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Handballer setzen auf den Magdeburg-Effekt

Die deutschen Männer können sich für die WM qualifizieren – wenn ihre Nerven mitspielen.

Von Martin Kloth

Dem emotionsgeladenen Kraftakt von Gdansk (Danzig) folgten zwei Tage der Regeneration. Im Magdeburger Herrenkrug probierten die deutschen Handballer an den beiden Pfingstfeiertagen, mit Lockerungsläufen und Physiotherapie neue Kraft und Spannung aufzubauen. Am Sonnabend kommt es in der Getec-Arena zum wichtigsten Spiel des Jahres für die Auswahl von Bundestrainer Martin Heuberger. Nach dem 24:25 im WM-Qualifikationshinspiel in Polen muss ein Erfolg mit zwei Toren Differenz gelingen. Der Kampf um das Ticket für das Turnier im Januar in Katar entwickelt sich zur Nervenschlacht.

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„Wir wollen jetzt eine Woche Kräfte sammeln, uns gut vorbereiten, und dann hoffe ich, dass die Halle in Magdeburg brennt und wir das Ding nach Hause bringen“, betonte Holger Glandorf nach der Auswärtsniederlage am Sonnabend. Heuberger und seine Spieler waren damit nicht unzufrieden, wenngleich sie einen Erfolg aufgrund der schlechten Chancenverwertung vergaben. „Wir haben die erste Halbzeit nur mit einem Tor verloren. Da ist für die zweite Halbzeit natürlich alles drin“, erklärte Glandorf, warnte aber auch: „Wir dürfen uns nicht zu früh freuen. Das wäre der größte Fehler, wenn wir das jetzt auf die leichte Schulter nehmen.“

In der für seine fachkundigen und leidenschaftlichen Besucher bekannten Magdeburger Handball-Arena soll die Rückkehr auf die Weltbühne gelingen, nachdem die deutschen Männer sowohl bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London als auch der EM zu Jahresbeginn in Dänemark gefehlt hatten. „Das Magdeburger Publikum ist im Rückspiel für drei bis vier Tore gut“, sagte Bon Hanning, der stellvertretende Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). „Das Endspiel um die WM-Qualifikation haben wir uns erkämpft.“ Auch Heuberger setzt auf den Magdeburg-Effekt: „Das Match ist offen. Wir müssen noch einige Dinge verbessern, und dann bin ich mir sicher, dass wir mit unseren Fans im Rücken in Magdeburg ein richtig gutes Spiel erleben und die Polen bezwingen.“

Im Herrenkrug-Parkhotel arbeitet die DHB-Auswahl ab heute akribisch an Form und Fitness. „Wir analysieren dieses Duell exakt und hoffen, dass wir das Feld als Gewinner verlassen“, sagte der fünffache Torschütze Michael Kraus. „Wir gehen mit breiter Brust ins Rückspiel.“

In Gdansk feuerten die meisten der 10 371 Gäste die Polen leidenschaftlich an. Sie verwandelten die Halle phasenweise in einen Hexenkessel. „Die Stimmung der polnischen Fans in Danzig war unglaublich – Hut ab, dass wir da wieder zurückgekommen sind“, lobte Kraus die Zuschauer ebenso wie die eigene Mannschaft. Er warnte aber davor, das trügerisch gute Ergebnis als halbe Miete für die WM-Teilnahme zu werten: „Das ist natürlich ein sehr gefährliches Resultat, aber die Polen müssen sich größere Gedanken machen als wir.“ (dpa)