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Hat Beiersdorf Mitarbeiter und Kommune getäuscht?

Der Schock über die Schließung des Florena-Werkes sitzt tief. Immer noch sind viele Fragen offen.

Hätte die Schließung des Florena-Werkes in Waldheim verhindert werden können?
Hätte die Schließung des Florena-Werkes in Waldheim verhindert werden können? © Dietmar Thomas

Waldheim. Seit Bekanntwerden der Schließungspläne der Beiersdorf AG für das Florena-Werk in Waldheim im Jahr 2022 wird darüber philosophiert, ob dies hätte verhindert werden können. Die CDU-Fraktion des Stadtrates sieht sich schon vor etwa einem halben Jahr, als der Kosmetikriese bekanntgab, bei Leipzig ein neues Werk bauen zu wollen, vor vollendete Tatsachen gestellt. 

Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) habe damals den Stadtrat informiert, dass Beiersdorf sich erweitern will, die Wahl aber nicht auf Waldheim fiel, „weil uns die entsprechenden Gewerbeflächen fehlen und die Anforderungen in Bezug auf die Herstellung von Kosmetik in Sprayflaschen vor zahlreiche sicherheitsrelevante Probleme stellen würde“, teilt Ricardo Baldauf, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, mit.

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Die Kommune habe Beiersdorf zu diesem Zeitpunkt bereits mitgeteilt, „dass wir das nicht stemmen können“, so Baldauf. Er kritisiert, dass der Stadtrat sich dazu nicht habe äußern können. Offen bleibe die Frage, warum der Konzern überhaupt in Waldheim angefragt habe, wenn nicht eine grundlegende Chance bestanden hätte. „Auch ein Angebot im Landkreis und damit ein Halten in der Region wäre schon ein Gewinn gewesen“, so Baldauf.

Doch beim Landkreis hat die Beiersdorf AG offensichtlich gar nicht angefragt. „Im Referat Wirtschaftsförderung des Landkreises Mittelsachsen hat es keine derartige Anfrage nach einer Gewerbefläche für die Erweiterung von Beiersdorf gegeben“, teilte Pressesprecher André Kaiser am Montag auf Anfrage mit.

 Große Gewerbeflächen stünden noch zur Verfügung, beispielsweise in Berbersdorf. Die Unternehmen würden aber nach ihren individuellen Anforderungen und Kriterien entscheiden, wo sie sich ansiedeln oder investieren.

Dass sich mit Veronika Bellmann (CDU) eine Bundespolitikerin zu dem Thema Gedanken macht und aktiv wird, begrüßt Bernd Wetzig, stellvertretender Vorsitzender der Freien Demokraten Mittelsachsens. Wie berichtet, will Bellmann mit Beiersdorf verhandeln, um einen Shuttleverkehr zwischen Waldheim und dem neuen Standort in Seehausen zu organisieren. 

Dieser Vorschlag sei jedoch nur auf den ersten Blick gut, so Wetzig. Dass es tatsächlich dazu kommt, bezweifelt er. Er glaubt, dass nur wenige Mitarbeiter diesen Shuttleverkehr nutzen würden. Grund: Für alle, die derzeit schon mit dem Auto aus Döbeln, Leisnig, Hartha und dem Umkreis mit bis zu 30 Minuten oder mehr Fahrzeit anreisen, würde sich die Wegzeit zur Arbeit dann mit der Fahrt nach Waldheim, Umstieg in den Bus auch auf etwa zwei Stunden erhöhen. „Das ist meines Erachtens unzumutbar“, so der FDP-Mann.

Das unternehmerische Verständnis für die Standortentscheidung könne er prinzipiell teilen. „Im vorliegenden Fall geht es aber, gelinde gesagt, um grobe Täuschung von Mitarbeitern und öffentlicher Hand“, so Wetzig. 

„Wieso hat die Ankündigung von Beiersdorf, dass es zwischen den Sortimenten von Waldheim und Leipzig keine Überschneidung und damit keine Gefahr für den Standort Waldheim gibt, niemand vertraglich fixiert?“, fragt Wetzig.

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Sorge bereitet dem FDP-Politiker auch die entstehende Industriebrache am Eichberg, in der in Waldheim ebenfalls viele Fördermillionen stecken. „Die Arbeitsgruppe von Beiersdorf hat hoffentlich dort mehr Erfolg als bei der Vermarktung des seit etwa 20 Jahren leerstehenden Seifenwerks in Döbeln“, so Bernd Wetzig.

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