pächterin darin, dass sich „meine Tankstellen im ländlichen Raum befindet. In einer Stadt wie Dresden ist die Situation bestimmt eine andere“. Doch der Hauptgrund liegt in der verstärkten Investition der Tankstellenbetreiber in Sicherheitsmaßnahmen.

Shop- und Außenbereich der Tankstellen werden in der Regel durch Videokameras überwacht. „Zudem sind die Mitarbeiter geschult, ihre Augen auf verdächtige Personen zu richten“, so Barczik. So sollen die Kassiererinnen zu den Pkw-Kennzeichen, dem Typ und der Person eine Aussage machen können. Denn für die Tankstellenbetreiber entsteht durch den Benzinklau ein enormer Schaden. So muss der Diebstahl durch den Pächter vollkommen eigenständig ersetzt werden. „Da gibt es kein Geld von den Mineralölkonzernen und versichern kann man sich dagegen nur schwer“, so die HEM-Pächterin.

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre

Wird ein Tankdieb gefasst, kommt es sofort zur Anzeige. Aus rechtlicher Sicht ist Benzinklau kein Diebstahl sondern „nur“ ein so genannter Warenkreditbetrug. Deshalb denken viele, es handele sich um eine Banalität. Denn „Warenkreditbetrug bedeutet, der Täter täuscht dem Tankwart die Zahlung des Treibstoffes vor - tut es dann aber nicht“, erklärt der Radeberger Polizeichef Knöpfle. Ob nun Diebstahl oder Warenkreditbetrug - das Strafmaß unterscheidet sich nicht. „Beides kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden“, berichtet uns Polizeisprecherin Petra Kirsch.

Die Gründe für den Diebstahl sieht die Polizeisprecherin zum einen in der Absicht, sich zu bereichern, aber auch im Geldbeutel der Täter. „Denn oft wollen die Kunden bei den steigenden Preisen einfach nicht ihre Fahrten einschränken und versuchen es dann auf diese Art“.

Bei den derzeitigen Benzinpreisen ist es sicherlich für viele Autofahrer verlockend, sich einfach aus dem Staub zu machen. Doch glücklicherweise ist dieses Phänomen im Berliner Raum ausgeprägter als in Radeberg.