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So läuft der Corona-Test bei den Elbflorenz-Handballern

Seit zwei Wochen müssen sich die Zweitliga-Profis regelmäßig kontrollieren lassen. Das verlangt die Liga. Die SZ ist beim Rachenabstrich exklusiv dabei.

Doktor Ute Maier muss mit dem Wattestäbchen bis hinter die Mandeln und das Zäpfchen von Jonas Thümmler. Alles andere würde den Test verfälschen.
Doktor Ute Maier muss mit dem Wattestäbchen bis hinter die Mandeln und das Zäpfchen von Jonas Thümmler. Alles andere würde den Test verfälschen. © Jürgen Lösel

Dresden. Es gehört bei den Handball-Profis des HC Elbflorenz Dresden nicht zu den Kernkompetenzen: Hinsetzen, Mund auf, Stäbchen rein, Stäbchen raus, fertig. Kurz und knapp könnte man den Covid-19-Test zusammenfassen, den der Ligaverband HBL jetzt in der Vorbereitung auf die neue Saison im Hygiene- und Sicherheitskonzept von allen Klubs der 1. und 2. Bundesliga verlangt. Das Prozedere ist mittlerweile einigermaßen geübt und doch immer wieder eines mit ungeahntem Ausgang.

Dienstagmorgen, 8.30 Uhr, in der zweiten Etage der Ballsportarena, dem Handball-Tempel von Dresden. Der Raum, in dem für gewöhnlich nach den Zweitliga-Heimspielen die Pressekonferenzen stattfinden, ist für die Testabnahme umgestaltet worden. Ein paar Stühle sind an die Seite gerückt. In der Mitte steht ein Tisch. Darauf hat Ärztin Ute Maier die notwendigen Utensilien in Paketen aufgebaut: Wattestäbchen, kleine Plastik-Röhrchen, Mund-Spatel aus Holz – alles im Doppelpack. Sicher ist sicher. Ein Schreibblock und ein Dokumentenstapel vervollständigen das Sammelsurium, und obenauf liegt der Ablaufplan mit den genauen Terminen für die Spieler, Trainer, Betreuer. In nicht mal zwei Stunden soll alles erledigt sein.

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Ärztin als Diagnostik-Beauftragte

Ute Maier, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, ist die Diagnostik-Beauftragte des Vereins. Diese Position wird jetzt von der HBL explizit gefordert. Die Lebensgefährtin von Vereinspräsident Uwe Saegeling übernimmt diese Rolle ehrenamtlich. Ihre Praxis öffnet an Dienstagen erst ab 14 Uhr. Ihre dunklen Haare hat sie streng nach hinten zu einem Zopf gebunden. Ein Mund-Nasen-Schutz verdeckt fast ihr ganzes Gesicht. Darüber sitzt eine Schutzbrille, eine Art Spuckschutz, wenn man so will. Ihr grüner Los Vlies-Sicherheitsanzug ist ein Einmalprodukt. Sie desinfiziert ihre Hände, stülpt sich dann Wegwerf-Handschuhe aus Gummi über. Bei jedem zu Testenden wiederholt sie diesen Vorgang.

Jonas Thümmler hat sich seiner Maske, die im umfunktionierten Testraum von jedem getragen werden muss, bereits entledigt. Der frühere Bundesliga-Profi ist als Nächster dran. „Geht es dir gut?“, fragt Ute Maier. „Klar“, antwortet der Kreisläufer. Andernfalls müsste Frau Maier mögliche Symptome vermerken. Dann geht es los.

Mund auf, Holzspatel rein, genau genommen auf Thümmlers Zunge. Es folgt das Wattestäbchen, mit dem der Abstrich genommen wird. „Das Virus nistet sich an der Rachenhinterwand ein. Dahin führen zwei Wege, durch die Nase oder eben durch den Mund“, erklärt die Medizinerin. Dresdens Handballer haben sich für den Weg durch den Mund entschieden. Der ist erträglicher.

