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Handyhandschuh aus Radebeul für Skifahrer

Hans-Walter Praas hat die Elektronik für das Hightech-Kleidungsstück entwickelt. Derzeit übersteigt die Nachfrage das verfügbare Angebot.

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Von Lars Müller

Mit einem Spezial-Handyhandschuh will die Texsys GmbH aus Radebeul die Skipisten weltweit erobern. Noch verdient Erfinder Hans-Walter Praas aus Radebeul seinen Lebensunterhalt als Experte für Handyakkus bei einem Mobilfunk-anbieter. Demnächst könnte der promovierte Chemiker und studierte Physiker mit seiner eigenen Firma, der Texsys, aber voll durchstarten. Der von ihm entwickelte Handyhandschuh für Skifahrer ist serienreif, sagt der zweifache Familienvater stolz.

Auf der Sportartikelmesse Ispo Winter in München konnte sich Praas vor interessierten Brettlfans kaum retten. „Viele wollten wissen, wo sie den Handschuh kaufen können“, sagt der Erfinder.

Der Handyhandschuh wird über Bluetooth drahtlos mit dem Mobiltelefon verbunden. Im Daumen des Handschuhs sind ein Mikrofon und ein Kopfhörer integriert sowie Tasten zur Gesprächsannahme und zum Auflegen. Teure Mobiltelefone können sicher im dicken Skianorak bleiben. Klingelt jemand an, vibriert der Handschuh. Pro Paar ist immer nur ein Handschuh mit der Technik ausgestattet.

Bisher existieren erst zehn Paar einer Vorserie, die fast alle von der Handschuhfirma Swany getestet werden, mit der Praas kooperiert. Noch stehen der Produkttest des Handschuhherstellers und ein technisches Gutachten zur Funkverträglichkeit aus. Danach soll aber die Serienproduktion mit zunächst 500 Paaren bis zur kommenden Saison starten.

In den Läden wird die Radebeuler Erfindung voraussichtlich erst im Winter 2009/10 zu haben sein. Mindestens 5000 Paare Handy-handschuhe sollen an kommunikative Skihasen in der ersten vollen Saison verkauft werden. Dann schreibt Texsys schwarze Zahlen.

Später hofft Praas darauf, dass 30 Prozent aller Pistenfans mit Handyhandschuhen unterwegs sind. Das entspräche dem Anteil der Mobiltelefonierer, die derzeit ein Headset benutzen. In der Anfangszeit werde die Hightech-Ausrüstung etwa 250 Euro kosten, so Praas. Später ist eine Preisreduktion auf 100 Euro geplant, kalkuliert der Tüftler. Die Zielgruppe der ersten Saisons sind vor allem Geschäftsleute, die auch auf der Piste erreichbar sein müssen sowie an Lifestyle interessierte Menschen, die Neuheiten immer sofort selbst ausprobieren wollen. Auch die Snowboard-Szene signalisiert Interesse an dem Produkt.

Ehefrau liefert die Idee

Die Idee für den Handyhandschuh geht mit auf die Frau des Erfinders, Susanne Praas, zurück. Die beiden Eheleute sind begeisterte Skifahrer, allerdings mit unterschiedlichem Tempo. „Das Verabreden eines Treffpunktes auf der Piste war immer schwierig“, so Susanne Praas. Mal fiel das Handy in den Schnee und war gestört, mal klingelte es unbemerkt in der dicken Jacke. Der Handhandschuh schafft Abhilfe.

Texsys plant für den Sommer noch spezielle Handyhandschuhe für Radler sowie für den Ganzjahreseinsatz im Bereich Sicherheit und Katastrophenschutz.

Parallel zum Handyhandschuh hat Praas eine Multi-Media-Jacke entwickelt, die bis zur nächsten Winter-Ispo serienreif sein wird. Das Modell hat eine integrierte Kamera mit Speicher, ist zunächst ebenfalls für Snowboarder und Hobbyfilmer gedacht. Später will der Radebeuler auch die Videojacke für die Sicherheitsbranche optimieren. Mit der Kamera könnte die Arbeit von Einsatzkräften oder Kontrollpersonal erleichtert werden und eine permanente Verbindung zu Leitstellen bestehen.

Das MDR-Fernsehen stellt heute ab 19.50 Uhr die kleine Entwicklerfirma aus Radebeul in der Sendung „Einfach genial“ vor.