merken
PLUS Görlitz

"Der Handel lebt vom Zentrum und der grünen Wiese"

Der Aktionsring versucht seit 25 Jahren, Görlitz als Einkaufsstadt zu etablieren. Jetzt gibt es neue Initiativen. Wie reagiert der Verein?

Frank Reimann in seinem Geschäft auf der Hospitalstraße: Er setzt auf gute Zusammenarbeit von Innenstadthandel mit dem Neißepark.
Frank Reimann in seinem Geschäft auf der Hospitalstraße: Er setzt auf gute Zusammenarbeit von Innenstadthandel mit dem Neißepark. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Mit der City Initiative ist ein neuer Verein angetreten, um der Görlitzer Innenstadt neues Leben einzuhauchen. Das versucht der Aktionsring bereits seit September 1994. Damals gründeten 40 Einzelhändler in der Innenstadt den Verein. Bis zu 58 Mitglieder hatte er in Spitzenzeiten, heute ist es nicht einmal mehr als die Hälfte. Wie steht der Aktionsring zur City Initiative? Konkurrenz oder Zusammenarbeit? Was ist mit der Weihnachtsmeile? Die SZ sprach mit Frank Reimann vom Vorstand des Aktionsringes.

Herr Reimann, wird es einen Lichterglanz und die Weihnachtsmeile des Aktionsringes geben?

Anzeige
Lebensgefühl abseits vom Großstadttrubel
Lebensgefühl abseits vom Großstadttrubel

Blogger aus dem UnbezahlbarLand: Warum sie anderen davon erzählen wollen, dass ihre Heimat einfach unbezahlbar ist.

Während der jüngsten Mitgliederversammlung wurde beschlossen, das wir beides beantragen. Aber ob die Veranstaltungen genehmigt werden und wenn ja unter welchen Bedingungen, ist offen.

Konkurrenz für die Weihnachtsmeile der Händler? Die Stadt will auf dem Postplatz einen zweiten Weihnachtsmarkt aufbauen. So könnte er aussehen.
Konkurrenz für die Weihnachtsmeile der Händler? Die Stadt will auf dem Postplatz einen zweiten Weihnachtsmarkt aufbauen. So könnte er aussehen. © Foto/Zeichnung: Gerd Weise

Verkaufsoffene Sonntage sind ausgefallen.

Wir werden sie nicht nachbeantragen, weil wir denken, dass es sich für die Händler derzeit wirtschaftlich nicht lohnt. Shoppen mit Maske ist für viele Kunden anstrengend. Zudem gibt es Kurzarbeit, die Arbeitslosigkeit steigt - es ist keine gute Zeit, um einfach mal zu einem entspannten Einkaufsbummel aufzubrechen, auch wenn der Einzelhandel gute Umsätze nötig hat .

Während der vergangenen Mitgliederversammlung des Aktionsringes hat sich der neue Verein City Initiative bei Ihnen vorgestellt. Wie kam das?

Die City Initiative hatte per E-Mail angefragt und angekündigt, mit dem Aktionsring zusammenarbeiten zu wollen. Nach der Vorstellung im Vorstand haben wir die Vertreter und die neue City-Managerin zur Mitgliederversammlung eingeladen, damit sich alle Mitglieder selbst ein Bild machen können.

Braucht Görlitz einen weiteren Handelsverein?

Ziel des Aktionsringes ist ganz klar ein tätiger Handelsverein für die Stadt. Es besteht Kontakt zum Verein Grenzenlos. Wir bieten den Mitgliedern an, in den Aktionsring einzutreten. Außerdem wurde durch die Mitgliederversammlung dem Vorstand als Aufgabe gegeben, innerhalb der nächsten sechs Monate mit der City Initiative zu sprechen. Ziel der Gespräche könnte eine Verschmelzung der Vereine sein.

Der Aktionsring hat eine gewisse Tradition in Görlitz. Besteht nicht die Gefahr, das er in der City Initiative sang- und klanglos verschwindet?

Das stimmt, der Aktionsring hat sich ein gewisses Gewicht aufgebaut. Wir haben mit wenigen Mitteln in den vergangenen Jahren viel gestemmt. Bei der City Initiative mit Vertretern aus der Immobilienbranche ist sicher mehr Geld für Aktionen vorhanden. Aber: Wenn es eine Verschmelzung gibt, dann auf der Basis zweier gleichberechtigter Vereine. So sieht die Mitgliederversammlung das. Wir wollen unsere Ziele nicht aufgeben. Wenn auf der jüngsten Mitgliederversammlung etwas anderes beschlossen worden wäre, hätte ich persönlich noch am selben Abend mein weiteres Engagement für die Ziele des Vereins überprüft.

Und wenn es nicht zu einer Einigung kommt, so wie sie sich der Aktionsring vorstellt?

Dann wird sich der Aktionsring gemäß Beschluss der Mitglieder nicht auflösen, sondern  bis zur Neuwahl weiter bestehen. Im Übrigen hängt auch unsere anstehende Vorstandswahl vom Ausgang der Gespräche ab.

Inwiefern?

Die Vorstandswahl ist jetzt erst einmal ausgesetzt, um das Ergebnis der Gespräche mit der City Initiative abzuwarten. Das ist rechtlich möglich, eigentlich wäre die Vorstandswahl jetzt fällig. Wenn es keine Verschmelzung der Vereine gibt, steht dringend die Wahl eines wirklich neuen Vorstandes an. 

Sie betonen das so?

Der Vorstand muss sich verändern. Viele Mitglieder sind teilweise bereits Gründungsmitglieder des Vereins. Sie haben ein Lebenswerk vollbracht. Es ist aber sehr schwierig, die Jugend einzubinden. Es ist uns nicht gelungen, junge Leute, die sich mit mit ihren Geschäften etabliert haben, wie etwa auf der Jakobstraße, in den Verein zu holen, geschweige denn in den Vorstand.

Noch mal zurück zur City Initiative. Sie sieht den Neißepark eher als Konkurrenz für den Innenstadthandel. Der Aktionsring betont hingegen die gute Zusammenarbeit.

Daran halten wir fest. Wir bringen gute Kontakte zum Außenbereich, nicht nur zum Neißepark mit. Unser Ziel ist weiterhin eine intensive Zusammenarbeit. Wir sehen die Stadt als Ganzes, die Innenstadt nicht abgekapselt als ein extra Einkaufsbereich. Eine meiner Ideen: Wer im Neißepark einkauft, bekommt ein 30-Minuten-Gratisparkticket für die Innenstadt. Dann ist es unser Geschick, hier einen Kunden daraus zu machen. Im Übrigen hat der Aktionsring ja auch Unterstützer von der sogenannten "grünen Wiese".

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz