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Harthaer Klärwerk wird teurer

Für den Aushub der Grube müssen 5.000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Ein Teil davon ist kontaminiert. Das war nicht bekannt und treibt die Preise.

Reiner Müller (rechts), Technischer Leiter beim AZV Untere Zschopau, und Polier Thomas Richter stehen vor der riesigen Baugrube im Klärwerk Hartha.
Reiner Müller (rechts), Technischer Leiter beim AZV Untere Zschopau, und Polier Thomas Richter stehen vor der riesigen Baugrube im Klärwerk Hartha. © Dietmar Thomas

Hartha. Eine riesige Baugrube tut sich auf dem Gelände Kläranlage Hartha auf. Die Menschen und Maschinen darin kommen dem Betrachter winzig vor.

In der Grube werden einmal zwei Belebungsbecken, die jeweils 13 mal 18 Meter groß sind, sowie zwei Nachklärbecken mit einem Durchmesser von jeweils 13 Metern Platz finden. Dieses gehören zum Neubau der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlage. Die Tiefe der Grube wird reichlich sechs Meter betragen. „Wir sind an die Höhe des Zulaufes gebunden. Die biologische Reinigungsstufe soll mit freiem Gefälle gebaut werden“, sagt Reiner Müller, Leiter Technik und Investitionen beim Abwasserzweckverband (AZV) Untere Zschopau.

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Aushub dauert noch zwei Wochen

Reiner Müller schätzt, dass beim Ausheben der Grube etwa 5.000 Kubikmeter Erde bewegt werden. In den nächsten beiden Wochen haben die Arbeiter noch zu tun, um die Grube auszuheben. Danach beginnen die Vorbereitungen für den Einbau der Becken. Zuvor ist das alte Schlammentwässerungsbecken abgebaut und der Hang dahinter abgetragen worden. Zudem wurden Schlammtrockenplätze beseitigt, die nicht mehr benötigt werden.

Bei einem solchen Bauwerk ergeben sich Unwägbarkeiten. Deshalb sind zwei Nachträge eingereicht worden, die eine Steigerung der Gesamtkosten um etwa 176.000 Euro ausmachen. So wurde ein belasteter Erdstoff festgestellt, dessen Entsorgung etwa 138.000 Euro teurer ist. „Wir haben letztendlich einen höheren TOC-Gehalt vorgefunden. Dafür gibt es bestimmte Grenzwerte. Werden diese überschritten, kostet die Entsorgung des Bodens mehr“, so Müller. Der TOC-Wert (Total Organic Carbon – gesamter organischer Kohlenstoff) gibt die Summe des gesamten organischen Kohlenstoffs in einer Probe an. 

Während des Baus müssen ständig Untersuchungen des Bodens vorgenommen werden, sonst wird er auf der Deponie nicht abgenommen. Der zweite Nachtrag war erforderlich, weil der Einbau der Stützmauer am Hang nicht wie geplant funktionierte. „Es sollten Spundwandprofile verwendet werden. Die ließen sich jedoch nicht in die Erde einbringen, weil der Untergrund zu hart war“, so Müller. Deshalb wurden einzelne Träger eingebaut, die zunächst mit Holz verkleidet werden. Später wird der Bereich mit einer Betonwand abgestützt.

Trotz der Schwierigkeiten liegen die Bauarbeiten im Plan, so Müller. Auch deshalb, weil es eine Änderung in der Technologie gab. Geplant war, die Gruben für die Nachklär- und Belebungsbecken jeweils einzeln auszuheben. Doch nun wird eine Grube für alle vier Becken ausgehoben.

Der Neubau der biologischen Reinigungsstufe sollte ursprünglich 5,3 Millionen Euro kosten, liegt aber nun bei knapp 5,48 Millionen Euro. Den Auftrag führen die Firmen Gunter Hüttner Bauunternehmung Chemnitz und WKS Technik Dresden aus, die das wirtschaftlichste Angebot unterbreitet hatten. „Es waren noch zwei weitere Angebote mit Preisen bis zu 7,1 Millionen Euro eingegangen“, hatte AZV-Geschäftsführerin Ina Wagner vor Beginn der Arbeiten erklärt. Die Fertigstellung ist für Herbst 2021 geplant.

Arbeiten bei laufendem Betrieb

Die Errichtung der neuen Anlage erfolgt bei laufendem Betrieb. Der Neubau ist notwendig, weil die alte Anlage aus den 1950er-Jahren verschlissen ist. Dabei handelte es sich um eine Tropfkörperanlage, die zu den ältesten Abwasserreinigungsverfahren gehört. Die neue wird eine klassische Belebungsanlage, in der das Wachstum und die Aktivität von Mikroorganismen gefördert werden, um organische Abwasserinhaltsstoffe abzubauen. Das Belebungsverfahren entspricht weitgehend der Selbstreinigung in Gewässern, wird aber durch technische Maßnahmen, wie zum Beispiel der Zufuhr von Luft oder reinem Sauerstoff, erreicht.

Nach der Biologie soll außerdem noch ein Regenrückhaltebecken gebaut werden, damit der Steinaer Bach nicht stoßweise mit zusätzlichem Wasser belastet wird. Für ihn ist nur eine Einlaufmenge von 1.800 Liter pro Sekunde genehmigt. Dieses Vorhaben ist für 2022 geplant.

In den vergangenen Jahren sind bereits die Schlammentwässerung sowie die Grobreinigung neu gebaut worden. Die Anlagen müssen einiges aushalten. Denn das Abwasser bringt so manches mit, das dort nicht hineingehört. Eine Toilettenbürste, Holz und Steine hat der Klärwärter schon herausgefischt. Die beiden größeren Rechen fangen gröbere Materialien ab, der Sandfang darunter die kleineren Partikel. Das Gröbere wird sofort in Plastikbeutel verpackt und in Containern entsorgt. Der Sand wird erst ausgewaschen, bevor auch diese Materialien abgefahren werden. Die Kapazität der neuen Anlage ist dieselbe wie bei der vorhergehenden. Bei trockenem Wetter beträgt der Durchlass 50 Liter pro Sekunde, bei Regenwetter 69 Liter pro Sekunde. Erneuert werden musste die erst 1996 gebaute Anlage, weil deren bewegliche Teile bereits verschlissen waren.

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Auch das Regenüberlaufbecken wurde erweitert. Die Berechnungen im Zusammenhang mit dem Generalentwässerungsplan für Hartha hatten ergeben, dass das alte Becken zu klein war. Es hatte ein Fassungsvermögen von 550 Kubikmetern. Mit dem Neubau wurde die Kapazität verdoppelt. Dass so viel Wasser bei starken Niederschlägen zusammenkommt, hängt mit dem Mischwassersystem im Einzugsgebiet zusammen. Die Kapazitätserhöhung war notwendig, damit nicht unbehandeltes Wasser in die Gewässer gelangen kann. Im Becken setzen sich die Schmutzstoffe ab. Dafür gibt es drei Kammern mit den entsprechenden Klappen. Ist der Niederschlag vorbei und die Kläranlage wieder aufnahmefähig, wird der Inhalt des Beckens in die Kläranlage gepumpt. (mit rt)

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