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Hanseat im Gipfelglück

Hans Hansen wuchs an der Küste auf, die Wende verschlug ihn ins Sächsische. Hier singt er in einem besonderen Chor.

Ein Hamburger im Bergsteigerchor: Hans Hansen lebt heute in Pesterwitz und hat in der Sächsischen Schweiz sein Gipfelglück gefunden.
Ein Hamburger im Bergsteigerchor: Hans Hansen lebt heute in Pesterwitz und hat in der Sächsischen Schweiz sein Gipfelglück gefunden. © Andreas Weihs

Nein, das Meer vermisse er nicht. Und auch nicht Hamburg, die Weltstadt nahe der Nordsee, in der er 38 Jahre lebte. Keine Möwen, kein Fischgeruch, keine großen Schiffe – Hans Hansen lobt dafür das sächsische Elbtal und Dresden. „Es besticht mit viel Kultur, wunderbarem Panorama und herrlichen Bauten, gemütlichen Kneipen und einer einmalig schönen Umgebung.“ So schön, dass aus einem ursprünglich geplanten dreimonatigen Aufenthalt in der Landeshauptstadt ein lebenslänglich wurde. Und aus dem Hanseaten ein Sachse, der dem Nordseestrand die Sandsteinberge der Sächsischen Schweiz bevorzugt. Das Gipfelglück besingt er nun seit vielen Jahren im Bergsteigerchor Kurt Schlosser.

Hans Hansen – in Hamburg-Altona geboren – kam 1991 nach Dresden. Der jetzt 62-jährige Diplom-Kaufmann folgte einer Bitte seines Arbeitgebers, um nach der Wende für ein Vierteljahr im Finanzbereich bei der Kreditvergabe zu helfen.

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Der Finanzfachmann fand schnell Gleichgesinnte „von hüben und drüben“ im Freundeskreis Dresden-Hamburg, lernte seine Frau beim Dixieland kennen und lieben, kam 1997 von Dresden-Kleinzschachwitz nach Freital-Pesterwitz und bezog 2002 sein Einfamilienhaus am Ortsrand. „Was hier in Pesterwitz in wenigen Jahre entstanden ist, macht den Ort lebens- und liebenswert“, schwärmt er. Der Ex-Ortsvorsteher Klaus Mättig habe mit seinen Getreuen nach 1989 viel geleistet und eine Infrastruktur geschaffen, die Alt und Jung begeistert. „Viele Ehrenamtliche helfen, dass in Pesterwitz immer was los ist“.

Eigentlich sind Hanseaten als etwas wortkarg und zurückhaltend bekannt. Doch Hans Hansen liebt die Geselligkeit. Wie der Zufall spielt: 1995 feierte er mit Kollegen in Kleinhennersdorf in der urigen Hütte des Sächsischen Bergsteigerchores „Kurt Schlosser“, lernte dabei einige Sänger kennen, war von deren Herzlichkeit und frischem Gesang sehr angetan. Manch fröhlicher Trinkspruch machte die Runde: „Man darf nicht vergessen, drei Bier sind ein Essen.“ Auf seinen Kahlkopf angesprochen, sprang ihm einer zur Seite und rückte den Ulk klar: „Ein schönes Gesicht braucht viel Platz.“ Hansen erinnert sich: „Es wurde gesungen, bis die Stimme krächzte, und je später der Abend, desto roter die Lieder, auch mit einem Zwinkern im Auge.“ Es zog den damals 38-Jährigen zur Chorprobe, von seinen Hüttenbrüdern unterstützt und auch vom Chorleiter herzlich aufgenommen, wie er sich erinnert. Mittlerweile ist er 24 Jahre aktiv dabei, nennt Konzerte, Chorlager, Umzugshilfe, Wanderungen und Geselligkeit ein Erlebnis, so die erste USA-Reise des Bergsteigerchores 1998 in Dresdens Partnerstadt Columbus, das jüngste Konzert in Bad Elster, natürlich die Jahreskonzerte im neuen Kulturpalast. Hans Hansen singt viele Lieder gern, vor allem den Hymnus „Berge, ihr Berge“ und den Welthit „Sound of Silence“ – den „Klang der Stille“. Oft beginnt er den Tag mit einem Lied auf den Lippen: „Lachende Sonne, strahlender Morgen“.

Seit 2018 fungiert er mit als Chor-Schatzmeister, vertritt Geschäftsstellenleiter Steffen Breuer, kümmert sich um Ein- und Ausgaben, um den Quartalsabschluss und die Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro. Breuer – in Gombsen zu Hause und als Gitarrist und zweiter Bass aktiv – sagt über Hansen: „Er hat sich als ehrenamtlicher Schatzmeister schnell eingearbeitet, folgt dem gesunden Verstand und bringt seine Sachkenntnis ein.“ Chor-Organisationsleiter Holger Günzler, erster Tenor, über den ersten Bass Hans Hansen: „Seine Ideen sind gefragt; er äußert seine Meinung offen und ehrlich, akzeptiert auch andere Auffassungen. Opportunismus ist ihm fremd.“

Das Ehepaar Hansen trifft sich gern mit Freunden, geht in die Berge, liebt die Sächsische und Böhmische Schweiz, Südtirol und die Dolomiten, aber auch das Meer – immer mal wieder Warnemünde. Hans Hansens Wahlheimat Pesterwitz ist sein Anker. Koniferen, Zwergkiefern, wilder Wein und eine Rebe, auch viele Blumen zieren den Hausgarten. „Doch den pflegt meine Frau“, gesteht er voller Respekt. Im gemeinsamen Einfamilienhaus verweist er auf Radierungen. Die „Ellerntorsbrücke 1887“ oder „Fleet hinter dem Zippelhause 1887“ sind seine Verneigung vor seiner Geburtsstadt Hamburg. Ein bisschen Meer und Küste wird immer bleiben. (Salzmann)

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