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Haste noch Töne?

Herrnhuts Orgel zieht aus. In zwei Jahren sollen die mehr als 1.500 Pfeifen zurückkommen - mit weiteren Tönen, für die extra eine USA-Reise nötig ist.

Orgelbauer Thomas Habellok löst die Pfeifen aus ihrer Behausung. Die Firma Eule erneuert in den nächsten Monaten das Herrnhuter Instrument.
Orgelbauer Thomas Habellok löst die Pfeifen aus ihrer Behausung. Die Firma Eule erneuert in den nächsten Monaten das Herrnhuter Instrument. © Rafael Sampedro

Thomas Habellok hebt die großen Pfeifen mit einem geschickten Dreh aus der Verankerung. Der Orgelbauer der Bautzener Firma Herrmann Eule Orgelbau wird sich in den kommenden Monaten mit ihnen noch genauer beschäftigen müssen. Jetzt aber ist erst einmal einpacken angesagt. Herrnhuts Kirchensaalorgel wird generalsaniert - und erweitert. Das ist auch bitter nötig: "Die Orgel hat beim Anspielen mehr gepfiffen als geklungen", umschreibt Habellok das Szenario. Viel Wind ist offenbar vorschnell entwichen und nicht in den Pfeifen angekommen. Abgesehen davon hat auch der Holzwurm an einigen Stellen genagt. Und an der Rückseite ist die Halterung für einen Blasebalg gar mit Gepäckspanngurten versehen - ein Provisorium, das offenbar schon lange nicht mehr provisorisch ist.

Mit ihren mehr als 1.500 Pfeifen der Schusterorgel ist das Instrument nicht unbedingt der größte Auftrag der Firma. Aber etwas macht die Sache schon besonders: Die Herrnhuter Brüdergemeine wünscht sich, dass das Instrument wieder ein bisschen romantischer und authentischer klingt - so, wie früher Herrnhuter Musik eigentlich geklungen hat. Denn mit dem, was heute als Orgelmusik zu hören ist, hat das nichts zu tun. Die Orgel war damals eher ein Begleitinstrument, hatte keine Solostellung. Und so wollen die Bautzener einen Anbau an die Herrnhuter Orgel anfügen, der den Klang der Instrumente des einstigen Berthelsdorfer Orgelbauers David Tannenberg hat. Unterlagen oder Baupläne gibt es da nicht einfach so - aber original erhaltene Instrumente in den USA. Denn nach Pennsylvanien war Tannenberg im 18. Jahrhundert ausgewandert. Dorthin wird in den kommenden Monaten Orgelbaumeister Dirk Eule fahren, um sich anzuschauen und vor allem anzuhören, was dann in Herrnhut ebenfalls entstehen soll.

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Den Klang der aktuellen Zittauer Schuster-Orgel, die nach dem Brand zum Kriegsende dann in den Jahren 1951 bis 1957 eingebaut worden ist, soll das Instrument aber auch wieder erhalten - in alter Schönheit ohne störende Geräusche. Dafür ist extra ein Intonateur vor dem Abbau vor Ort gewesen, hat Temperatur und Tonhöhen gemessen sowie Aufnahmen vom Klang gemacht, erklärt Orgelbauer Habellok. Während sich der Klang nicht verändern soll, wird es das Äußere sehr wohl. Das Hauptwerk rückt weiter nach vorn - wegen der historischen Erweiterung. Auch Spieltisch und Windanlage müssen überarbeitet werden.

Ohne Musik muss die Gemeinde in der Zwischenzeit aber nicht auskommen - auch wenn die Versammlungen und Gottesdienste auch während der Bauzeit des Kirchensaals weiterhin an gewohntem Ort stattfinden sollen. Kantorin Christiane Rönsch hat aber zum einen ein E-Piano und auch eine Kastenorgel zur Verfügung, die eingesetzt werden könnten. Darüber hinaus stünden auch die Bläser oder eine Musikgruppe mit Gitarre gern zur Verfügung.

Eingebaut werden soll die Orgel planmäßig Ende 2021, sagt Orgelbaumeister Eule. 2022 - zum 300. Geburtstag Herrnhuts - soll dann schlussendlich jede Pfeife und damit jeder Ton sitzen.

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