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Hamsterrad und Glockenläuten

Beispielhaft ist sie, die Baumaßnahme am Ostrauer Berg. Beispielhaft auch die Pläne der Stadtverwaltung Bad Schandau: Straßenschäden sollen weg – mit ihnen die Beleuchtung. Und dann? Der Wanderer im finsteren Tal muss sich seine Lampe selbst mitbringen.

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Beispielhaft ist sie, die Baumaßnahme am Ostrauer Berg. Beispielhaft auch die Pläne der Stadtverwaltung Bad Schandau: Straßenschäden sollen weg – mit ihnen die Beleuchtung. Und dann? Der Wanderer im finsteren Tal muss sich seine Lampe selbst mitbringen. Die Stadt nennt das „Eigenvorsorge“. Wir nennen das eine gute Methode. Wenn die Leute hier leben und ihre Heimat genießen wollen, sollen sie doch ruhig selbst etwas dafür tun.

Und was kommt danach? Vielleicht ist eben jene Selbstbeteiligung am öffentlichen Geschehen nur eine von vielen Maßnahmen. Es geht das Gerücht, künftig seien in jedem Vorgarten große Hamsterräder aufzustellen, damit die Versorgung mit Strom problemlos gewährleistet werden kann. Und nicht nur die: Damit die Kirchenglocken immer rechtzeitig läuten, soll es bald einen „Kirchendienst“ geben, zu dem Bürger eingeteilt werden. Im Schichtbetrieb heißt es dann: Ab auf die Türme, ran an das Zugseil. Werden wir es so schaffen, unser Leben besser zu machen?

Wie auch immer. Heiligabend sind die Bürger selbstverständlich aufgefordert, in Bereitschaft zu bleiben. Warum? Damit das Wasser in Eimern herangeschafft werden kann, wenn irgendwo ein Weihnachtsbaum brennt. Naja, zumindest bleibt die eine Hälfte in Bereitschaft. Die andere im Hamsterrad, damit es Strom gibt und die Feuerwehr auf den dunklen Straßen etwas sieht. Die, die Kirchendienst haben, sind ja sowieso beschäftigt. Na dann: Frohe Weihnachten! (SZ)