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Görlitz

Hat Görlitz zu viele Friseure?

Die Branche hat wirtschaftlich zu kämpfen. Und immer neue Geschäfte kommen hinzu. Auch einen Barbier gibt es jetzt.

Er ist neu dabei in der Görlitzer Friseurlandschaft: Der Syrer Mohamad Habboush (rechts) führt seit März auf der Schulstraße einen Barbershop. Inzwischen ist er nicht mehr allein hier, Chris Kabst (links) und Jussof Halbo (Mitte) unterstützen ihn.
Er ist neu dabei in der Görlitzer Friseurlandschaft: Der Syrer Mohamad Habboush (rechts) führt seit März auf der Schulstraße einen Barbershop. Inzwischen ist er nicht mehr allein hier, Chris Kabst (links) und Jussof Halbo (Mitte) unterstützen ihn. © Fotograf: André Schulze

Vollbart ist in. Mohamed Habboush hat selber einen. Exzellent gepflegt versteht sich. Denn der 32-Jährige, der vor vier Jahren aus Syrien kam, ist Friseur. Herrenfriseur. In Syrien gibt es da getrennte Ausbildungen, erklärt er. Inzwischen hat er auch den deutschen Meister in der Tasche, „sehr schwierig, sehr kompliziert“ beschreibt er die Meisterschule. Doch er musste da durch, schließlich wollte er ein eigenes Geschäft eröffnen. „Ich habe vorher in einem Görlitzer Salon gearbeitet und gemerkt, wie groß die Nachfrage auch nach Bartpflege ist.“

Im März erfüllte sich Mohamed Habboush seinen Traum, eröffnete auf der Schulstraße unter dem Namen „New Look & Barber shop“ seinen eigenen Laden, einen reinen Herrenfriseur. Flippig sind die Räume eingerichtet, jung und modern, dunkle Möbel vor roten Ziegelwänden. Es läuft super, „viel Arbeit“, sagt der junge Syrer. So gut sogar, dass er inzwischen einen deutschen Angestellten hat und über einen weiteren nachdenkt.

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Obwohl andere Salons auch Bartpflege anbieten, ist Mohamed Habboushs Laden der einzige Barbershop in der Stadt – jedenfalls auf deutscher Seite. In Zgorzelec gibt es noch den Barbershop „Lord“. Einen Barbier hatte auch Friseurmeisterin Susanne Leyer in ihrem Königshufener Salon. „Damals waren wir die Einzigen“, sagt sie. Inzwischen ist der junge Mann aber weg.

Mit Mohamed Habboush bereichert nun allerdings ein weiterer Friseur die Branche in Görlitz. Mancher Kollege findet, dass es schon fast zu viele Salons in der Stadt gibt. Innungsobermeister Karl-Heinz Peter hat zwar nicht die genau Zahl für die Stadt parat, aber für den Landkreis. 275 Friseurbetriebe zählte die Handwerkskammer demnach zwischen Zittau und Weißwasser. „Das ist Wahnsinn“, sagt Peter. Zu Görlitz sagt er, es seien „unwahrscheinlich viele und es reiche auch“. Immerhin wollen ja alle ihr Auskommen haben.

Von reich werden kann da keine Rede sein, sagt Tobias Pätzold, der die Figaro-Kette in Görlitz leitet und damit sechs Salons mit 45 Angestellten. Wirtschaftlich überleben müsse man können, darum gehe es. Bei Figaro klappt das ganz gut, in einem so großen Unternehmen kann man besser jonglieren, Mitarbeiter in Urlaubs- oder Krankheitsfällen als Springer einsetzen. Herren können hier auch ohne große Wartzeit spontan zum Haareschneiden kommen. Das ist in Geschäften mit ein bis zwei Mitarbeitern kaum möglich. Aber gerade davon gibt es in der Stadt viele, wie auch der Innungsobermeister bestätigt. „Chef oder Chefin und ein Mitarbeiter, so ist es meistens. Viele wollen lieber nicht zu viele Angestellte wegen der Kosten“, sagt Karl-Heinz Peter. Er selbst hat vier Mitarbeiter, durchs Sommerloch, das auch die Friseure kennen, komme er aber ganz gut. Schließlich ist auch bei den Friseuren mal Urlaubszeit.

Danach beginnt das neue Ausbildungsjahr. Das Thema Lehrlinge wird bei den Görlitzer Friseuren allerdings immer mehr zum Problem. Zwar ist der Beruf attraktiver geworden, weil die Lehrlingsgehälter gestiegen sind. Trotzdem gibt es fürs neue Ausbildungsjahr laut Karl-Heinz Peter erst fünf angemeldete Azubis. „Ab 16 wird aber im Beruflichen Schulzentrum Görlitz erst eine Klasse gebildet. Das heißt, sie müssen dann möglicherweise nach Bautzen oder Dresden fahren.“ Davon hat Tobias Pätzold noch nichts gehört. Bei Figaro sollen zwei der fünf Lehrlinge anfangen, „hoffentlich kommt eine Klasse für Görlitz zusammen“, sagt Pätzold.

Am gestiegenen Entgelt kann es freilich nicht liegen, dass es kaum Nachwuchs gibt. „Aber an den Kosten“, sagt der Innungsobermeister. Das bestätigt Susanne Leyer, die neben ihrem Salon in Königshufen noch Friseurläden in Ostritz und Schönau-Berzdorf betreibt. „Unsere Kosten steigen ständig, wir müssen das auch auf die Preise umlegen, anders geht es gar nicht“, sagt sie. Dennoch war sie, ihren eigenen Worten zufolge, so mutig, fürs kommende Ausbildungsjahr ebenfalls zwei Lehrlinge zu nehmen. „Deren Entgelt für das erste Ausbildungsjahr steigt ab Januar stark, von 200 Euro auf dann 517 Euro.“ Das ist ein großer Posten für ein kleines Unternehmen. Doch sie will es wagen und hat auch einiges unternommen, um zwei gute Azubis zu finden, war beim Job-Speeddating, auf der Ausbildungsmesse.

Ob Görlitz letztlich zu viele Friseure hat, vermag sie nicht zu sagen. „Ich habe selbst in unmittelbarer Nähe Konkurrenz, aber das geht schon.“ 

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