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Harthaer Traditionsfirma AL-KO ist umgezogen

Das Unternehmen hat sich neu strukturiert. Am neuen Standort werden nur noch Gasfedern und Einrohrdämpfer produziert.

Von Sylvia Mende

Es ist geschafft. Sowohl die Produktion als auch die Verwaltung der Firma AL-KO Dämpfungstechnik haben sich am neuen Standort in Seifersdorf in der Gemeinde Rossau eingerichtet. Auch wenn noch nicht alle Bilder hängen und es da und dort noch einiges einzurichten gibt, so ist das Unternehmen doch voll funktionsfähig. „Die Umsätze in den beiden Umzugsmonaten Juni und Juli sind auf einem erfreulich hohem Niveau geblieben“, sagte der Geschäftsführer von AL-KO Gerhard Rank.

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„Wir sind im Wesentlichen angekommen. Nun soll die Eingewöhnungsphase schnell beendet werden“, sagte Rank. Vor acht Wochen wurde mit dem Umzug der Produktion begonnen. Das heißt, die Maschinen wurden abgebaut, transportiert und wieder aufgebaut. An denjenigen, die noch standen oder schon aufgebaut waren wurde weiter produziert. „Es gab keine wirkliche Produktionsunterbrechung. Alles hat gut funktioniert. Es gab keine größeren Katastrophen und die kleineren Probleme wurden gut gemeistert“, so der Geschäftsführer. Am schwierigsten sei der Auf- und Abbau der komplexen Montageanlagen gewesen, die vom Sondermaschinenbau hergestellt wurden. Diese Maschinen waren nicht für einen Umzug konzipiert. Der Umzug stellte für die Techniker eine Herausforderung dar. „Das Projekt Umzug lief zusätzlich neben dem normalen Tagesgeschäft her. Außerdem haben die Mitarbeiter der Produktion einen Vorlauf geschaffen, um den Produktionsausfall zwischen Ab- und Aufbau der Maschinen zu kompensieren“, sagte Betriebsrat Henry Görlitz. Das Geschäftsleben sei trotz Umzug weitergelaufen. „Das ist eine große Leistung der Mitarbeiter“, so der Betriebsrat. Ihm sei wichtig, dass die wenigen Mitarbeiter, die noch in Hartha arbeiten, das Gefühl gegeben wird, dass sie mittendrin im AL-KO-Team sind, sie Informationen bekommen und eingebunden werden.

Notwendig wurde der Umzug nach dem Verkauf des Geschäftsbereiches Anhängevorrichtungen an den australischen Konzern TriMas Mitte vergangenen Jahres. Dieser will das gesamte Werksgelände in Hartha nutzen. Die Suche nach einem neuen Standort war für AL-KO schwierig. Etwa 15 Objekte haben sich die Verantwortlichen angesehen, bis die Entscheidung für Seifersbach fiel. Ein Neubau im Harthaer Gewerbegebiet wurde auch in Erwägung gezogen, aber er wäre zu teurer gewesen.

Interessensausgleich ausgehandelt

Im Zuge der Veränderungen wurde vom Betriebsrat ein sogenannter Interessensausgleich mit der Geschäftsführung vereinbart. So gibt es zum Beispiel drei Werkbusse, zwei eigene und einer wird von einer Fremdfirma gestellt. Diese bringen die Mitarbeiter zur Arbeit. „Ein großer Teil hat sich entschieden, mit dem eigenen Auto zu fahren. Diesbezüglich sind wir noch wegen eines Zuschusses zum Fahrgeld im Gespräch“, sagte Henry Görlitz. Abgesichert ist nun auch die Essenversorgung, die in bewährter Weise die Firma Cox übernimmt. Dafür steht eine Küche zur Verfügung, die noch in dieser Woche eingebaut wird. Außerdem greift die Lohnerhöhung von 2,2 Prozent ab Oktober und es gibt einen Tag Urlaub mehr.

Im Zuge des Umzuges gibt es bei AL-KO eine Umstrukturierung. In Seifersbach werden Gasfedern und Einrohrdämpfer produziert. Die Produktion von Stoßdämpfern wurde in die Werke der AL-KO Kober Group in China und Spanien verlagert. AL-KO Dämpfungstechnik wird auch weiterhin Drehscheibe für das Geschäft mit den Stoßdämpfern sein. Das heißt, die auswärtig gefertigten Teile werden in das Werk nach Seifersbach geliefert und von dort aus an die Werke der AL-KO Kober Gruppe verteilt. „Wir versuchen, die Arbeit auf das Zwei-Schicht-System zu begrenzen, können aber bei entsprechendem Bedarf um eine weitere Schicht ergänzen“, sagte Rank.

Weniger Mitarbeiter benötigt

Betriebsbedingte Kündigungen gibt es im Zuge der Standortverlagerung nicht, auch wenn künftig nicht mehr alle der heute 93 Mitarbeiter benötigt werden. „Wegen der Neustrukturierung und der Verlagerung der Stoßdämpferproduktion gibt es einen Personalüberhang“, so Rank. Im Laufe des Jahres werden sechs Mitarbeiter ausscheiden, weil sie die Möglichkeit nutzen, nach 45 Arbeitsjahren mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Außerdem wurden Arbeitsteilzeitlösungen angenommen, die entsprechenden Verträge geschlossen.

Schwierig sei es vor allem für die Senioren, die viele Jahre im Harthaer Betrieb gearbeitet haben, dass ein neuer Produktionsstandort gesucht werden musste, so Henry Görlitz. Der Betriebsrat verspricht, dass die Seniorenbetreuung fortgesetzt wird. Das Unternehmen fühle sich auch der mehr als 60 Jahre alten Tradition der Herstellung von Dämpfungstechnik verpflichtet. Die Teile, die aus dem Industriemuseum übernommen wurden, sind mit umgezogen. Sie sollen einen würdigen Platz bekommen.