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Hat Pirna zu wenig Fahrradparkplätze?

Laut einer Studie des ADFC mangelt es an diebstahlsicheren Abstellplätzen am Bahnhof. Das Rathaus hat bereits einen Plan.

Überdachte Fahrradparkplätze am Bahnhof Pirna: Täglich zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet.
Überdachte Fahrradparkplätze am Bahnhof Pirna: Täglich zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet. © Daniel Schäfer

Pirna ist eine Stadt der Pendler. Über 9.000 Menschen kommen täglich in die Stadt, fast genauso viele Pirnaer verlassen täglich die Stadt, um beispielsweise zur Schule, zur Arbeit oder zur Uni zu fahren. 

Fast 4.000 Fahrgäste steigen täglich am Pirnaer Bahnhof in den Zug. Zum Bahnhof kommen die Menschen zu Fuß, mit dem Auto - und zunehmend mit dem Fahrrad. "Viele Pendler wollen das Rad mit der Bahn kombinieren", sagt Janek Mücksch, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, "das geht aber nur dann gut, wenn man das Fahrrad angstfrei am Bahnhof stehenlassen kann."

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Allerdings attestiert der ADFC in dieser Hinsicht Pirna einigen Nachholebedarf. Laut einer aktuellen Studie mangelt es am Pirnaer Bahnhof sowie an den Haltepunkten an diebstahlsicheren Fahrradabstellanlagen - gemessen am Fahrgastaufkommen der Bahn.  Gemessen an der Gesamtzahl der vorhandenen Stellplätze schneidet Pirna im sachsenweiten Vergleich aber gar nicht so schlecht ab. 

Ungeachtet dessen will Pirna die Zahl der Fahrradparkplätze erweitern. Sächsische.de erklärt die Details. 

Was hat der ADFC untersucht?

Zwischen Dezember 2018 und Juli 2019 untersuchte der ADFC die Fahrradabstellanlagen an allen 521 sächsischen Bahnhöfen. Auf ihren Arbeitswegen oder bei Radtouren erfassten über 50 ADFC-Mitglieder sowohl die Quantität als auch die Qualität der Drahtesel-Parkplätze. Die Ergebnisse mündeten in einer "Bike+Ride"-Studie, die jetzt vorliegt. 

Nach welchen Kriterien ging der ADFC vor?

Der ADFC bewertete, wie viele Stellplätze es jeweils gibt und wie sie ausgestattet sind. Um eine gute Note zu erhalten, müssen Fahrradparker vor allem so gestaltet sein, dass man Fahrradrahmen sowie Vorder- und Hinterrad gut anschließen kann. Einfache Vorderrad-Halter seien dagegen nicht diebstahlsicher und könnten die Felgen schädigen. Der ADFC empfiehlt zudem, dass auf jeden siebten Fahrgast eine diebstahlsichere und überdachte Abstellanlage kommen sollte. Idealerweise sollte außerdem bei größeren Bahnhöfen jeder 200. Fahrgast sein Rad in einer Fahrradbox, einem Parkhaus oder in einer Sammelschließanlage unterbringen können. 

Wie schneidet Pirna bei der Studie ab?

Die ADFC-Studie attestiert: die Pirnaer Bahnhöfe verfügen über zu wenig diebstahlsichere Parkplätze für Fahrräder. Obwohl laut der Studie täglich fast 4.000 Menschen am Bahnhof in den Zug steigen, gibt es dort nur über 200 Fahrradständer. Der Pirnaer Bahnhof erreicht damit nur die Note 4. 

Der Haltepunkt Copitz-Nord kommt mit neun Vorderrad-Haltern ebenfalls auf die Note 4. Nicht eine einzige Abstellmöglichkeit biete dagegen der Haltepunkt Copitz neben dem Lidl-Markt an der Rennerstraße. Und an der Station Obervogelgesang ließen sich nur fünf einfache Vorderrad-Halter finden. 

Was leitet der ADFC daraus für Pirna ab?

