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Harthaer schießt sich mit Drogen ab

Der 20-Jährige war nicht das erste Mal vor Gericht. Noch galt für den Angeklagten Jugendstrafrecht. Ein Gerichtsbericht.

© Symbolfoto: Pawel Sosnwski

Döbeln. Es ist nicht nur ein erhobener Zeigefinger, mit dem Richter Janko Ehrlich den Angeklagten warnte. Der 20-jährigen Harthaer stand wegen eines Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Amtsgericht Döbeln. „Sie müssen von den Drogen wegkommen, denn in wenigen Monaten werden Sie 21 – und dann geht das nicht so glimpflich für Sie aus“, sagte der Richter. Er wies auf die Gefahren des Konsums hin: Wer Drogen nehme, brauche Geld und das müsse beschafft werden. Der Harthaer würde dann nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Der schlaksige Harthaer war im schwarzen Kapuzenpulli vor Gericht erschienen. Mit einer unbeholfenen Lockerheit bejahte er die Frage der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe vor Verhandlungsbeginn, ob er wisse, wie er sich zu benehmen habe: „Ich war schon öfter hier.“ Und, dass er selbst aufgestanden sei und ihn die Mutter nicht wecken musste, um den Termin bei Gericht wahrzunehmen.

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Der Harthaer wuchs als jüngstes von mehreren Geschwistern auf, wurde bereits im Kindesalter verhaltensauffällig. Therapien in Kliniken und der Kinder- und Jugendpsychiatrie hatte das zur Folge. Er besuchte die Lernförderschule, die er nach eigenen Angaben ohne Abschluss beendete. Verschiedene Maßnahmen, ihn in den Arbeitsmarkt zu integrieren, scheiterten. Reichlich Freizeit war die Folge.

Die hatte der Harthaer auch am 13. Oktober. Da fuhr in die Leipziger Eisenbahnstraße, um sich mit Drogen zu versorgen. „Ich hab das alles geholt, um es auszuprobieren“, versuchte er, dem Gericht glaubhaft zu machen. Reumütig fügte er an: „Ich hatte von Leuten gehört, dass das Zeug dort gut ist. Ich hab nicht nachgedacht.“ Zwei Gramm Marihuana, ein Gramm Crystal und eine halbe Pille Ecstasy erwarb der Harthaer und konsumierte die Drogen nacheinander.

„In kürzester Zeit?“, fragte Richter Janko Ehrlich. Nach dem Crystal habe er eine halbe Stunde gewartet, denn das sei nicht so gut gewesen, so die Antwort des 20-Jährigen. „Also doch in kürzester Zeit! Sie haben sich förmlich abgeschossen“, stellte Ehrlich fest. Der Rausch endete im Krankenhaus.

Bezahlt habe der Angeklagte die Drogen, die laut Ehrlichs Rechnung etwa 105 Euro kosteten, von seinem dafür gesparten Geld. „Das war dumm von mir“, versuchte er seine Einsicht erneut zu bekräftigen, musste im weiteren Verlauf der Verhandlung allerdings zugeben, auch jetzt noch Cannabis zu rauchen. Zumindest, wenn er Geld habe. Das letzte Mal vor einer Woche. Weil er jetzt eine Freundin habe, wolle er allerdings damit aufhören.

In ihrer Erklärung wies die Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe nochmals auf die problematischen Familienverhältnisse hin, und dass er unter Betreuung stehe. Bereits mit 13 habe der Harthaer mit „Gras“ rauchen begonnen und bis heute Langzeittherapien gescheut, da er nicht längere Zeit aus seinem Umfeld wolle. Dem Gericht schlug sie jeweils 20 Stunden gemeinnützige Arbeit für sechs Monate und mindestens drei Termine in der Suchtberatung als Strafe und Auflage vor.

Die Staatsanwaltschaft wertete das Geständnis des Angeklagten als strafmildernd, auch wenn er kein unbeschriebenes Blatt sei, und sah eine Verwarnung und 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit als angemessen an. „Ich will mich ändern, auf jeden Fall“, sagte der Harthaer, unsicher grinsend, in seinem Schlusswort.

Eine Verwarnung, insgesamt 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit und drei Termine in der Suchtberatung, war der Spruch von Richter Janko Ehrlich. Zudem sah er die Übernahme der Verfahrenskosten als gerechtfertigt an. Außerdem muss der Harthaer dem Gericht die Durchführung der Maßnahmen nachweisen. Kommt er dem nicht nach, droht ihm ein Ungehorsamsarrest im Jugendgefängnis. Da von beiden Seiten ein Rechtsmittelverzicht erfolgte, ist das Urteil rechtskräftig.

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