Die Abstrichröhrchen gehen nach der Testreihe sofort ins Labor. Der gut sichtbare Vermerk PT steht für Physiotherapie.
Die Abstrichröhrchen gehen nach der Testreihe sofort ins Labor. Der gut sichtbare Vermerk PT steht für Physiotherapie. © Jürgen Lösel

„Auch durch die Nase müsste ich bis an den Rachen ran. Das ist unangenehmer. Man könnte auch zwei Abstriche über beide Wege machen“, verdeutlicht Ute Maier. Der Verbandsleitfaden schreibt aber nur einen vor. Weil der Weg zur Rachenwand so oder so unangenehm ist, rät die Ärztin allerdings von Selbsttests ab. „Viele überwinden diese Grenze nicht. Umso ungenauer sind dann die Tests“, sagt sie.

Thümmler hat die Prozedur nach gut zehn Sekunden überstanden. Das Wattestäbchen mit der Substanz seiner Rachenwand wandert in ein sogenanntes Abstrichröhrchen. In dem Transportmedium sorgt eine spezielle Lösung dafür, dass ein mögliches Virus lange überlebt. Das Fläschchen wird entsprechend gekennzeichnet, mit der Rückennummer des Probanden oder einem gut sichtbaren Vermerk wie PT, der für Physiotherapie steht.  Alles andere, also Einweghandschuhe und Spatel, landet in einem Beutel unter dem Tisch.

Marek Vanco ist einer der Nächsten. „Guten Morgen“, grüßt der tschechische Nationalspieler und nimmt auf dem Probanden-Stuhl Platz. „Mir geht es gut, danke“, beantwortet der 31-Jährige die Frage der Medizinerin. Wenige Sekunden später darf er schon wieder aufstehen. Für Smalltalk ist keine Zeit. „Dankeschön“, sagt er nach kleinem überstandenen Würgereflex. „Man muss sich immer bedanken“, merkt Vanco noch an. Dann verabschiedet er sich. „Bis zum nächsten Mal.“ Er weiß, nächste Woche wartet die gleiche Prozedur.

Auch der Verein dokumentiert parallel die wichtigsten Daten beim Test: Wer hinterlässt wann seinen Abstrich?
Auch der Verein dokumentiert parallel die wichtigsten Daten beim Test: Wer hinterlässt wann seinen Abstrich? © Jürgen Lösel

Die Proben bringt Ute Maier bis mittags ins Labor der mikrobiologischen Abteilung für klinische Chemie und Labormedizin im Krankenhaus Friedrichstadt, mit dem der Klub eine Partnerschaft eingegangen ist. Das Klinikum ist nur wenige hundert Meter von der Ballsportarena entfernt. „Das Testvolumen ist derzeit so gering, dass wir die Tests der Handballer ganz normal mit durchziehen“, sagt Ute Maier. Bereits am frühen Dienstagabend vor dem Training liegen die Ergebnisse vor – alle negativ. Und damit positiv für den Klub. „Hundertprozentig sicher sind die Tests nicht, aber hier läuft alles sehr sensibel und spezifiziert ab. Einen großen Anteil macht der Abstrich aus“, unterstreicht die Ärztin. Experten gehen immerhin von einer 95-prozentigen Testsicherheit aus.

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Im Fall eines positiven Tests würde das Labor sofort Gesundheitsamt und Verein informieren. Der Klub müsste dann die entsprechenden Klardaten freigeben und zudem Mannschaftsarzt Dr. Tino Lorenz einschalten. Jeder Spieler musste vorher unterzeichnen, dass er mit diesen Abläufen einverstanden ist. Und Geld kostet die umfangreiche Testung natürlich auch: pro Person und Test 59 Euro, an diesem Dienstag allein 1.357 Euro. „Die Tests sind nötig und auch richtig“, stellt Vereinspräsident Uwe Saegeling noch einmal klar. Beim HC Elbflorenz bezweifelt das niemand.

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