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Hat ein Lawalder seine Ex vergewaltigt?

Was für den Mann mit Liebe, Zusammenzug und gemeinsamem Kind begann, endete mit schweren Vorwürfen seiner Partnerin - und nun vor Gericht.

Symbolbild.
Symbolbild. © Symbolbild: dpa

Alles begann so verheißungsvoll. Ein damals 40-Jähriger aus Lawalde, der seit längerer Zeit ohne feste Partnerin war, gab 2012 eine Anzeige in der Zeitung auf und freute sich, als ihm eine Frau schrieb. Sie verabredeten sich, verbrachten viel Zeit miteinander, wollten das Leben nun gemeinsam meistern. Schon im Jahr darauf zog die weitaus jüngere Frau bei ihm ein. Im September meldete sich Nachwuchs an, 2014 kam Linda auf die Welt – ein Wunschkind für beide. Alles sei wie im Traum gewesen, berichtete der Mann. Doch aus diesem erwachte er relativ schnell. 

So musste er sich nun wegen Vergewaltigung, mehrfacher Körperverletzung und Hausfriedensbruch vorm Schöffengericht am Amtsgericht Zittau verantworten. Fünf Einzelstraftaten enthielt die von Staatsanwalt Jürgen Ebert verlesene Anklageschrift. Die ersten vier sind demnach während der Partnerschaft passiert. Darunter fallen drei Streitfälle, bei denen der Angeklagte die Klägerin auch verprügelt haben soll. Er habe sie ins Gesicht geschlagen und am Kopf verletzt, hieß es. 

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Der wohl schwerste Vorwurf bezog sich auf einen vermeintlichen Zwischenfall 2015. Die Geschädigte habe schon im Bett gelegen, als der Mann zu ihr kam. Aufgestachelt durch ihre Beschimpfung als "Schlappschwanz" sei er über sie hergefallen, habe versucht,  seine Hand zwischen ihre Beine zu schieben und schließlich Oralverkehr zu erzwingen. Sie drehte aber ihren Kopf zur Seite und biss ihn in den Oberarm. Im April 2016 erfolgte die spontane Trennung seitens der Frau, die umgehend mit der Tochter nach Frankfurt/Oder zog. Dort soll sich dann die letzte Tat abgespielt haben, als er seine Tochter besuchen wollte. Angeblich verschaffte er sich gewaltsam Zutritt zur Wohnung, schrie dort herum und beleidigte die Kindesmutter. 

Etwa eine Stunde lang erzählte der Beschuldigte im Anschluss, wie die anfängliche Euphorie besonders seitens der jungen Frau spontan in Ablehnung und offenen Hass umschlug. Überall habe sie ihn verleumdet und beschimpft, besonders auch gegenüber ihren Eltern, die sich diese Meinung sehr schnell selbst zu Eigen machten. Als es um das Sorgerecht für die Töchter ging, beschimpfte sie auch das Jugendamt als "Helfer und Handlanger eines Vergewaltigers und potenziellen Mörders". Dabei habe er ihr nie zu so etwas Anlass gegeben, versicherte der Angeklagte. Immer habe er versucht, den Ball flach zu halten, doch die plötzlichen unerwarteten Ausbrüche deuteten wohl auf eine gespaltene Persönlichkeit der Klägerin hin. 

Ja, es habe in den Auseinandersetzungen wohl zwei Ohrfeigen gegeben, räumte er ein. Alle anderen Beschuldigungen, einschließlich der Vergewaltigung, seien aus der Luft gegriffen. 

Die ehemalige Partnerin durfte sich - auf Antrag - unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu der Sache äußern. Die dauerte weit über zwei Stunden. Das Schöffengericht jedenfalls war wohl nicht von den Aussagen überzeugt. Richter Holger Maaß verkündete, dass die umfangreiche Beweisaufnahme keineswegs die Schuld des Angeklagten bewiesen habe. Das gelte insbesondere für den Vorwurf der Vergewaltigung. Hier stehe Aussage gegen Aussage. Um das Verfahren unkompliziert zu Ende zu bringen, müsse dieser Punkt eingestellt werden. Ein entsprechender Beschluss erging. Nicht bewiesen war auch der vermeintliche Hausfriedensbruch. Den gab es wahrscheinlich gar nicht. 

Blieben noch die beiden Ohrfeigen. So etwas komme in den besten Familien vor, stellte Staatsanwalt Ebert fest. Er sehe darin kein dringendes öffentliches Interesse, was eine Hauptverhandlung rechtfertige. Deshalb schlug er eine Einstellung vor. Damit war allerdings der Verteidiger nicht einverstanden. Er wolle ein Urteil, aus dem klar die Unschuld seines Mandanten hervorgehe. Der Staatsanwalt umriss noch einmal den Ablauf, schilderte die psychische Instabilität der Klägerin, die zum Zeitpunkt der Anzeige eine diesbezügliche Therapie absolvierte. Der Angeklagte habe stets – auch nach der Trennung – versucht, den Kontakt in vernünftige Bahnen zu lenken, vor allem im Hinblick auf seine kleine Tochter. Außerdem sei er nicht strafrechtlich vorbelastet. Deshalb komme für ihn nur ein Freispruch in Frage. Am Ende verließ der Angeklagte den Saal als freier Mann.

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