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Harthaer macht in China Geschäfte

Ullus Leidel kann nicht nur mit Stäbchen essen. Er kennt sich auch mit Höflichkeit auf Chinesisch aus.

© privat

Von Sylvia Jentzsch

Hartha. Auch Harthaer leisten ihren Beitrag zur Globalisierung. Zu ihnen gehört Ullus Leidel. Mindestens zwei- bis dreimal im Jahr ist er unter anderem geschäftlich in China unterwegs. Am Montag wird er wieder in den Flieger steigen.

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Der Harthaer ist Geschäftsführer und Eigentümer der Firma eviro Elektromaschinenbau & Metall GmbH in Eibenstock. Produziert werden zum Beispiel Wicklungen für Elektromotoren für den Luftfahrt- und Industriesektor. Wicklungen aus Eibenstock befinden sich unter anderem in den Türen des Air-Bus 380 (DA berichtete), die das Unternehmen als einziges in Europa herstellt.

Aber auch in der Anlagenindustrie ist eviro gefragt. Das Unternehmen stellt Rüttelmotoren her. Sie werden zum Beispiel in Anlagen eingebaut, die vibrieren müssen. Zum Einsatz kommen sie unter anderem beim Verdichten von Beton. Doch für die Verwendung in diesen Maschinen sind die in Eibenstock mit viel Handarbeit gefertigten Motoren zu hochwertig. Deshalb machte sich Ullus Leidel auf die Suche nach einem Partner, der die Rüttelmotoren qualitativ hochwertig und preisgünstig produziert. Den fand er in China. Doch bis die Motoren so gefertigt wurden, dass sie deutschen Ansprüchen genügten, dauerte es eine Zeit. Mithilfe des Internets fand der Harthaer mögliche Partner. „Schon bei der Beantwortung der Anfrage per Mail kann man erkennen, ob der Partner seriös ist“, sagte Ullus Leidel. Sein künftiger Partner hat einen Betrieb in Foshan, westlich von Hongkong. Nach einigen Mails machte sich der Harthaer selbst ein Bild vom chinesischen Unternehmen. Das war nicht sein erster Besuch in diesem Land. Leidel unterhält schon länger geschäftliche Beziehungen zu chinesischen Unternehmen. Das erste Mal war er 1999 in Peking.

Mehr Licht am Arbeitsplatz

„Das Geschäft kann man nicht aus der Ferne abschließen. Man muss den Leuten gegenübertreten. Wichtig ist der optische Eindruck der Firma“, sagte Leidel. Bei seinem Besuch vor Ort entdeckte er große Unterschiede gegenüber einem deutschen Industriebetrieb. „Trotzdem war ich optimistisch. Das Unternehmen war gut strukturiert und hatte zum Beispiel einen eigenen Betriebsbus. Allerdings musste sich an den Bedingungen am Arbeitsplatz einiges ändern“, so der Harthaer. So wurde unter seiner Anleitung unter anderem die Beleuchtung erheblich verbessert. „Um die gewünschte Qualität des Produktes zu erreichen, muss das Ziel genau definiert werden. Das ist die Grundlage für eine gute Geschäftsbeziehung“, sagte Ullus Leidel. Zwar könnten die Chinesen deutsche Produkte gut nachbauen. Während die technischen Details stimmen, sei das bei der Optik nicht so. Damit nicht zu viel Know-how außer Haus geht, wird nur das Wissen nach China transferiert, das für die Produktion dieses einen Motors notwendig ist.

Zur Versammlung der Mitglieder des Rotary-Clubs Döbeln-Mittelsachsen gab der Harthaer einige Regeln zum Umgang mit dem Geschäftspartner preis. Dazu gehört unter anderem, dass nicht über persönliche Fehler vor anderen gesprochen wird, da der Chinese sonst einen Gesichtsverlust hinnehmen muss. „Wer in China Geschäfte machen will, sollte mit Stäbchen essen können und mit dem Partner auf Augenhöhe verhandeln“, so Leidel. Verträge gibt es nicht. Die Zusammenarbeit basiert auf dem Vertrauensverhältnis und habe von Beginn an geklappt. Doch bis das Produkt in der notwendigen Qualität geliefert wurde, gab es einige Hürden zu überwinden. Die Lieferungen, die jetzt in Eibenstock ankommen, entsprechen seinen Vorstellungen. Doch von allein passiert das nicht. „Wir können die chinesische Produktion nicht dem Selbstlauf überlassen. Deshalb setzte ich auf eine regelmäßige partnerschaftliche Betreuung“, so Leidel. Über seine Erfahrungen und seine Eindrücke in China würde er auch den Harthaern berichten. Bisher habe er nicht die entsprechenden Partner gefunden.

Fisch hing zum Trocknen

Gern nimmt er die Gastfreundschaft der Chinesen an, die ihm aus Dankbarkeit neben dem Großstadtleben auch die schönsten landschaftlichen Gegenden zeigen. Nicht nur diese beeindrucken den Harthaer, der sich gern Dinge ansieht, die ein Tourist nur selten oder meist gar nicht zu sehen bekommt. „Ich habe gesehen, wie Frauen die Wäsche im Fluss gewaschen und andere gleich daneben das Gemüse geputzt haben. Den Zustand der sanitären Anlagen, die man auf dem Land meist nur als zentrales Gebäude vorfindet, möchte ich nicht beschreiben. Unter diesen Umständen könnten wir nicht mehr leben“, so Leidel. Er erlebte, wie ein Schwein auf der Straße geschlachtet wurden, sah viele Brücken, die lediglich aus Brettern bestanden und kein Geländer hatten und dass auf der Leine neben Unterwäsche und Socken auch Fisch zum Trocknen hing. „Mir wird in solchen Situationen immer wieder bewusst, in welchem Luxus wir leben“, sagte der Geschäftsmann.