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Handel in Niesky braucht Anreize

Die Stadt braucht den Händlerstammtisch, sagt Drogist Jörg Franke.

© André Schulze

Von Jörg Franke

Was können und was müssen Nieskyer Händler unternehmen, damit sich die Situation verbessert statt verschlechtert? Die von der Stadt Niesky in Auftrag gegebene Handelsstudie hat einige Diskussionen entfacht. Mittlerweile gibt es eine ganze Zahl an Händlern, die sich an einem Händlerstammtisch treffen wollen. Drogist Jörg Franke ist einer von ihnen, die sich Gedanken machen und etwas bewegen wollen. Gemeinsam mit Modehändlerin Martina Neumann kann er sich vorstellen, den Händlerstammtisch zu organisieren. Im folgenden Jörg Frankes Gedanken zum Thema Handel in Niesky:

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Seit einigen Wochen wird die neueste Handelsstudie für Niesky thematisiert. Zunächst: Es ist schade, dass deren Vorstellung nicht vor der breiten Öffentlichkeit oder zumindest vor allen Händlern stattfand. Oder habe ich die Einladung dazu übersehen? Für die Stadt mag so eine Bestandsaufnahme ganz interessant sein, auch für die Händler – wenn Niesky mal mit fremden Augen gesehen wird. Wie schnell entsteht Betriebsblindheit.

Trotzdem wird es nicht gelingen, durch mehr Cafés, Ruhebänke und die Sperrung des Zinzendorfplatzes für den Fahrzeugverkehr die Handelslandschaft in Niesky nachhaltig zu verändern. Schließlich ist vieles historisch gewachsen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch die Brüdergemeine entschieden, ob sich ein Händler oder Handwerker in Niesky niederlassen durfte. Das diente dem Schutz der einheimischen Wirtschaft. Nachdem der preußische Staat die Gemeindeverwaltung per Gesetz reformierte, bestand Niederlassungsfreiheit. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich aber das Gewerbe in den umliegenden größeren Städten bereits weit entwickelt, Görlitz hatte zum Beispiel schon sein Kaufhaus. Somit sind es die Einwohner seit Generationen gewohnt, in die umliegenden Städte zum Einkaufen zu fahren.

Waren es früher Görlitz, Bautzen oder Löbau sind heute Mega-Zentren wie Cottbus, Dresden, Berlin oder Leipzig das Ziel der Wünsche. Solchem großflächigen Einzelhandel hat Niesky nichts entgegen zu setzen. Niesky bleibt der Ort, wo man seine Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs kauft. Für alle anderen Sortimente ist die Kundenzahl zu klein, der Warenumschlag zu gering und somit ist der Händler nur schwer in der Lage, ein aktuelles, breites und tiefes Warensortiment zu besten Konditionen zu führen. Wichtig wären Maßnahmen seitens der Verwaltung, die verhindern, dass die Handelslandschaft noch weiter ausgedünnt wird. Natürlich kann die Stadt nicht auf Gebühren und Steuern verzichten – aber es gibt Spielräume, und die sollten im Sinne der Gewerbetreibenden ausgenutzt werden. Das schafft Anreize, bestehende Gewerbe zu übernehmen und weiterzuführen und fördert die Neuansiedlung.

Ein Punkt wären auch die Stromkosten. Warum zahlt eigentlich ein Gewerbetreibender mehr für seinen Strom als ein privater Abnehmer, der im gleichen Haus wohnt? Schließlich führt nur ein Kabel ins Haus. Hier sind die Stadtwerke gefragt, ein attraktives Angebot zu machen. Dann sollte es für die Händler eine Frage der Ehre sein, den Strom im Ort zu kaufen. Das nutzt wieder allen. Für solche und andere Fragen wäre ein Händlerstammtisch genau richtig. Bei der ganzen Diskussion um die Handelsstudie ist der Kunde viel zu kurz gekommen. Hat denn einmal jemand gefragt, was die Kunden in Niesky schön oder nicht so schön finden, was sie sich wünschen? Sicher werden die Händler auf solche Aussagen gerne und schnell reagieren.

Ein großes Potenzial liegt auch im Tourismus. Niesky und seine Umgebung haben hier sehr viel zu bieten. Deshalb gilt es, ein Konzept zu erarbeiten, wie sich Niesky präsentieren will. Dann muss diese Region vermarktet werden, damit die Touristen kommen. Sich zusätzlich an deren Bedürfnissen zu orientieren und sie dazu zu bewegen, bald einmal wieder zu kommen – das bringt Gewinne, die dem Gewerbe und der Stadt zugute kommen. Immer wieder wird thematisiert, irgendwelche „Events“ zu veranstalten, um die Kunden nach Niesky zu locken. Weniger ist mehr. Statt Winzerfeste oder Suppenkoch-Meisterschaften, die weniger als gar nichts mit Niesky zu tun haben, sollte die Konzentration auf ein oder zwei Höhepunkte erfolgen. Das Dampfmaschinenfest wäre so ein Ereignis.

Zur Erinnerung: Dampfmaschinen und sogar Dampflokomotiven wurden bei Christoph und Unmack gebaut… Das Fest ist nun groß genug geworden, um die Stadt mit einzubeziehen – nicht nur durch einen verkaufsoffenen Tag. Auch das Stadtfest im Herbst wäre sicher noch ausbaufähig, könnte unter ein Thema gestellt werden, welches die Einzigartigkeit Nieskys herausstellt. Für diese Vorhaben ist eine Zusammenarbeit mit Tourismusexperten notwendige Voraussetzung. Als allererster kleiner Schritt wäre es vielleicht notwendig, die Öffnungszeiten zu harmonisieren – sicher schwer für Ein-Händler-Betriebe, aber vielleicht gelingt es doch, bestimmte Kernöffnungszeiten zu vereinbaren, zu denen der Kunde garantiert alle Geschäfte geöffnet vorfindet. Gemeinsame Gutscheine oder auch gemeinsame Rabattaktionen sind sicher auch kleine Schritte, welche die Kunden gern annehmen.

Jörg Franke ist 60 Jahre alt, Drogist und

Reformhausfachberater sowie seit 1986 Inhaber

der Mohrendrogerie in Niesky.