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Großenhain

Hamsterkäufe in Großenhain

Aus Angst vor Corona: Konserven, Nudeln, Toilettenpapier und selbst Kohlenanzünder sind seit Tagen Objekte der Begierde. In Riesa ist man abwartender.

Seit Ende vergangener Woche wird im Großenhainer Edeka gehamstert: Wasser, Konserven und Suppen sind begehrt. Auch Küchenrolle und Toilettenpapier sucht man in den Regalen bald vergebens.
Seit Ende vergangener Woche wird im Großenhainer Edeka gehamstert: Wasser, Konserven und Suppen sind begehrt. Auch Küchenrolle und Toilettenpapier sucht man in den Regalen bald vergebens. © Foto: Anne Hübschmann

Großenhain/Riesa. Bereits gen Wochenende hatten sich einige Röderstädter ganz offensichtlich der vermeintlichen Lage der Nation angepasst: Mit Mundschutz liefen sie eilig über den Parkplatz des Großenhainer Kauflandes und stapelten Milch, Bier und mehrere Pakete Nudeln, Reis und Kartoffeln ins Auto. Drinnen bunkerten derweil die noch Einkaufenden, was sie glaubten, für zwei Wochen möglicher Quarantänezeit zu Hause unbedingt brauchen zu müssen. Wasser, Brotbackmehl, Konserven und auch die eine oder andere Suppe. 

"Es war in den vergangenen Tagen definitiv mehr los als sonst", bestätigt Henrik Kiehl. Wie der Leiter der Großenhainer Filiale betont, gebe es jedoch keinen Grund zur Sorge, dass bestimmte Lebensmittel dauerhaft nicht mehr in der notwendigen Anzahl zur Verfügung stünden. Alles sei nachbestellbar und die Lieferanten wären bereits aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Europa vorgewarnt gewesen.

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Ausnahmezustand herrscht auch seit Freitag in den Filialen von Edeka-Scheller. „Ich hatte vorsorglich noch Tomaten- und Instandsuppen zusätzlich geordert, nachdem ich am Donnerstagabend im Fernsehen selbst den Aufruf gehört hatte, dass die Bevölkerung für zehn Tage vorsorgen soll“, sagt John Scheller, Betreiber dreier Märkte in Dresden, Radeberg und Großenhain. 

Eine gute Entscheidung, denn bis zum Sonnabend hätten die Kunden dann tatsächlich gekauft, was die Regale hergegeben hätten. Konserven, Nudeln, Fertiggerichte, Toilettenpapier, Wasser sowie besagte Suppen und Soßen wären Objekte der Begierde gewesen. Selbst der Kohlenanzünder wäre in Großenhain ausverkauft. „Und die nachträglich bestellten Produkte mussten unsere Mitarbeiter gar nicht mehr erst einsortieren. Sie wurden gleich vom Rollwagen runter genommen“, verrät John Scheller.

Der Unternehmer macht keinen Hehl daraus, das die Abrechnungen an beiden Tagen wirtschaftlich große Freude bei ihm ausgelöst hätten. Die Umsätze bescherten immerhin ein zusätzliches Weihnachtsgeschäft.

In Stauchitz - zwischen Riesa und Döbeln gelegen - ist die Einkaufslage dagegen noch ruhig. Im hiesigen Edeka-Markt seien noch keine vermehrten Einkäufe registriert worden. „Aber das kommt vielleicht noch“, gibt Marktleiterin Sylke Thiemt zu bedenken. Es könne durchaus sein, dass der eine oder andere Stammkunde eine Packung Wasser oder eine Konservendose mehr als sonst mitgenommen habe. „Aber bisher haben wir keine leeren Regale.“ 

Auch das Thema regelmäßige Desinfektion wäre hier nicht neu. „Das machen wir schon lange“, sagt Sylke Thiemt. Unter der Kasse hätten die Verkäuferinnen immer welches stehen, das sie regelmäßig verwendeten, um sich vor Krankheiten zu schützen. Gerade in Zeiten, in denen die Grippe grassiere.

Direkte Hamsterkäufe waren zu Wochenbeginn im Riesaer Kaufland nicht zu beobachten, allerdings klafften in der Konserven-Abteilung einzelne auffällige Lücken. So war im Lebensmittelmarkt in der Elbgalerie offenkundig die Nachfrage nach Dosen-Fertiggerichten wie Hühner-Nudel-Topf oder Paprika-Topf sprunghaft gestiegen.

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Ob die Teigwaren Riesa durch die Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln profitieren, konnte am Montag niemand sagen. Dort gibt es gerade andere Herausforderungen: Die zuständige Mitarbeiterin war ganztags bei Gesprächen mit der Gewerkschaft gebunden – es geht beim Nudelhersteller um Details eines künftigen Tarifvertrags.

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