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Haltet doch den Schnabel da raus

Der „Tatort“ aus Dresden war als Psychodrama packend genug. Wozu noch persönliche Bande zwischen Polizist und Opfer?

Mit Dynamo-Wimpel hinterm Schreibtisch: Kommissariatsleiter Peter Schnabel (Martin Brambach) kannte das Opfer und dessen Familie. Warum eigentlich?
Mit Dynamo-Wimpel hinterm Schreibtisch: Kommissariatsleiter Peter Schnabel (Martin Brambach) kannte das Opfer und dessen Familie. Warum eigentlich? © MDR

Welch ein symbolischer Schluss. Der Vater ruft an und Tochter Leonie geht nicht ran. Kommissarin Winkler will sich endlich lösen von ihrem brummigen Vater, in dessen berufliche Fußstapfen sie getreten ist, der aber seine Geheimnisse nicht mit ihr teilt. „Bei ihr findet eine Abnabelung statt“, stellt auch Leonies Vorgesetzter Peter Schnabel fest. „Sie stellt fest, dass der auch nur mit Wasser gekocht und Dinge getan hat, die an der Grenze des Legalen oder sogar verboten sind.“

Diese Dreiecksbeziehung zwischen der jungen Kommissarin, ihrem pensionierten Vater und ihrem strengen Vorgesetzten wird wohl zur ständigen Parallelhandlung im Dresdner „Tatort“. Das junge unerfahrene Mädel und die beiden alten Kerle, die gemeinsame Berufsgeheimnisse hüten: Da ist noch Stoff für viele Konflikte und Offenbarungen.

Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
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Solange es gelingt, dass diese Parallelhandlung nicht den eigentlich Krimistoff überlagert, ist das ein guter Kniff. In der „Tatort“-Folge „Nemesis“ am Sonntagabend ist es gelungen. Ein guter, solider Krimi war das, in dem die mitunter fehlende Spannung durch private Geheimniskrämerei ergänzt wurde. Die Mafiaspur beim Mord am Promi-Wirt ließ zunächst einen routinierten Stino-Sonntagskrimi befürchten. Die familiären Abgründe, die sich schließlich in der Familie des Toten auftaten, machten den „Tatort“ dann aber zu einem durchaus gelungenen Psychodrama.

Nur eines muss man grundsätzlich infrage stellen – nicht nur für diesen Tatort: Was sollen immer diese privaten Beziehungen zwischen Polizisten und den Opfern oder Verdächtigen. Wie wahrscheinlich ist so was? Ja gut, Dresden ist ein Dorf, man kennt sich. Aber warum muss ausgerechnet der Kommissariatsleiter mit der Familie des erschossenen Promiwirtes befreundet sein? Und wenn man sich schon so gut kannte, warum ahnte er dann nichts von den Abgründen, die sich in dieser Familie auftaten? Haltet doch den Schnabel da raus!, möchte man rufen.

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Solche persönlichen Verflechtungen in Krimis sind im besten Fall unnötig, in schlimmeren Fällen an den Haaren herbeigezogen. Und meisten sind sie ein Zeichen dafür, dass der Regisseur dem Spannungsbogen im eigenen Film nicht ganz traut.

Dabei hätte er das in diesem Fall ruhig tun können. Der Plot war auch so stark genug und Martin Brambach sowieso.

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