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Handwerk mit Biss

Zahntechniker Steffen Hinzer kümmert sich um den Berufs- nachwuchs. Die Agentur für Arbeit hat das jetzt gewürdigt.

© hübschmann

Von Harald Daßler

Es ist wohl eher einem Zufall zu verdanken, dass Stella Kügler hier arbeitet, im Dentallabor. „Mir ist es vor allem in der Berufsschule schwergefallen“, berichtet die 25-jährige Meißnerin. Nur kurz blickt sie hoch, während sie an einem künstlichen Kiefer überprüft, ob die gerade angefertigte Metallkrone auch richtig passt, die modellierten Zähne samt neuer Krone im Biss auch zusammenfinden. Immer wieder nimmt sie einen Bohrer zur Hand, mit dem sie hundertstel Millimeter von dem metallenen Backenzahn wegfräst.

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"Was hast du zu essen mit, Mama?"
"Was hast du zu essen mit, Mama?"

Kaum sind die ersten Meter zurückgelegt, ertönt lautstark diese Frage. Denn so schön das Wandern ist, ohne Picknick ist der Spaß nur halb so groß.

Eigentlich wollte sie die Zahntechniker-Lehre schmeißen, sagt Stella, die bereits eine Ausbildung zur Glasbläserin absolviert hatte. Da bekam sie an der Berufsschule einen Tipp. Steffen Hinzer hatte sich dort gerade gemeldet, weil in seiner Zahntechnik-Firma einer der neuen Azubis seine Lehrstelle nicht angetreten hatte. So setzte Stella ihre Ausbildung fort, den praktischen Teil absolvierte sie bei der Three Point Dental GmbH & Co Zahntechnik Hinzer KG in Meißen. Ende Februar hat Stella die zweieinhalbjährige Ausbildung beendet. Ihr Ehrgeiz, auch die Berufsschule zu schaffen, hat ihn beeindruckt, berichtet der Chef. Auch deshalb hat er Stella in seiner Meißner Werkstatt übernommen. Die beiden anderen Lehrlinge des Jahrgangs, die jetzt ihren Berufsabschluss als Zahntechniker in der Tasche haben, gehören ebenfalls zu Steffen Hinzers 20-Mann-Team, das außer in der Görnischen Gasse 22 auch in Coswig und in Dresden ansässig ist.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt die junge Zahntechnikerin und bringt auch auf den Punkt, was sie von ihrem Arbeitsalltag und den Kollegen hält. Der Zahntechniker-Job erfordert handwerkliche Fähigkeiten, Präzision, Geduld. Auch das Lernen aus Fehlern gehört dazu. Das alles habe ihr Meister Steffen Hinzer in der praktischen Ausbildung vermitteln können.

Wegen seiner Verbindungen von handwerklichen Fertigkeiten und dem Beherrschen modernster Computertechnologien – etwa beim Arbeiten nach gescannten Vorlagen für Kronen oder Inlets, die der Zahnarzt dem Dentallabor liefert – bietet der Zahntechniker-Beruf eine gute Grundlage für andere Berufe, sagt Steffen Hinzer. Angesichts der demografischen Entwicklung hat das auch unangenehme Folgen. Steffen Hinzer zählt das Abwerben von guten Leuten dazu. Deshalb liegt ihm das Kümmern um den Nachwuchs im Beruf und in der Firma sehr am Herzen. Neben Bemühungen, über Schülerpraktika oder Ferienjobs in Kontakt mit potenziellen Anwärtern für die Zahntechniker-Lehre zu kommen, setzt er jetzt auch auf die Ausbildung junger Leute aus EU-Ländern.

Steffen Hinzers Bemühungen um seine künftigen Fachkräfte sind vorbildlich. Die Agentur für Arbeit würdigt ihn mit einem Zertifikat für Nachwuchsförderung, das sie seit 2005 an ausgewählte Betriebe in der Region übergibt. Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung der Riesaer Agentur Thomas Berndt gestern bei der Übergabe des Zertifikats betonte, schätzt er neben dem Engagement Hinzers vor allem, dass die Auszubildenden in seinem Unternehmen einen festen Arbeitsplatz erhalten.

Während der Woche der Ausbildung vom 7. bis zum 11. April, in der die Arbeitsagenturen bundesweit die Aufmerksamkeit von jungen Leuten, deren Eltern ebenso wie der Unternehmen auf die berufliche Ausbildung lenken, sollen weitere drei Unternehmen im Landkreis mit einem Ausbildungszertifikat gewürdigt werden.