SZ +
Merken

Harder liest „Briefe an den Mieter“

Der Autor des „Gottes-ackers“ pendelt alsTausendsassa zwischen Hamburg und Görlitz.

Teilen
Folgen

Von Ines Eifler

René Harder macht Theater. Schreibt Tag und Nacht, inszeniert, spielt. Ringt die Hände, wenn er über seinen eigenen Figuren verzweifelt, ist nur schwer zu bremsen, wenn er erklärt, wie sich Görlitzer und europäische Geschichte, die Liebe, der Tod, Ort und Zeit in seinen Szenarien treffen, und nie kommt er zur Ruhe.

Sein Stück „Der Gottesacker blüht“ wird nun im sechsten Sommer auf dem Nikolaifriedhof aufgeführt und gilt inzwischen deutschlandweit als „Kultveranstaltung des Musiktheaters“. René Harder ist nicht nur dessen Autor und Regisseur, er spielt auch die Hauptrolle – den fast selbstironisch übertrieben morbide und barocke Erscheinung Gregor Gobius, der aus Grüften steigt und schaurige Lieder singt. Harders Opernpasticcio „Perdu“ erlebte 2004 mehrere Freiluftvorstellungen in der Atmosphäre der Schlösser Bad Muskau, Rammenau und Königshain.

Der 33-jährige, in Konstanz geborene Autor hat sich gerade wieder für eine Weile in Görlitz einquartiert, um zwischen den „Gottesacker“-Aufführungen an seinem neuen Stück zu schreiben, mit dem er erneut einen Ausschnitt aus der Görlitzer Geschichte auf die Bühne bringen will: den Pönfall 1547.

Doch er tut auch anderes. Inszeniert in Hamburg, wo er mit seiner Frau und zwei Kindern lebt und wo er vor ein paar Jahren sein Regie-Studium abgeschlossen hat. Er dreht Filme, spielt Rollen in Kino, Fernsehen und Werbespots, etwa ist er im jüngsten Cabinet-Trailer zu sehen. So wie auch seine ernsthaften Theaterstücke von Witz und Leidenschaft leben, wie Harder selbst nicht nur mit Wissen und Geist beeindruckt, sondern jede Runde zum Lachen bringt, so amüsant sind auch seine „Briefe an den Mieter“, die er gemeinsam mit Niko Kratzer morgen in der Vierradenmühle liest.

Dieses Stückchen Literatur hat weder etwas mit Stadtgeschichte noch mit Barock, Theater oder verzwickten Figurenkonstellationen zu tun; mit wahren Begebenheiten und Musik dagegen sehr. Harder hat aus seinen eigenen Erfahrungen, was man als unbescholtene Familie für unsinnige Auseinandersetzungen mit ältlichen Wohnungsvermieterinnen erdulden muss, ein ganz witziges, unterhaltsames Stück gemacht – „basierend auf wahren Dokumenten“ und so authentisch, dass jeder Szenen daraus wieder erkennen und sich allein deshalb gut amüsieren wird.

Die zitierten haarsträubenden Briefe der Hamburger Dame, mit der sich die Familie das Haus teilt, sind voller unbegründeter Anfeindungen wegen vermeintlichen Mieterfehlverhaltens, strotzen vor privaten, intimen Details, denen nur intensive Bespitzelungen vorausgehen können.

René Harders Komponistenfreund Niko Kratzer allerdings hat sich einige humorvolle Lieder überlegt, in denen die Beschuldigten versöhnlich und nett zu Wort kommen und die das Gelesene musikalisch würzen. „In Hamburg haben sich zumindest alle Zuhörer immer sehr gefreut“, sagt Harder, selbst schon lachend.

Vierradenmühle, Sonntag, 17 Uhr