Der ADFC fordert die Stadt sowie den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) auf, die Bahnhöfe mit mehr hochwertigen Fahrradabstellanlagen auszustatten. "In Pirna sehe ich darüber hinaus das Potenzial für eine vollwertige Fahrradstation", sagt Mücksch. In einer solchen Station könnten Räder sicher verwahrt werden, außerdem könnte es dort Serviceangebote wie Fahrradverleih und Werkstatt geben. 

Mücksch sieht gute Chancen, ein solches Projekt zu verwirklichen. Nach seiner Aussage will das Bundesumweltministerium gemeinsam mit den Kommunen bis 2022 mit einer "Bike+Ride"- Offensive zusätzlich Fahrradparkplätze an Bahnhöfen errichten. Während andere deutsche Städte das Förderprogramm bereits rege nutzen, agierten die sächsischen Kommunen in dieser Hinsicht noch sehr zögerlich. 

Welchen Vorteil bringen Fahrradparkplätze?

Kombinieren laut ADFC mehr Menschen ihre Wege mit Bahn und Rad, anstatt das Auto zu nehmen, bringe das für die Allgemeinheit viele Vorteile. So gebe es beispielsweise weniger Lärm und Schadstoffe. Zudem seien Fahrradabstellanlagen preiswerter und platzsparender als Pkw-Stellplätze, auch erhöhten sie den Einzugsradius von Bahnhöfen enorm. "Das Fahrgastaufkommen der Bahn steigt, wenn es in Bahnhofsnähe gute Fahrradständer gibt", sagt Mücksch. 

Steht Pirna wirklich so schlecht da?

Hier kommt es darauf an, nach welchen Kriterien die Situation beurteilt wird. Selbst der ADFC räumt in der Studie ein, dass sich die Zahl der benötigten Fahrradabstellanlagen nicht immer einfach schätzen lasse. Daraus resultiert auch die pauschale Empfehlung, dass auf jeden siebten Bahn-Fahrgast eine Abstellmöglichkeit kommen sollte. Legt man die täglich 4.000 Fahrgäste am Pirnaer Bahnhof zugrunde, würden dort etwa 400 Fahrradparker fehlen. Allerdings ist nicht erwiesen, dass auch jeder siebte Bahn-Fahrgast mit dem Rad zum Bahnhof kommt, möglicherweise sind es auch weniger. 

Wird die Situation nach anderen Kriterien bewertet, steht Pirna gar nicht so schlecht da. Nach Aussage des Rathauses existiert am Bahnhofsvorplatz eine Fahrradabstellanlage mit 214 Plätzen. Diese sind laut der Stadt täglich zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet. Gemessen an der Gesamtzahl der Fahrradabstellplätze bieten von 521 sächsischen Bahnhöfen nur fünf Abstellanlagen - Delitzsch, Dresden-Hauptbahnhof, Freiberg, Leipzig-Hauptbahnhof und Leipzig-"Wilhelm-Leuschner-Platz" - mehr Fahrradstellplätze als die Anlage in Pirna. 

Von diesen Bahnhöfen wiederum hat nach den Kriterien des ADFC - fahrradfreundlich und überdacht - nur der Bahnhof Delitzsch eine höhere Gesamtkapazität als die Abstellanlage in Pirna. 

Gibt es in Bahnhofsnähe weitere Radparkplätze?

Laut der Stadt existieren am Busbahnhof weitere 30, allerdings nicht überdachte Fahrradstellplätze. 

Kommen am Bahnhof weitere Radparkplätze dazu?

Pirna plant mittel- bis langfristig einen großen P+R-Parkplatz in Bahnhofsnähe, er soll nach derzeitigen Plänen auf dem Areal zwischen Bahnhof und Elberadweg entstehen. Dort sind ebenfalls Radparkplätze geplant - wie viele und in welcher Form, wird jedoch erst bei der Planung festgelegt. 

Wird es auch Fahrradboxen geben?

Pirna ist derzeit mit Anbietern von diebstahlsicheren Fahrradparksystemen bzw. Fahrradboxen im Gespräch. Damit soll ein Angebot geschaffen werden, um dem subjektiven Sicherheitsbedürfnis der Radler Rechnung zu tragen - indem sie beispielsweise hochwertige Räder wie E-Bikes sicher anschließen oder verwahren können. Ein erster Standort könnte noch 2020 am Bahnhof realisiert werden. 

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