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Harthaer Feuerwehr braucht einen weiteren Stützpunkt

Die Stadträte diskutierenden Bedarfsplan zum Brandschutz. Der DA fragte Wehrleiter René Greif nach den Schwerpunkten.

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Herr Greif, welche Bedeutung hat der Brandschutzbedarfsplan generell und welchen speziell für eine Stadt wie Hartha?

Das Sächsische Innenministerium hat die Verwaltungen aller Kommunen seit 2006 aufgefordert, bis Ende 2006 ein solches Dokument auf der Grundlage des Sächsischen Brandschutzgesetzes zu erarbeiten. Es analysiert den gegenwärtigen Zustand der Wehren und ihre Einsatzmöglichkeiten im Brandfall. Durch das Staatsministerium wurde empfohlen, dass die Einsatzkräfte innerhalb von neun Minuten nach der Alarmierung vor Ort sein sollen, um vor allem Menschenleben zu retten. Im Brandschutzbedarfsplan wird durch die Kommune aber auch festgeschrieben, welche Technik und andere Dinge gebraucht werden, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr zu sichern. Dazu gehören auch Brandfälle in Betrieben, Einsätze in öffentlichen Gebäuden bis hin zu Verkehrsunfällen.

Welchen Part haben Sie mit Ihren Kameraden bei der Erarbeitung des Planes übernommen?

Wir haben den Ist-Zustand genau analysiert. Dazu gehörte, die Ortsteile mit einem Einsatzfahrzeug anzufahren. So haben wir ermittelt, ob wir innerhalb der geforderten 13 Minuten überall sein können.

Wie ist das Ergebnis ausgefallen?

Zuerst einmal möchte ich erklären, wie sich die 13 Minuten aufschlüsseln. Ein Brand wird bemerkt und Alarm ausgelöst. Dafür werden rund vier Minuten veranschlagt. Von der Benachrichtigung eines Feuerwehrmannes bis zu seinem Eintreffen im Depot, dem Umziehen und dem Aufsitzen auf dem Löschfahrzeug werden fünf Minuten maximal kalkuliert. Als reine Fahrzeit bis zum Eintreffen am Brandort stehen dann noch vier Minuten zur Verfügung. In diesen insgesamt 13 Minuten sind nicht alle Gebiete mit Wohnbebauung in unserem Einzugsgebiet zu erreichen. Innerhalb von 13 Minuten schaffen wir es nicht bis Langenau, Seifersdorf, Schönerstädt, ins Unterdorf von Wallbach, bis Diedenhain, Saalbach und in Teile von Aschershain. Das sollte vor allem den jeweiligen Anwohnern zu denken geben.

Wie könnte diese Situation aus Ihrer Sicht verbessert werden?

Ich denke, man sollte zum Beispiel darüber nachdenken, ob nicht ein zusätzlicher Feuerwehrstandort in einem weiteren Ort geschaffen wird. Natürlich müsste er auch mit Geräten ausgestattet werden. Außerdem wäre es mit Blick auf die Zukunft sinnvoll, einmal darüber nachzudenken, ob es uns gelingt, Feuerwehrleute in Firmen der Stadt zu integrieren, um eine Tagesbereitschaft zu sichern.

Was veranlasst Sie, auch an eine Berufsfeuerwehr für Hartha zu denken?

Seit längerer Zeit gibt es in Langenau keine Ortswehr. In Diedenhain haben wir seit Jahresbeginn keine aktiven Feuerwehrleute mehr, weil einfach nicht genügend jüngere Leute gewonnen werden konnten. Die Situation wird auch in den anderen Wehren nicht besser. Nur Hartha kann zurzeit noch von der ehemaligen Arbeitsgemeinschaft Junger Brandschutzhelfer und der Jugendfeuerwehr profitieren. Das wird an unserem Durchschnittsalter von 35 Jahren sichtbar.

Und wie ist es um die tägliche Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute bestellt? Stehen im Notfall stets genügend Kameraden zur Verfügung?

Von unseren 100 aktiven Feuerwehrleuten sind nicht alle, bedingt durch ihre Arbeit oder Ausbildung, an allen Tagen der Woche vor Ort. Als Gemeindewehrleiter stehen mir konkret in der Zeit von 6 Uhr bis 17 Uhr 23 Kameraden, in der Zeit von 17 Uhr bis 6 Uhr morgens 61 zur Verfügung. Man muss allerdings wissen, dass die meisten dieser Feuerwehrleute einer Arbeit nachgehen und nicht unbedingt jeder Arbeitgeber ausreichend Verständnis hat, wenn sein Mitarbeiter aufgrund eines Feuerwehreinsatzes nicht zur Arbeit erscheint.

Haben die Einsatze in den letzten Jahren zugenommen?

Im Jahr 2006 sind wir 16 Mal ausgerückt. 2007 hatten wir die doppelte Anzahl Einsätze.

Es fragte: Bärbel Schumann