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Handtaschenräuber kommt glimpflich davon

Der Richter am Landgericht in Bautzen reduziert die Haftstrafe für einen 27-jährigen Bautzener. Dabei war der Mann gerade erst aus dem Gefängnis geflohen.

Das Landgericht beschäftigt sich jetzt mit dem Fall.
Das Landgericht beschäftigt sich jetzt mit dem Fall. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. „Wie gesagt.“ Diese Worte wiederholt der 27-Jährige pausenlos. Jeden Satz leitet der Angeklagte damit ein. Gesagt hat er tatsächlich viel. Er wurde von der Polizei zur Tat befragt, er beschrieb den Tathergang einer Richterin am Amtsgericht. Und weil er gegen ihr Urteil Berufung eingelegt hat, muss er nun im Saal des Landgerichtes erneut schildern, was im Februar 2017 an der Kaufhalle Ost in Bautzen passierte.

Der Angeklagte spricht davon, dass er damals mit einem Freund unterwegs war. Er erklärt, die beiden hätten gesehen, wie eine alte Frau mit Handtasche allein in eine Seitenstraße einbog. Der Bautzener gibt zu, dass er die erbeutete Handtasche entgegennahm, sie in seinen Rucksack steckte und wegrannte. Schwammig wird es, wenn er gefragt wird, was in den Minuten dazwischen geschah. Der Polizei erzählt er, er habe beobachtet, wie sein Kumpel der Frau die Handtasche abnahm. Es sei zu einer Rangelei gekommen. Vor dem Landgericht sagt er jedoch, er habe weit entfernt gestanden und den Vorfall gar nicht sehen können. In einer Version erklärt der Bautzener, die Tat des Kumpels sei nicht mit ihm abgesprochen gewesen. In einer anderen Version räumt er ein, man habe sich gemeinsam Geld besorgen wollen. Zunächst erklärt er, er habe damals genügend verdient. Nur sein Kumpel habe Geld für eine Faschingsfeier benötigt. Später muss er zugeben, dass er doch einen Teil der Beute für sich nutzen und Drogen kaufen wollte.

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Raub hat seelische Wunden hinterlassen

Fest steht: Die damals 76 Jahre alte Frau fiel zu Boden, als ihr die Tasche entrissen wurde. Mit dem Hinterkopf schlug sie auf dem Pflaster auf. Weil sie nicht aufstehen konnte, schrie sie laut um Hilfe. Ein Ehepaar hörte die Seniorin, half ihr und rief die Polizei. Im Krankenhaus wurde die Frau versorgt. Der Vorfall hat auch seelische Wunden verursacht. In einer Stellungnahme ihrer Ärztin heißt es, dass sie sich seither kaum noch aus ihrer Wohnung traue.

Der 27-jährige Angeklagte wird im Gerichtssaal von Polizisten überwacht. Seit Monaten sitzt er im Gefängnis. Das Amtsgericht in Bautzen hat ihn wegen des Handtaschenraubes zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Sein Kumpel, der die Handtasche vom Arm der Frau riss, kam mit einem milderen Urteil davon. Weil er zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war, soll er eine Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verbüßen. Gegen die Entscheidung legten beide Männer Berufung ein. Doch weil der jüngere Angeklagte darauf wieder verzichtete, muss sich das Landgericht nur mit dem älteren beschäftigen.

Der Staatsanwalt ist sich sicher: Das Urteil von damals ist gerechtfertigt. Die Aussagen des Angeklagten bezeichnet er als „Larifari“. Ein echtes Geständnis kann er nicht erkennen. Der Staatsanwalt betont, er habe keinen Zweifel daran, dass die Männer gemeinsam handelten. Zusammen habe man sich ein wehrloses Opfer gesucht. Negativ rechnet der Staatsanwalt dem Angeklagten auch an, was danach passierte. Erst vor ein paar Tagen  war der 27-Jährige dabei erwischt worden, wie er Drogen ins Gefängnis schmuggeln wollte. Daraufhin floh er aus dem offenen Vollzug in Bautzen. Später wurde er von der Polizei geschnappt.

Auch Richter Friedrich-Leopold Graf zu Stolberg zweifelt nicht daran, dass es sich um einen gemeinsamen Handtaschenraub handelt. Da sich die Männer vorher abgesprochen haben, müsse man den Angeklagten auch für die Tat des Kumpels mitbestrafen. Zudem sei der Angeklagte bereits mehrfach vorbestraft. Trotzdem mildert der Richter das Urteil ab. Nur noch zwei Jahre und sechs Monate soll die Haftstrafe für den 27-Jährigen andauern. Es handele sich um einen minderschweren Fall, weil die Beute gering war, so Stolberg. Positiv wirkt sich für den Angeklagten aus, dass das Verfahren so lange gedauert hat. Auch seien die Verletzungen der Frau nicht die Schwersten gewesen, so der Richter.

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