merken
PLUS

Hat die Krone eine Chance, Herr Ahrens?

Dass es in der Stadthalle bald Events gibt, hält Bautzens OB für unrealistisch. Lieber widmet er sich anderen Projekten.

Braucht Bautzen eine fünfte Grundschule? Können Veranstaltungen in der Krone stattfinden? Wie kann die Stadt verhindern, dass Familien abwandern. Mit diesen und anderen Fragen muss sich Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) beschäftigen.
Braucht Bautzen eine fünfte Grundschule? Können Veranstaltungen in der Krone stattfinden? Wie kann die Stadt verhindern, dass Familien abwandern. Mit diesen und anderen Fragen muss sich Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) beschäftigen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Über kaum ein Thema wird derzeit mehr diskutiert: Die Stadthalle bewegt viele Bautzener. Nachdem die städtische Wohnungsbaugesellschaft das Haus gekauft hat, fragen sich viele, wie es weitergeht. Bei der Suche nach einer Antwort legt sich Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) jetzt mit den Stadträten an. Im SZ-Gespräch spricht Ahrens über das Verhältnis zu ihnen und erklärt, warum er eine Diskussionsrunde organisieren will.

Herr Ahrens, drei Fraktionen im Stadtrat werfen Ihnen gerade Wortbruch vor. Bringt Sie das ins Grübeln?

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Nein, das bringt mich nicht ins Grübeln. Aber der Vorwurf ärgert mich schon sehr. Ich habe den Stadträten gesagt, dass ich bereit bin, über eine Erhöhung des Kulturfonds zu sprechen. Dass diese Stadträte nun behaupten, ich hätte ihnen 300 000 Euro zugesagt, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist auch technisch gar nicht möglich. Ich kann allein einen Haushaltsposten nicht fest zusagen. So etwas muss im Stadtrat besprochen und beschlossen werden. Und das wissen die Stadträte auch.

Die Stadträte wollen den Kulturfonds erhöhen, um die Krone zu fördern. War Ihnen das beim Gespräch klar?

Ja, das war von Anfang an Thema. Wenn kulturelle Veranstaltungen in der Krone stattfinden, bin ich auch gern bereit, diese mit zu unterstützen. Wobei ich den Stadträten von Anfang an auch gesagt habe, dass es bei einer Erhöhung des Kulturfonds nicht nur darum gehen darf, ausschließlich etwas für die Krone zu machen. Und natürlich muss es auch einen Vorschlag der Gegenfinanzierung geben.

Aber hatten Sie bisher nicht immer betont, dass die Stadt keinen Cent in die Krone investieren wird?

Keinen einzigen Cent wird die Stadt in die Betriebskosten der Krone investieren. An dieser Aussage hat sich nichts geändert. Dazu gehört für mich auch das Marketing. Für die professionelle Vermarktung kann die Stadt nicht zahlen. Aber zum Beispiel Gagen für Künstler könnte man sponsern. Ich habe nichts dagegen, wenn die Krone bis zum Abriss genutzt wird. Mittlerweile ist jedoch bekannt geworden, dass die technischen Anlagen in der Krone seit fünf Jahren keine Abnahmen mehr hatten. Stellen Sie sich mal vor, da geht etwas schief. Vor dem Hintergrund ist es völlig absurd, sich Gedanken darüber zu machen, was man Tolles dort veranstalten könnte.

Also ist es unrealistisch, dass in diesem Jahr dort Events stattfinden?

Das ist unrealistisch, davon gehe ich aus.

Bei der Debatte um die Krone zeigt sich, dass das Vertrauen zwischen Stadträten und Stadtspitze fehlt. Ist die Stadt so noch fähig, Entscheidungen zu treffen?

Natürlich kann die Stadt nach wie vor Entscheidungen fällen. Ob sie konstruktiv arbeiten kann, ist eine andere Frage. Ich bin mir aber sicher, dass die Mehrheit der Stadträte konstruktiv arbeiten will und auch Verantwortungsbewusstsein hat.

Das heißt, Sie sind zuversichtlich, dass der Haushalt eine Mehrheit findet?

Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Ob die Stadträte wirklich an der Frage nach dem Kulturfonds den ganzen Haushalt scheitern lassen wollen, wird sich zeigen. Ich kann niemanden Vorschriften machen.

Der Haushalt, die Krone – aber auch der Bauunternehmer Jörg Drews sorgt für Debatten. Sie haben eine öffentliche Diskussionsrunde vorgeschlagen. Wann soll die stattfinden?

Im ersten Quartal wird diese Veranstaltung stattfinden. Neben Herrn Drews möchte ich dazu auch, die Demokratiepreisträgerin Annalena Schmidt, einladen. Aber auch die Menschen im Publikum dürfen dann mitdiskutieren. Ich verspreche mir von der Runde einen tatsächlichen Meinungsaustausch, eine Diskussion auf Sachebene. Die gab es bisher nicht. Ich gehe mit Herrn Drews in einer Reihe von Ansichten nicht konform. Aber ich habe von ihm nie einen Satz gehört, der sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richtet.

Aber auch Sie sprechen von seinen „kruden Positionen“. Was genau meinen Sie denn damit?

