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Hanomag-Startbahn reicht bis zur Elbe

Technik. Wer Oldtimer hegt und pflegt, braucht Liebe zum Detail und Geduld. Rudolf Preuß aus Stadt Wehlen hat besonders viel davon.

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Von Oksana Diana StolundDaniel Spittel

Oldtimer sind faszinierend – ganz egal, ob man sie restauriert, mit ihnen Rennen bestreitet, Ausfahrten macht, sie sammelt oder sie einfach nur mag – wie der Oldtimerfan Rudolf Preuß aus Stadt Wehlen. Der 75-Jährige nutzt jetzt die schönen Tage im Jahr für Ausfahrten mit seinem geliebten Hanomag Cabriolet, Baujahr 1924.

Fachleuten ist dieses Auto unter dem Begriff „Kommissbrot“ bekannt. Der Name bezieht sich auf die Form dieses Automobils, das als erster deutscher Kleinwagen in den Zwanziger Jahren das Fließband verließ. Das Auto erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von immerhin 60 Stundenkilometern. Der nur 370 Kilogramm schwere Zweisitzer war so schmal, dass nicht mal zwei Scheinwerfer Platz fanden. Erst ab 1931 schrieb ein Gesetz die Umrüstung auf zwei Scheinwerfer vor. Auch die sonst üblichen Kotflügel und Trittbretter fehlten. Aus Gründen der Stabilität hatte das rechtsgelenkte Fahrzeug nur auf der linken Seite eine Tür. Bis 1928 wurden davon fast 16 000 Stück produziert.

Dieses relativ einfache, doch für seine Zeiten moderne Fahrzeug, ist nur eines von mehreren, das der begabte Wehlener Autobastler restauriert hat – allerdings nicht ganz ohne Tücken.

Da der Startvorgang mit einem Hebel, der von Laien auch für einen Handbremshebel eines moderneren Fahrzeuges gehalten werden kann, relativ mühsam ist, wollte sich Preuß durch Anrollen – ein Stück die Straße hinunter – den Start erleichtern. So richtig kam der Oldi diesmal aber nicht in Gang. Vermutlich war die Zündung falsch justiert. Der Hanomag rollte und rollte bis in Elbnähe, sprang aber nicht an. Rudolf Preuß war mit seinem Latein am Ende. Wie sollte er seinen Hanomag nun wieder nach Hause, hinauf in Richtung Dorf Wehlen, bekommen?

Just in dem Augenblick kam der SZ-Fotograf dazu. Kurzerhand zogen sie das Oldtimer-Stück den Berg hinauf. Wieder daheim, rückte Rudolf Preuß dem bis dahin faulen Einzylinder-Viertaktmotor zu Leibe. Mit Erfolg. Er tuckert wieder.

Der zehn PS starke Wagen fuhr bereits quer durch das ganze Land und über die Grenze hinaus. Eine Fahrt nach Zittau und von dort auf die Insel Rügen war eine der längeren Inland-etappen. „Ich war auch schon in Paris, Bordeaux, Madrid und in Belgien“, sagt Preuß. Langweilig wird es also nicht. Und so schnell vergessen wird Preuß auch kein Erlebnis. Schließlich hängen zahlreiche Urkunden und Pokale in der Garage des stolzen Autobesitzers.