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Ein Verein, ein Mann

Frank Müller und der SSV sind ein sportliches Doppel. Der Verein wird 30, sein erster und einziger Vorsitzender 73. Die Erfolge werden gefeiert, das Jubiläum nicht.

Heidenaus Handball- und SSV-Vater: Frank Müller. Er wird 73, sein Verein 70.
Heidenaus Handball- und SSV-Vater: Frank Müller. Er wird 73, sein Verein 70. © Marko Förster

Aus Unzufriedenheit wurde ein Ehrenamt. Frank Müller war einst  Fußballer bei der BSG Motor Heidenau, dem Sportklub des Elbtalwerkes. Damit gehörte er zu den Privilegierten. Denn das meiste Geld der BSG ging immer an die Sektion Fußball. Andere Sportarten mussten über Jahre mit weniger Unterstützung auskommen. Doch genau das war es, was ihn ärgerte. Am 15. August 1990 war es, als Frank Müller mit weiteren Handballern und Leichtathleten nach einer Sitzung in der Turnhalle der Gleißberg-Grundschule den Sport- und Spielverein - kurz SSV - gründete. 

Seltene Konstellation

In seinem 30. Jahr hat der Verein rund 1.000 Mitglieder, die 16 verschiedene Sportarten betreiben. Damit ist er der größte Sportverein in Heidenau und der fünftgrößte im Kreis. Auch in Coronavirus-Zeiten habe es bei dem größten Heidenauer Sportklub keine gravierenden Schwierigkeiten gegeben. 

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Zu 30 Jahren Sportgeschichten gehören auch viele Top-Ereignisse und etliche Erfolge. Die des ehemaligen Bahnrad-Weltmeisters Carsten Bergemann und des U23-Bahnrad-Europameisters Max Niederlag zum Beispiel. Oder die der beiden noch immer aktiven Sportlerinnen Kristina Hanke und Brigitte Bonadt, die mit zahlreichen Titeln zur Weltspitze der Senioren-Leichtathletinnen zählen. Mehrere Sambo-Sportler des Vereins gehören deutschlandweit zu den Besten.

Zwei Tage nach dem Verein hat dessen erster und bisher einziger Vorsitzender Geburtstag. Frank Müller wird am 17. August 73.  Zusammen mit seiner Frau und Schatzmeisterin Kirsten Müller sowie Vize-Vereinschef Bernd Heinze führt er den Verein seit dem Anfang im Ehrenamt. Dies kommt eher selten vor,  heißt es vom Kreissportbund.

Vom Fuß- zum Handball

„Wir können uns zu hundert Prozent aufeinander verlassen und die erforderliche Qualität leisten für den Verein“, sagt Müller, der mit Heinze die E- bis C-Handballjugend beim SSV trainiert. „Als Rentner bin ich eigentlich immer unterwegs, und es gibt immer was zu tun, ich frage mich manchmal, wie ich das früher geschafft habe“, sagt Müller, der derzeit in Brandenburg urlaubt. Er habe noch immer Spaß an den Aufgaben.

Wie er damals vom Fuß- zum Handball kam? Müller wollte als Sportlehrer seinen Schülern immer auch Werte wie Fairness und respektvollen Umgang miteinander vermitteln. Auf dem Fußballplatz sei das damals zu selten zum Tragen gekommen. Daher entschied er sich mit seiner Ehefrau – ebenfalls Sportlehrerin –, eine neue Sportart auszuprobieren. Die Entscheidung fiel auf Handball. Als sich 1990 schließlich die Chance bot, einen neuen Verein mit neuen Strukturen zu gründen, haben 33 frühere BSGler den SSV aus der Taufe gehoben. 

Der Verein wuchs stetig. Ende 1990 waren es schon 160 Mitglieder. Geräteturner, Volleyballer, Badmintonspieler kamen dazu. Durch die Gründung der Sektion Radsport vor 20 Jahren wurde das Beton-Oval im Sportforum gerettet. Weitere Abteilungen wurden etabliert. Zuletzt wechselten die Faustballer 2015 vom Heidenauer SV zum SSV. 

Die Großen radeln nicht, aber die Kleinen

Eine große Feier wird es zum 30. Vereinsjubiläum indes nicht geben. Anders als vor zehn Jahren. Die diesmal erneut geplante Dampfertour mit vielen Gästen kann wegen der Virus-Entwicklung nicht stattfinden. Aufgrund der Unwägbarkeiten hat der Verein auch das Austragen des renommierten Herbstpreises der Steher samt Derney-Championat auf dem Beton-Oval im Sportforum abgesagt. Das Kinder-Abendrennen  am 20. September  soll aber trotzdem stattfinden, sogar in etwas größerem Umfang als sonst. (SZ) 

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