Man darf nicht vergessen, dass er ein erfolgreicher Unternehmer ist. Es ist eine große Leistung, was er aus der Firma gemacht hat. Ich finde es auch gut, dass er sich nicht den Mund verbieten lässt. Mit „kruden Positionen“ meine ich, dass Herr Drews eine gewisse Affinität zu Verschwörungstheorien hat. Außerdem hat er auf einer Veranstaltung gesprochen, bei der auch die Identitäre Bewegung zugegen war. Ich erwarte von ihm, dass er sich von dieser rechten Gruppierung distanziert.

Und wenn er das nicht tut?

Dann macht er sich zurecht angreifbar. Und dann würde ich auch nicht zögern, ihn dafür zu kritisieren.

Bedeutet kritisieren auch, dass die Stadt dann nicht mehr mit ihm und seiner Firma zusammenarbeitet?

Wir arbeiten nicht privat mit Herrn Drews zusammen. Wir arbeiten mit einem Unternehmen zusammen. Ich weigere mich, die ganze Firma in „Sippenhaft“ zu nehmen, selbst wenn es berechtigte Kritik an der Person des Geschäftsführers gäbe. Hentschke Bau ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Die liefern Qualität, die gewinnen Ausschreibungen für Brücken, für vieles mehr. Das muss man trennen.

Lange wurde über den Standort für die neue Grundschule gesprochen. Jetzt steht das Projekt ganz auf der Kippe. Braucht Bautzen den Neubau?

Nach derzeitigem Stand zweifle ich daran, dass wir eine weitere städtische Grundschule brauchen. Es wäre natürlich schön, aber bei der derzeitigen Sachlage würden wir wohl keine Fördermittel aus Dresden bekommen. Das würde die Sache für die Stadt erheblich teurer machen. Auch die Frage der Lehrer ist noch völlig unklar. Es kann theoretisch sogar passieren, dass für die neue Schule an anderen Einrichtungen der Stadt Lehrer abgezogen werden.

Aber eine Stadt wie Bautzen sollte doch den Anspruch haben, eine vernünftige Schullandschaft anzubieten.

Ja natürlich. Und natürlich wäre der Neubau auch eine Entlastung für unsere Grundschulen. Aber selbst wenn wir heute sagen, wir legen los, dann wäre das Haus erst dann fertig, wenn die Zahl der Schüler schon wieder zurückgeht. Mir widerstrebt der Gedanke, 15 Millionen für einen Neubau auszugeben, der fünf Jahre nach Fertigstellung schon nicht mehr gebraucht wird. Außerdem bieten wir schon jetzt eine sehr gute Schullandschaft.

Und wann soll die Entscheidung fallen?

Auf jeden Fall noch in diesem Jahr.

Sie zögern bei der Grundschule, dabei könnte man mit der Aussicht auf den Neubau junge Familien daran hindern, Bautzen zu verlassen?

Die Familien ziehen nicht aufgrund der Grundschulsituation weg. Sie verlassen die Stadt aufgrund der Wohnsituation. Einige Kilometer außerhalb von Bautzen bekommen sie für denselben Preis das doppelte oder dreifache Bauland. Darauf haben wir wenig Einfluss. Und wir haben ohnehin nur noch wenig Flächen, auf denen wir Baugrundstücke anbieten können.

Aber wie wollen Sie dann verhindern, dass Bautzen immer älter wird?

Wir arbeiten gerade an einem neuen Wohnungsbaukonzept. Es fehlen uns nicht nur Eigenheimgrundstücke. In der Altstadt überwiegen Zwei- und Dreizimmer-Einheiten. Dabei gibt es etliche große Familien in Bautzen mit vielen Kindern. Und die finden nur sehr schwer eine passende Wohnung.

Gibt es schon konkrete Ideen?

Die Perfecta-Brache, die als Standort für die neue Grundschule Zustimmung fand, wäre auch ein idealer Ort für den Wohnungsbau. Dort könnten Häuser stehen mit drei Etagen für drei Familien, die sich als Bauherrengemeinschaft zusammenfinden. An solche Konzepte sollte man denken.

Sie haben gesagt, dass Sie sich weniger Autos in der Innenstadt wünschen. . .

Ja, ich könnte mir gut vorstellen, dass wir die Strecke Lauengraben/Steinstraße verkehrsberuhigen. Man muss die Innenstadt weiterhin aus allen Himmelsrichtungen mit dem Auto erreichen können. Doch den Durchgangsverkehr brauchen wir nicht.

Weiterführende Artikel

Darf in der Krone gefeiert werden?

Darf in der Krone gefeiert werden?

Nach der Schlüsselübergabe sind viele Fragen ungeklärt. Stadt und Wohnungsbaugesellschaft ringen um Antworten.

Ahrens kritisiert Demo-Auftritt von Drews

Ahrens kritisiert Demo-Auftritt von Drews

Der Bauunternehmer hatte bei einer Kundgebung gesprochen, an der auch eine rechtsextreme Gruppe teilnahm. Das geht zu weit, findet Bautzens Oberbürgermeister.

Genau das sagten Sie schon im letzten Jahr. Welchen Schritt werden sie in den kommenden Monaten unternehmen?

Wenn sich die Autofahrer daran gewöhnt haben, dass die Zeppelinstraße wieder geöffnet ist, wollen wir Verkehrsmessungen durchführen. Im Herbst werden wir beraten, wie es mit dem Thema weitergeht.

Gespräch: Marleen Hollenbach, Theresa Hellwig