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Handwerker trotzen Corona

Sie gehören fast alle zur Risikogruppe. Doch ihr Handwerker- und Dreschfest lassen sich die Schleinitzer nicht vermiesen.

Gerhard Röder vom Förderverein Schloss Schleinitz hält das Schmiedefeuer am Lodern.
Gerhard Röder vom Förderverein Schloss Schleinitz hält das Schmiedefeuer am Lodern. © Jürgen Müller

Nossen. Der Lommatzscher Hartmut Oefner ist 76 Jahre alt. Er ist gesund und munter, so wie alle seine Mitstreiter vom Förderverein Schloss Schleinitz. Lange haben die rund 70 Frauen und Männer um ihren Saisonhöhepunkt wegen der Coronakrise gebangt. Doch während beispielsweise Lommatzsch seinen traditionellen "Lummscher Krautmarkt" zeitig abgesagt hat, haben die Handwerker nicht aufgegeben, immer an ihr Fest geglaubt, es Woche für Woche in zahllosen Stunden vorbereitet. Am Sonntag, dem 6. September, steigt es nun wie geplant, wenn auch unter Auflagen und mit Einschränkungen.   "Wir sind sehr froh, dass unser Hygienekonzept gebilligt wurde", sagt Hartmut Oefner. Bedenken hat er keine, obwohl die große Mehrheit der Handwerker die 70 längst überschritten hat, sie also zur Risikogruppe zählen. "Wir haben keine Angst,  uns mit Corona zu infizieren, zumal niemand von uns irgendjemanden kennt, der das Virus in sich trägt", sagt er. 

Dennoch muss sich der Verein an die Vorgaben halten. In den vergangenen Tagen haben die Vereinsmitglieder akribisch rot-weiße Linien auf dem Fußboden aufgeklebt, die die einzuhaltenden Abstände markieren. Es gibt einen vorgeschriebenen Rundgang durch das Museum, Eingang und Ausgang sind getrennt, so dass sich die Leute nicht begegnen.  Im Museum selbst besteht für die Besucher Maskenpflicht, im Außengelände nicht. Doch auch hier müssen die Abstände eingehalten werden. Desinfektionsmittel stehen an den Eingängen bereit. Es wird beispielsweise Erbseneintopf und Thüringen Rostbratwurst geben, die Tische sind aber so gestellt, dass sie nur an einer Seite besetzt werden können. 

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Die Fachmesse "all about automation" findet am 23. und 24. September 2020 in Chemnitz statt - mit einem umfassenden Hygienekonzept.

Der Handwerker- und Dreschtag findet am Sonntag von  10 bis 18 Uhr statt.  Ausgestellt wird alte und neue Erntetechnik, es gibt einen kleinen Bauernmarkt. "Dabei haben wir bewusst von jedem Gewerbe wie Bäcker, Fleischer, Imker nur einen Anbieter", sagt Hartmut Oefner. In den  historischen Werkstätten werden alte Handwerkstechniken gezeigt. Um 13 und 15 Uhr wird vorgeführt, wie zu früheren Zeiten das Getreide gedroschen wird.  Ein weiterer Höhepunkt ist um 14.30 Uhr eine vom Kreisjagdverein Meißen veranstaltete Vorführung von Jagdhunden im Schlossgraben. Es gibt auch Vorführungen der Waschweiber, Federnschleißen und eine Oldtimerschau. Bei einer Tombola gibt es keine Nieten, jedes Los gewinnt ein landwirtschaftliches oder gärtnerisches Produkt. Gesponsert  werden diese Preise von Unternehmen der Region. Um 14 Uhr gibt es eine kleine Erntedankandacht auf dem Schlossgelände.

 Besonders viele Angebote gibt es für Kinder, wird doch seit zwei Jahren keine Kindertagsveranstaltung mehr durchgeführt. "Wir haben insgesamt 21 Kinderfeste gemacht, aber jetzt reicht die Kraft für zwei solch große Veranstaltungen im Jahr nicht mehr. Zumal kamen weniger Kinder, weil Schulen und Kindereinrichtungen auf den Dörfern geschlossen wurden", sagt Hartmut Oefner.

Die Veranstaltung wurde für 1.000 Besucher genehmigt. Hartmut Oefner und seine Mitstreiter wären glücklich, wenn so viele Leute kämen. Die Besucherresonanz bei den sonntäglichen Öffnungszeiten des  Museums waren eher mau. "An einem Sonntag kamen mal 14 Leute. Das war der Rekord. Viele lassen sich leider von der Maskenpflicht abschrecken", sagt der 76-Jährige und hofft, dass das an diesem Sonntag anders wird, zumal viele Veranstaltungen im Freien stattfinden. 

Ganz gesund sind allerdings doch nicht alle Vereinsmitglieder. So musste der Schuhmacher krankheitsbedingt absagen.  Doch es wurde jemand gefunden, der mehr als nur Ersatz ist. Andreas Schurig aus Lommatzsch ist spontan eingesprungen. "Ich habe ihn angerufen und er war sofort bereit,obwohl er etwas anderes vorhatte", sagt Hartmut Oefner. Er freut sich auch über etwas anderes. Denn mit dem  23-jährigen Timo Löw konnte ein neues und vor allem junges Vereinsmitglied gewonnen werden. Er hat die Tischlerei vom 78-jährigen Günter Kämpfer übernommen.  

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Auch nach dem Handwerker- und Dreschfest geht es in Schleinitz in diesem Jahr noch weiter. Das Museum ist bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. 

Handwerker- und Dreschfest am Sonntag, dem 6. September, von 10 bis 18 Uhr auf dem Gelände des Schlosses Schleinitz. Eintritt: Erwachsene fünf Euro, Kinder ab sechs Jahre 2,50 Euro.

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