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Hamburger Hof für einen Euro

Das Amtsgericht in Dresden hat jetzt einen Termin für die Zwangsversteigerung angesetzt.

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Von Harald Daßler

Meißen. Am 29. Mai kommt der Hamburger Hof unter den Hammer. Um 10 Uhr soll im Saal 1.18 im Hauptgebäude des Amtsgerichts in der Dresdner Roßbachstraße 6 das Meißner Traditionshaus zwangsversteigert werden. Das „gewerblich genutzte Grundstück mit Hotelgebäude und Anbau, seit Jahren leerstehend und teilweise eingestürzt“, wie in der offiziellen Terminankündigung des Dresdner Amtsgerichts bezeichnet wird, ist auf einen Verkehrswert von einem Euro geschätzt worden.

Ein Immobiliengutachter hatte im vorigen Oktober gemeinsam mit Vertretern von Denkmalschutzbehörden und weiteren Fachleuten zugängliche Teile des Gebäudekomplexes besichtigt. Dabei wurde ein „insgesamt außerordentlich schlechter baulicher Zustand“ bescheinigt. In den Berechnungen zur Ermittlung des Verkehrswertes wurde berücksichtigt, dass auch die unter Denkmalschutz-Geschichtspunkten zu erhaltende Bausubstanz vom Hausschwamm befallen ist. Ermittelt wurde ein Restwert von knapp 600 000 Euro. Dem stehen aber so genannte Freilegungskosten von 771 300 Euro gegenüber. Damit hat der Gutachter Kosten für dringend notwendige Abbruch- und Sicherungsmaßnahmen nach einem festgelegten Procedere berechnet. Weil die Differenz eine negative Zahl ergibt, wurde der Verkehrswert als so genannter Erinnerungswert mit dem eher symbolischen einen Euro angegeben.

Mit der Zwangsversteigerung ergibt sich für die Stadt Meißen die Gelegenheit, in den Besitz des maroden Gebäudes zu kommen und so Einfluss auf dessen Rettung und eine neue Nutzung zu erhalten. Das hatte u.a. der Meißner Kulturverein gefordert. Allerdings dürften enorme Aufwendungen und Investitionen in Millionenhöhe notwendig sein, um die unter Denkmalschutz stehenden Fassaden und Teile des Gebäudes zu sanieren. „Die Stadt allein kann das nicht stemmen“, hatte Meißens Baudezernent Steffen Wackwitz kürzlich in einem SZ-Interview erklärt.