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Hat Fiel die Falschen aufgestellt?

Dynamos Trainer setzt im Abstiegskampf auf Künstler statt Kämpfer – und verteidigt vehement seine Mannschaft.

Was Cristian Fiel den Spielern sagt, bleibt intern. Man darf aber sicher davon ausgehen, dass Baris Atik und Kollegen deutliche Worte zu hören bekamen.
Was Cristian Fiel den Spielern sagt, bleibt intern. Man darf aber sicher davon ausgehen, dass Baris Atik und Kollegen deutliche Worte zu hören bekamen. © PICTURE POINT/Sven Sonntag

Die Enttäuschung ist größer als der Ärger, zumindest noch. Auch knapp eine Stunde nach der Niederlage teilt Dynamos Cheftrainer ausnahmslos die Gefühlslage der Fans: irgendetwas zwischen deprimiert und ernüchtert. Cristian Fiel versucht deshalb erst einmal sich und dann auch allen anderen plausibel zu machen, was in Sandhausen passiert ist. „Fußball ist einfach so“, meint er.

Eine echte Erklärung hat Fiel ad hoc nicht parat. Dabei ist das Ergebnis noch das Beste am Spiel. Statt 1:3 hätten die Dresdner ja gut und gerne auch 1:5 oder höher verlieren können. Apropos … Am Sonntag kommt Köln nach Dresden, der Spitzenreiter also, dem Dynamo in der Hinrunde mit 1:8 unterlegen gewesen ist.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Das bedeutet: Ohne jeden Erwartungsdruck wird die Mannschaft wie schon oft in vergleichbaren Situationen vermutlich ein ganz ordentliches Spiel zeigen, wahrscheinlich trotzdem verlieren und anschließend womöglich mit richtig viel Druck zum Auswärtsspiel in Ingolstadt antreten. Was dann passiert? Ausgang offen.

Gerät der fast schon sicher geglaubte Klassenerhalt noch einmal in Gefahr? Muss man sich plötzlich doch wieder Sorgen machen? Der Trainer weicht aus. Das müsse sich jeder selbst beantworten. Er jedenfalls habe reichlich zu tun, Sorgen machen gehört nicht dazu.

Das bange Gefühl bleibt, mindestens für Außenstehende. Schließlich ist in Sandhausen genau das eingetreten, wovor im Vorfeld alle gewarnt hatten. Unterschätzt hätten sie den Gegner bestimmt nicht, behaupten die Spieler, konzentriert und engagiert bei der Sache sind sie allerdings auch nicht gewesen.

Haris Duljevic gehört
zu den Spielern, die
am meisten in der Kritik stehen.
Haris Duljevic gehört zu den Spielern, die am meisten in der Kritik stehen. © Lutz Hentschel

Dabei, gesteht Kapitän Sören Gonther und benennt mehr oder weniger ungewollt Dynamos eigentliches Problem, habe Fiel die Mannschaft optimal eingestellt. Wem sonst soll und kann das gelingen, wenn nicht ihm, dem emotionalen Motivator. Einem, der die Sprache der Spieler spricht und dessen eigene Karriere unter anderem mit ähnlich trostlosen Partien in Sandhausen erst vor vier Jahren endete? Wenn Spieler dann trotzdem nicht das tun, was der Trainer Fiel fordert, wirft das grundsätzliche Fragen auf.

Fragen zur Einstellung, der Mentalität, des Charakters. „In den vergangenen Wochen, als wir fünfmal hintereinander nicht verloren hatten, haben mir alle gesagt, wie toll das meine Spieler machen“, entgegnet Fiel nun jedoch hörbar erregt. Die Enttäuschung weicht aus seinen Worten, er geht in die Offensive: „Ich brauche alle Spieler, das habe ich immer gesagt. Und alle bekommen ihre Spielzeit. Nur diesmal haben wir es einfach nicht gut gemacht.“

Man könnte auch anders fragen, zugespitzter: Hat sich Fiel in dieser für den Abstiegskampf richtungsweisenden Partie für die Falschen entschieden? Nämlich für Künstler statt Kämpfer, insbesondere im Zentrum des Spiels. Für Baris Atik und Haris Duljevic, die nicht erst in Sandhausen mehr mit Reklamieren und Theatralik aufgefallen sind, anstelle von robusteren Typen wie Janis Nikolaou und Patrick Ebert. Beide haben auf der Ersatzbank Platz genommen. Oder auch Aias Aosman und Rico Benatelli, die nicht mal zum Kader gehörten. Dem nach der Saison zum FC St. Pauli wechselnden Benatelli ist das sogar zum dritten Mal in Folge passiert, obwohl Fiel zuletzt immer wieder in Größenordnungen die Anfangsformation veränderte.

Näher muss das nicht hinterfragt werden, Fiel antwortet sofort und prinzipiell. „Eines ist auch klar“, sagt er energisch, „wenn ich bestimmte Spieler aufstelle und wir gewinnen, heißt es, ich habe gut aufgestellt. Und wenn wir verlieren, wird es heißen, warum hat er die anderen nicht aufgestellt. Ich kenne dieses Spiel.“

Fiel, das wird nicht nur mit dieser Situation deutlich, stellt sich in der Öffentlichkeit kategorisch vor die Mannschaft. Was soll er auch anderes tun? „Und deshalb kann ich nur eines sagen: Ich habe mich auf den Positionen für andere Spieler entschieden. Was das für Sonntag bedeutet, werden wir sehen.“ Diskussion beendet – und auch wieder nicht.

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Mit dem bangen Gefühl bleiben offene Fragen. Wie sehr darf man beispielsweise Abwehrchef Florian Ballas glauben? „Gerade jetzt zeigt es sich, was wir für eine Mannschaft sind und wie stark der Charakter der Mannschaft ist. Und da bin ich absolut positiv gestimmt“, sagt er, während Fiel relativiert: „Wir haben ein Spiel verloren, und wir waren nicht gut, das ist ein Fakt. Aber deshalb war das, was wir in den vergangenen Wochen gemacht haben, nicht schlecht. Die Jungs haben gezeigt, dass sie es können. Das ist das Gute, daran müssen sie sich messen lassen.“

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