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Hat der kleine Ben den Blutkrebs besiegt?

Vor einem Jahr kam die schreckliche Diagnose: Der Junge aus der Oberlausitz  hat Leukämie. Hilfsbereitschaft und Medizin haben seither Wunder bewirkt.

Ben und seine Eltern Yvonne und Swen Tasche können wieder lachen: Die Therapie gegen die Leukämie war erfolgreich.
Ben und seine Eltern Yvonne und Swen Tasche können wieder lachen: Die Therapie gegen die Leukämie war erfolgreich. © Rafael Sampedro

Ben Tasche sieht man an, dass er ein schweres Jahr hinter sich hat: Auf dem Kopf des Achtjährigen sprießen helle Härchen. Schmal wirkt er und man sieht, dass er in den Sommermonaten nicht viel Sonne gesehen hat. Zum Interview mit der SZ sitzt er mit seinen Eltern Yvonne und Swen Tasche sowie den Großeltern im Garten in Altbernsdorf.

Hallo Ben, Du warst vor Kurzem bei Deiner Ärztin. Was hat sie gesagt, wie es Dir geht?

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Ben: Sie hat gesagt: "Wenn ich Dich jetzt nach Hause lasse, dann bist Du gesund."

So richtig?

Yvonne Tasche: Ja. Wir hatten am 22. August die letzte Chemotherapie, vor wenigen Tagen ist auch der Hickman, der Venenkatheder für die Medikamente, entfernt worden (Ben zeigt ein großes Pflaster unterhalb seiner Brust) und nun kann er beinahe wieder alles machen. Sport müssen wir noch weglassen, weil er auch weiterhin Tabletten nehmen muss, die blutverdünnend wirken und auch das Immunsystem geschwächt ist. Bis zu seinem 18. Geburtstag müssen wir ständig zu Kontrollen, er muss auch noch einige Monate Medikamente nehmen. Aber wenn wir die nächsten fünf Jahre ohne Rückfall überstehen, sieht es sehr gut aus.

Was hat Dir in den vergangenen Monaten denn am meisten gefehlt?

Ben: Die Schule! Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich die Schule so vermissen würde. Fußball spielen und Freunde treffen hat mir auch sehr gefehlt - und das Baden im Sommer. Ich durfte ja nicht ins Wasser...

Wann gehst Du wieder in die Schule?

Ben: Nach den Herbstferien. Ich komme dann nicht in meine alte Klasse, sondern bleibe sitzen. Aber das macht nichts, weil ich in der neuen Klasse auch Freunde habe und auch eine nette Lehrerin.

Swen Tasche: Na ja, so kann man das mit dem Sitzenbleiben nicht sagen. Eigentlich wollten wir nicht, dass er die Klasse wiederholt, er hätte es auch geschafft. Aber wir haben uns nun doch dafür entschieden, damit er keinen Stress hat. Er hat ja Unterricht bekommen - in der Klinik und hier zu Hause auch. Da haben sich zwei Lehrerinnen, die eigentlich im Ruhestand sind - Christine Bachmann und Gabi Riccius - spontan bereiterklärt, Ben zu unterrichten. Aber wir merken, dass vieles erst wieder in Gang kommen muss - die Motorik beim Schreiben zum Beispiel.

Du warst ja lange sehr schlimm krank - hattest Du Angst?

Ben: Nein! Hatte ich nicht! Ben schaut fest empört über die Frage. Er trägt ein rotes T-Shirt "Wahre Kämpfer heißen Tasche".

Swen Tasche: Das stimmt wirklich. Er hat gleich am zweiten Tag zu uns gesagt: "Wir schaffen das!" Und er hat auch alles gut weggesteckt.

Yvonne Tasche: Natürlich haben ihn die Chemotherapien angestrengt, er ist durch die ganzen Medikamente auch launischer, empfindlicher als sonst. Aber insgesamt hat er die Therapie wirklich gut vertragen.

Aber schön war es im Krankenhaus sicherlich nicht, oder?

Ben: Das war okay. Weh getan hat mir nichts und ich habe auch einen neuen Freund gefunden: Karl aus Dresden. Dem geht es jetzt auch wieder besser, so wie mir. Was ich wirklich doof fand, war, dass ich am Anfang meinen Bruder nicht sehen konnte, weil er nicht zu mir durfte. Und immer nach Dresden fahren zu müssen und so lange im Auto zu sitzen, das nervt auch.

Swen Tasche: Ja, das war eine Herausforderung: drei- bis viermal die Woche nach Dresden. Ich bin in dem knappen Jahr 60.000 Kilometer mehr gefahren. Ich bin gern pünktlich und möchte nicht, dass die anderen auf mich warten müssen, aber das ist auf der A4 derzeit schwierig, da braucht man bis Dresden fast immer anderthalb Stunden. Dass wir jetzt bis Ende 2020 nur noch einmal pro Monat nach Dresden zu Kontrollen und Untersuchungen müssen, ist eine Erleichterung.

Wenn Sie Ben heute so sehen und mit dem Ben vor einem Jahr vergleichen: Was hat das mit Ihnen gemacht?

Swen Tasche: Sehr viel. Wenn ich daran denke, dass er zu allem, was ihm Spaß gemacht hat, plötzlich keine Lust mehr hatte, sich eine Decke über den Kopf zog und von Fieberkrämpfen geschüttelt wurde, dann bin ich froh und dankbar, dass er jetzt wieder übermütig ist (lacht). Für uns - und auch für manche unserer Freunde - hat es die Prioritäten neu zurechtgerückt. Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich auf Arbeit auch mal Nein sagen kann. Jetzt geht das. Ich bin sehr froh, dass die Kunden unserer Fleischerei das mitgetragen haben und ich die Zeit für Ben hatte. Und die will ich mir auch jetzt für meine Kinder regelmäßig nehmen. Wir haben uns auch entschieden, künftig regelmäßig Urlaub zu machen. Es kann von einem Tag auf den anderen alles so anders sein.

Worauf freuen Sie sich am meisten in den kommenden Monaten?

Swen Tasche: Auf einen normalen Alltag. Ben braucht den. Durch seine Krankheit ist er nicht ausgepowert - und da hat er jetzt schon wieder allerhand Unsinn im Kopf. Auch als Eltern haben wir in den vergangenen zehn Monaten nur noch funktioniert, vieles nebenbei gemacht, alles immer schnell, schnell ...

Bens Krankheit hat die ganze Region in Hilfsbereitschaft versetzt - man denke an die Typisierungsaktion in Bernstadt Ende 2018 ...

Yvonne Tasche: Ja, die Hilfsbereitschaft hat uns überwältigt und wir sind sehr dankbar: Zuerst natürlich unseren Familien, die uns viel abgenommen haben - im Haushalt und auf Arbeit. Wir möchten uns aber auch besonders bei unserer Kinderärztin Alice Möckel in Löbau bedanken, bei der Altbernsdorfer und allen anderen Ortswehren auf dem Eigen, bei ETU-Geschäftsführerin Heike Wieland, dem Autohaus Büchner mit Stephan Marschke, Tanzmusik mit Olaf aus Eibau, den Hauslehrerinnen Christine Bachmann und Gabi Riccius und bei allen, die bei der Typisierungsaktion geholfen haben und sich selbst haben testen lassen. Zum Glück brauchen wir keine Stammzellenspende, aber vielleicht hat die Aktion anderen geholfen.

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