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Hat Oderwitz genug für die Firma getan?

Enttäuschung über den Umzug der Arno Hentschel GmbH nach Zittau: Hat die Verwaltung alles versucht? Der Geschäftsführer erklärt seine Gründe.

Noch in Oderwitz: Die Arno Hentschel GmbH, die Gitterroste herstellt und weltweit verkauft.
Noch in Oderwitz: Die Arno Hentschel GmbH, die Gitterroste herstellt und weltweit verkauft. © Rafael Sampedro

Die Nachricht vom Wechsel der Arno Hentschel GmbH nach Zittau haben die Oderwitzer Gemeinderäte nicht gern in der SZ gelesen. Immerhin ist das Unternehmen ein international bedeutender Hersteller von Gitterrostbefestigungen - nahezu überall auf der Welt finden sich Gitterroste aus Oderwitz. "Was haben wir denn getan, um das Unternehmen hier zu halten, haben wir Flächen angeboten?", wollte deshalb ein Gemeinderat von Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) wissen. 

Die Antwort fiel deutlich aus: "Ja, das haben wir selbstverständlich", sagte Frau Engel. Aber warum genau sich das Unternehmen nun anders entschieden habe, was da genau der ausschlaggebende Punkt gewesen sei, das könne sie nicht genau sagen. Vor anderthalb Jahren habe Geschäftsführer Thomas Scholz ihr mitgeteilt, dass sich die Firma verändern wolle. "Wir haben ihm daraufhin auf Plänen die Flächen gezeigt, die wir anbieten können und er sagte, er überlege es sich", erklärte Frau Engel. Dass in den beiden Gewerbegebieten nicht allzu großer Spielraum bestand, sei auch ihr klar: Im Gewerbegebiet am Spitzberg seien die Flächen zum Teil abschüssig. Andere freie Flächen in Niederoderwitz hätten zum Teil den Status eines Misch- und keines reinen Gewerbegebietes oder lägen zu nah an der Wohnbebauung.

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Genau das, so bestätigt Geschäftsführer Thomas Scholz auf Nachfrage, seien auch tatsächlich die Gründe gewesen, dass er sich am Ende gegen einen Umzug innerhalb der Oderwitzer Grenzen entschieden habe: Die Flächen am Spitzberg wären wegen ihrer Hanglage mit enormen und teurer Erdarbeiten verbunden gewesen. Und weil die Arno Hentschel GmbH als Unternehmen der Schwerindustrie gilt, suche man sehr spezielle Flächen, die auch alle Anforderungen beispielsweise mit Blick auf Lärmschutz erfüllten. Davon gebe es im ganzen Kreisgebiet nur wenige, bestätigt Scholz. Konkret angesehen habe man sich dann alle infrage kommenden Flächen vom Oberland bis nach Zittau und sich dann am Ende für den Standort im Gewerbegebiet Weinau - gegenüber von Accuma - entschieden.

Der Oderwitzer Verwaltung zollt Thomas Scholz für ihre Bemühungen großen Respekt: "Die Gemeinde hat sich wirklich sehr bemüht, es war auch die Rede davon, neue Flächen extra für uns mit einem Bebauungsplan zu versehen, um uns im Ort zu halten", erklärt Scholz. Aber das hätte weiteren Zeitverzug bedeutet. Und Zeit will das Unternehmen, das neben Gitterrosten auch Lösungen für hochwertige Umformwerkzeuge und die Herstellung von Stanzteilen und – baugruppen für die Industrie, den Großhandel sowie den Maschinen- und Anlagenbau anbietet, nicht mehr verlieren. Abgesehen davon, dass man zwischen den drei Standorten in Oderwitz ständig pendeln müsse und mehr Aufwand mit Qualitätssicherung habe, sei auch die Internetversorgung an einem der drei Oderwitzer Adressen leider noch nicht optimal, obwohl auch hier die Gemeinde alles getan habe, um dies zu verbessern. Hinzu kommen Platzprobleme: "Eine neue Maschine kann ich derzeit gar nicht mehr einführen", skizziert Scholz.

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In Zittau nun wird das Unternehmen, das 75 Jahre lang in Oderwitz ansässig ist, endlich einen Zweischichtbetrieb einführen können, alles an einer Stelle konzentrieren und noch genügend Platz haben, um sich in Zukunft weiterzuentwickeln. Ab Frühjahr 2020 will die Arno Hentschel GmbH schon in Zittau produzieren, 2021 soll alles fertig sein. Geplant ist eine Fertigungshalle mit einer Fläche von 3.000 Quadratmetern für Produktion, Logistik, Werkzeugbau und ein Bürogebäude für zusammen mehr als sechs Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter soll von 20 auf 30 steigen.

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